Die Kreativität ist am Ende

Wir leben in einer Zeit der Fortsetzungen, Remakes und Klone. Doch, Leute, es wird Zeit für etwas Neues!

Wie gerne bin ich früher ins Kino gegangen. Filme gucken, das war ein Hobby für mich. Regelmäßig war ich im Kinopolis zu Gast. Nahezu jede Woche saß ich in der Sneak Preview. Dabei habe ich echt viel Müll zu sehen bekommen, aber natürlich auch sehr viel Gutes. Zudem habe ich eine Zeit lang in einer Videothek gejobbt. Dadurch hatte ich ein riesiges Filmwissen. Brauchtest du einen Filmtipp? Ich war dein Mann.

Doch wie schaut es heute aus? Ich bin jetzt seit ca. 4 Jahren mit meiner Freundin zusammen. Seitdem sind wir erst einmal gemeinsam ins Kino gegangen – und zwar in Star Wars: Episode VII. Sonst kein einziges Mal. Aber auch zuhause schaue ich mir kaum noch einen Film an. Dieses Jahr lediglich Rogue One, den neusten Star Trek, Death Race und ein paar Horrorstreifen. Schuld daran ist aber nicht meine Freundin, die ist nämlich in puncto Medienkonsum ein genauso großer Junkie wie ich, sondern ein absoluter Mangel an Kreativität. Die ist nämlich am Ende – und nicht nur beim Film, sondern so langsam auch bei Serien und Videospielen.

Man sieht sich immer zweimal

… oder dreimal, viermal, fünfmal, sechsmal. Ich will nicht mehr mitzählen. Eines steht fest: Wir leben in einer Zeit der Fortsetzungen, Remakes und Klone. An etwas Neuem hat Hollywood scheinbar gar kein Interesse mehr.

Acht Ableger der „Fast & Furious“-Reihe, fünf mal gab es John McClane in Stirb langsam zu sehen und auch Harry Potter durften wir bereits acht mal in den Kinosälen willkommen heißen. Nicht zu vergessen, die ganzen Remakes: Karate Kid, Total Recall, mehrere Male Der Nebel und demnächst ein Reboot von Stephen Kings Es. Beispiele für das Recycling alter Filme oder aberwitzig vieler Fortsetzungen gibt es en masse.

Geleaked: Das Kinopgramm 2030 (Quelle: Juri-Leaks)

Doch wir werden nicht nur mit unzählig vielen Fortsetzungen geplagt, sondern zusätzlich zu diesen auch noch mit Spin-Offs in Form von Sidekicks, Prequels, Sequels, Origins und schlag mich tot. Ganz nach dem Grundsatz: Es reicht nicht, das Schwein zu schlachten. Es muss auch ausgenommen werden – solange bis nur noch die Exkremente zum Verkaufen übrig bleiben. Und selbst die werden noch zu Patte gemacht!

Insbesondere der Disney-Konzern sticht hierbei mit seinen Marvel– und Star Wars-Franchises negativ hervor. Es kommt einem fast schon so vor, als gäbe es nur noch nur Superhelden und Jedis im Kino zu sehen, denn auf eine Verfilmung folgt auch schon die nächste – was ich, als ein sehr großer Comic- aber vor allem Star Wars-Fan, sehr kritisch sehe. Ich vertrete eher die These, dass, wenn man beginnt Filme wie am Fließband zu produzieren, nicht nur die Qualität, sondern auch die Magie mit der Zeit flöten geht.

Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich wäre auch mal ganz froh, wieder einen ganz gewöhnlichen Thriller – so wie damals in den 90ern – zu sehen.

Serien: A never ending story…

Serien boomen – und das zu recht! Ich bin ein absoluter Serienjunkie. Wirklich, ich liebe Serien! Ich habe einen Fetisch dafür. Doch ist man anfangs noch froh, dass die Lieblingsserie eine weitere Staffel spendiert bekommt, fragt man sich früher oder später, wann die Geschichte denn mal ein Ende haben soll?

Ich bin schon gespannt, wie viele Staffeln The Walking Dead wir noch zu sehen bekommen. Laut der Produzenten ist ein Ende bei Weitem nicht in Sicht. Das gilt auch für viele andere Sendungen. The Big Bang Theory z.B. wurde nach zehn Staffeln direkt um zwei weitere verlängert. Und nicht zu vergessen: Die Simpsons. Da geht bald die 29te Staffel an den Start. Ob ich das Ende noch miterleben werde? Ich bin da ja skeptisch.

Um zurück zum Thema zu kommen: Das endlose Verlängern, um Staffel und Staffel, geht in meinen Augen zu Lasten der Zuschauer. Denn je länger eine Serie wird, desto mehr wird sie auch unnötig lang gestreckt und die Handlung scheint sich darüber hinaus wieder und wieder zu wiederholen.

