Call of Duty: WWII im Multiplayer-Test

Ich war skeptisch, aber Call of Duty hat mich wieder zurück!

Wofür steht Call of Duty? Actionpornos voller Patriotismus, Explosionen und Gegnerhorden aus dem Klonlabor, verknüpft mit einer Story, die so viel Tiefgang hat wie ein gewöhnliches Rapvideo. Das klingt zwar nicht sonderlich einladend, ist aber dennoch – man will es kaum glauben – die mit erfolgreichste Spielemarke aller Zeiten. Woran das liegt? Natürlich am Mehrspielermodus. Denn gute Multiplayer-Shooter, die ein „realistisches Setting“ bieten, sind nach wie vor Mangelware. So kommt es Jahr für Jahr zum gleichen Duell zwischen Electronic Arts Battlefield, welches dem Spieler weitreichende Kriegsgefechte mit sehr großen Lobbies oder auch Fahrzeugen ermöglicht, und Activisions Call of Duty, das auf enge, aber dafür extrem rasante Multiplayer-Schlachten setzt.

War ich jahrelang Anhänger der Call of Duty-Reihe, bin ich ihr, Asche über mein Haupt, in den letzten Jahren fremdgegangen. Das hat mannigfaltige Gründe: Zum einen ist man dazu übergegangen, Shooter, die in Zukunftsszenarios spielen, auf den Markt zu bringen, in denen die Spieler dank „Exo Suits“ ähnlich wie Grashüpfer über die Karte hüpfen oder sogar wie Neo an den Wänden entlang gehen konnten. Zum anderen wurden die Ableger aber auch immer weiter verschlimmbessert und so aufgebläht, dass man weit mehr Stress als Spaß an den Multiplayer-Gefechten hatte und folglich zuzüglich zu seinem Arbeitsalltag sogar am Feierabend weiter an seinem Burnout arbeiten konnte.

Nein, mein liebes Call of Duty, du bist raus! Das war’s mit uns. Wir hatten eine schöne Zeit, aber du bist nicht mehr das Spiel, in das ich mich damals verliebt habe. Und gerade, als ich alle Hoffnung aufgegeben hatte und die Scheidung einreichen wollte, hat sich Activision, just im letzten Moment, wieder von seiner Schokoladenseite gezeigt und alles war binnen weniger Stunden wieder gut.

Dank Call of Duty: WWII

Seit dem 3. November 2017 ist Call of Duty: WWII im Handel erhältlich und war ich anfangs noch mehr als skeptisch, bin ich nun hellauf begeistert. Ich spiele quasi nichts Anderes mehr. Woran das liegt, möchte ich euch im folgenden Beitrag gerne schildern.

1. Auf dem Boden geblieben

Back to the roots! So könnte das Motto von CoD: WWII lauten. Denn ganz im Gegensatz zu den jüngsten Ablegern der Reihe, findet man sich in diesem Teil erneut (wohl bemerkt zum vierten Mal) im 2. Weltkrieg wieder.

Kommt euch bekannt vor, nicht wahr? Natürlich beginnt auch dieses CoD wieder mit dem D-Day.

Obschon man sich an dieser Stelle über mangelnde Kreativität beschweren dürfte, begrüße ich diesen Schritt, denn spielerisch hat das einige Vorteile. Nicht nur, dass es zu Zeiten des zweiten Weltkriegs deutlich weniger taktische Ausrüstung gab als heute, gab es erstrecht keine „Exo Suits“ oder anderen Firlefanz, der es einem ermöglicht wie Tigger über die Karte zu hüpfen, geschweige denn wie Spider Man an den Wänden entlang gehen zu können.

Du hast lediglich ein ganz gewöhnliches Waffenarsenal mit relativ konventionellen Aufsätzen und den üblichen Granaten zur Auswahl. Nicht mehr und nicht weniger. Und das ist auch gut so! Wenn ich wie ein Flummi durch die Karte bouncen will, spiele ich ohnehin lieber das gute alte Quake III oder Titanfall.

2. Der Sprengstoff ist wohl teurer geworden

Wenn Call of Duty jemals verfilmt werden sollte, dann soll dieser Streifen bitte den folgenden Namen tragen: „Der mit den Granaten tanzt“

Denn, Hand aufs Herz, wovon wird man in CoD seit jeher am ehesten getötet? Richtig. Von Granaten, Claymore-Minen oder anderen Sprengsätzen. Damit ist jetzt, Gott sei Dank, endlich Schluss! Denn jede Klasse, bis auf eine von fünf, hat nur einen Sprengsatz im Repertoire.

Man kann in CoD: WII gut und gerne über die Karte sprinten, ohne dass man alle 30 Sekunden in 1.000 Einzelteile gesprengt wird. Ein Frustfaktor weniger. So lob ich mir das.

3. Die Serienmörder sind weniger geworden

Punkteserien sind ein Alleinstellungsmerkmal der Call of Duty-Reihe. Punktewas?! Ich erkläre es euch gerne: Wenn ein Spieler genügend Abschüsse gesammelt hat, ohne zu sterben, werden Punkteserien freigeschaltet, die halb- bis vollautomatisiert mit ihm auf die Jagd gehen. Alles eine schöne und motivierende Sache, wenn diese in den letzten Jahren nicht so übermächtig gewesen wären.

Erinnern wir uns zum Beispiel an CoD: Modern Warfare zurück: 7 Abschüsse in Folge haben gereicht und man konnte sich einen Hubschrauber dazurufen, der minutenlang vollautomatisiert über die Karte schwirrte und alles dem Erdboden gleich machte, was zwei Beine hat. Dass dies enorm frustend für die anderen Spieler war, erklärt sich von selbst.