Achtung: Der folgende Absatz enthält Spoiler zu The Walking Dead, Staffel 7

Das beste Beispiel hierfür ist The Walking Dead. Wie viele Emo-Phasen hat der gute Rick schon hinter sich gebracht? Dieser manisch depressive Vorstadt-Sheriff hat so viele Ups und Downs gehabt, dass ich Angst bekomme, allein durch’s Zuschauen, selbst einen an der Klatsche zu bekommen. Oder die Widersacher: Wirken die ersten zwei Staffeln noch so, als ob die Region Atlanta zu einer menschenleeren Wüste verkommen wäre, trifft man in der dritten Staffel auf den Gouverneur. Gerade diese Fehde ausgestanden, kommt schon Neagan, dann ein Dorf voller Amazonen und darüber hinaus eine Diebesgilde, die auf dem Schrottplatz wohnt. Abwechslung? Fehlanzeige! Macht euch nichts vor: Das wird munter so weitergehen bis die Quoten einbrechen werden. Solange wird auf Altbewährtes gesetzt. Aber das kennt man ja schon von der Bundestagswahl.

Ab hier ist es wieder spoilerfrei.

Game of Thrones macht das aber nicht! Stimmt! Der Kampf um den Eisernen Thron soll nach acht Staffeln endgültig beendet sein. Die Serie wird also nicht künstlich am Leben gehalten. Das finde ich top! Ehrlich, denn man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Allerdings habe ich wenig dafür übrig, dass die GoT-Produzenten nun in den „Disney-Modus“ verfallen. Denn vielleicht habt ihr es schon gehört? Es wird bereits fleißig an mehreren Spin Offs gearbeitet. Zeit zum Ausschlachten! Ein Modell, von dem wohl auch der Serienmarkt nicht verschont bleibt.

Hat zwar null mit dem Beitrag zu tun, aber ich musste euch das unbedingt zeigen. xD

Aber auch so wird schon genug recycelt. Wie viele Serienadaptionen von Kinofilmen wurden allein in den letzten Jahren produziert? 12 Monkeys, Limitless, Training Day, etc. Und nicht zu vergessen: Selbstredend reicht Disneys langer Arm auch bis in den Serienmarkt. Wie ihr seht, neue Geschichten werden leider auch hier immer seltener. Ein Trend, den ich nicht gutheiße.

Aber ich mache es doch noch viel beschissener!?

… sagte die Videospielindustrie und behielt recht. So wenig Abwechslung wie hier, hat man nirgendwo. Im November erscheint der 14te (!) Teil der „Call of Duty“-Reihe, Battlefield feierte die Tage seinen 15. Geburtstag und Ubisoft veröffentlicht seit 2007 pro Jahr ein Assassin’s Creed. Dabei kriegst du bei all den genannten Beispielen eigentlich immer das gleiche Spiel geboten. Nur das Setting und ein paar Nuancen werden abgeändert. Und falls man dann doch eine neue Marke präsentiert bekommt, dann ist sie i.d.R. auch nur ein Klon von irgendeinem anderen erfolgreichen Titel – wie z.B. „Spec Ops: The Line“ nur ein Klon von Gears of War ist.

Wie ihr seht, selbst in der digitalen Unterhaltungsindustrie ist Innovation relativ selten geworden. Einzig und allein kleine Entwicklerstudios (DayZ, Friday the 13th) wagen mal neue Ansätze, doch die sind i.d.R. finanziell so schlecht aufgestellt, dass die nur halbfertige Spiele (Neudeutsch: Early Access-Titel) releasen. Soll so die Zukunft aussehen?

Neue Geschichten braucht das Land!

Wann hatten wir das letzte Mal so etwas richtig Neues – wie z.B. The Matrix. Ein Film, der so anders war, dass ihn viele nicht auf Anhieb verstanden haben. Was ist aus den Thrillern geworden? Emotionale, bewegende Geschichten wie Forrest Gump, The Green Mile oder A beautiful mind? Wollen alle nur noch leichte Kost? Hauptsache nicht nachdenken? Bin ich dazu verdammt, bis zum Ende meines Lebens behaupten zu müssen, dass in den 90ern die besten Filme aller Zeiten gedreht wurden? Soll ich auch in 10 Jahren noch über den gleichen Sheldon Cooper lachen oder gemeinsam mit Rick Grimes alt werden? Werde ich dann als Rentner „Call of Duty 30“ spielen?

Fragen über Fragen und ich hoffe, dass ich sie alle eines Tages verneinen kann. Denn wir brauchen neue Geschichten und deutlich mehr Innovation. Sonst wird es mit der Zeit zu langweilig. Wir sollten Serien beenden, solange sie noch Spaß machen, um Platz für Neues zu schaffen. Das gleiche gilt auch für Filme. Ich weiß ja, dass der durchschnittliche „Fast & Furious“-Fan i.d.R. nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Dennoch müsste es selbst ihm irgendwann mal zu viel des Guten werden.

Noch geht das alles gut. Doch ich prognostiziere, dass das nicht ewig so bleiben wird, wenn die Unterhaltsindustrie nicht langsam ihre Strategie ändert.

 

Bildquellen: fernsehen-entwicklungsländer-gebäude-899265 (Pixabay)

Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Der Büriff.

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