Punkteserien gibt es in WWII zwar nach wie vor immer noch. Diese wurden aber deutlich entschärft.

4. Divisionen

Bislang konnte jeder Spieler alles machen, was er wollte. Sprinten wie ein Gepard, hüpfen wie ein Känguru, als Zweitwaffe eine Panzerfaust, nebenbei legst du Granaten oder auch Minen wie Hühner Eier und in der Hand hältst du selbstverständlich ein Scharfschützengewehr. In CoD gibt man sich nämlich nicht mit halben Sachen zufrieden. Man spielt keinen Soldaten, sondern die fleischgewordene Eierlegende Wollmilchsau.

Aber auch diese Zeiten sind nun endlich vorbei, denn ein Klassensystem (Divisionen) wurde in WWII eingeführt. Ergo: Jede Klasse hat ihre Vor- aber auch Nachteile. Je nach Waffe oder Spielstil, kannst du dir eine von fünf aussuchen.

Zwischen diesen 5 Divisionen könnt ihr wählen, was für sehr viel Abwechslung sorgt.

5. Krieg

„Krieg“ ist ein neuer Spielmodus in Call of Duty und ein Geschenk der Götter. In Teams 6 gegen 6 muss Team 1 vier Aufgaben erfüllen und Team 2 muss das andere daran hindern. Klingt vielleicht nicht sonderlich spektakulär, macht aber richtig viel Spaß. Zumal „Krieg“ einen ganz großen Vorteil gegenüber den anderen Spielmodi hat: Abschüsse und Tode fließen nicht in die KD (Abschuss/Tod-Verhältnis) ein.

So hat man die Möglichkeit in absoluter Ruhe und Gelassenheit zu leveln und neue Waffen wie auch Aufsätze freizuspielen. Das ist eminent wichtig, denn ohne die braucht man sich bei den anderen Spielvarianten, wie z.B. Team Deathmatch oder Herrschaft, gar nicht blicken zu lassen.

Einziger Wermutstropfen: Bislang enthält das Spiel nur drei Karten. Ich gehe aber schwer davon aus, dass im Laufe der Zeit noch einige nachgeliefert werden.

6. Kein Pay-to-Win

Auch in WWII kann man Echtgeld lassen. Man hat nur nicht sonderlich viel davon. Die Vorteile, welche man sich bislang kaufen kann, sind lediglich kosmetischer Natur. Einen spielerischen Vorteil erlangt man, ganz im Gegensatz zu den neusten EA-Titeln, dadurch nicht.

Hoffen wir mal, dass das auch so bleiben wird.

Viel Licht, wenig Schatten

Klingt so, als ob Call of Duty: WII der perfekte Multiplayer-Shooter wäre. Doch dem ist, so leid es mir auch tut, bedauerlicherweise nicht so. Nach wie vor würde ich mir die folgenden Veränderungen wünschen:

  • Drückt auf die Bremse! Denn die Soldaten laufen und hüpfen über die Karte, als ob sie auf Speed, Kokain und Kryptonit wären. Selbst Usain Bold könnte da nicht mithalten. Call of Duty darf und soll auch ein flottes sowie actiongeladenes Spiel bleiben, aber meiner Meinung nach, dürfte man ein wenig Tempo rausnehmen.
  • Nehmerfähigkeiten? Fehlanzeige. Ein, zwei Kugeln und unser topfiter Soldat liegt tot am Boden. Das sollte nicht sein. Ich wünsche mir diesbezüglich ein CoD wie Modern Warfare wieder, bei dem man dafür schon Headshots braucht.
  • Bitte kein Quickscoping mehr, denn ein Scharfschützengewehr soll bitte auch ein Scharfschützengewehr bleiben. Wenn man damit wie mit ner Flinte herumrennen kann, nur mit dem Vorteil, dass man alles im Radius von einem Kilometer trifft, macht das alles wenig Spaß. Gerade die Map Gustav Cannon ist deshalb total zum Vergessen.
  • Spawnschutz? Überbewertet! Vielleicht sollte man mal über diesen nachdenken, denn gerade, wenn man im Verliererteam ist, ist man nicht selten schon tot, bevor man weiß, wo man sich auf der Karte befindet.
  • Größere Lobbies, denn das 6 gegen 6 birgt die Gefahr, dass sich die besten Spieler ziemlich fix zu einer Party zusammenschließen. So spielt man automatisch immer im Verliererteam, was wenig Freude aufkommen lässt.

Nichtsdestotrotz ist WWII für mich ein absolut gelungener Multiplayer-Shooter, der das Duell mit Electronic Arts Battlefield One ganz klar für sich entscheiden kann. Hoffentlich geht Activision nun weiter den Weg, die einzelnen Titel wieder etwas schlanker und bodenständiger zu gestalten. Denn weniger ist manchmal mehr, wie Call of Duty: WWII ganz eindrucksvoll beweist.

Und was meint ihr? Top oder Flop? Was könnte man noch besser machen? Kommentiert hier, auf Facebook oder Twitter. Eure Meinung würde mich sehr interessieren.

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Disclaimer: Ich habe weder Geld noch ein Exemplar zum Testen von Activision oder sonstwem bekommen. Ich habe diesen Erfahrungsbericht lediglich geschrieben, um euch ein sehr gutes Spiel nahezulegen. Darüber hinaus will ich betonen, dass ich mich hierbei ausschließlich auf den Multiplayer-Modus beziehe.

 

Bildquellen: Call of Duty: WWII Confirmed, Reveal Incoming (BagoGames @Flickr)landungsboot-omaha-beach-normandie-537000 (Pixabay)

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