Einmal Demokratie zum Mitnehmen, bitte!

Warum man es sich nicht immer einfach machen sollte.

Ich finde es ja toll, wie einfach man es sich heute machen kann. Wisst ihr noch damals, wie furchtbar das war, als wir mühsam recherchieren oder mit Mitmenschen diskutieren mussten, um uns eine Meinung zu bilden? Es war schrecklich! Es war nicht nur anstrengend, sondern auch zeitraubend. Unsere Eltern, diese Urmenschen, die konnten das noch. Die hatten ja eh keine Hobbys. Die lebten auch nicht in so einer verrückten, stressigen Welt wie wir.

Ich meine, man muss ja heute von 9 to 5 arbeiten, dann krakeelen die Kinder und zu aller Überdruss darf man ja heute nicht mal mehr scheiße aussehen. Somit ist 24/7 Fitness angesagt und Biomärkte sowie Reformhäuser, weil ich meinen kalorienfreien Biofraß nicht beim LIDL um die Ecke bekomme. Also natürlich bekomme ich da Bio, aber wahrscheinlich nicht das richtige Bio. Wenn schon Bio, dann das Richtige, liebe Freunde! Wenn es schon schmeckt und genauso teuer ist wie ne Samenspende, dann soll es zumindest auch definitiv gesund sein.

Nene, diese Welt ist nur noch pure Arbeit. Wir haben es wirklich nicht leicht. Es ist wirklich schrecklich wir zu sein. Und jetzt ist noch bald Bundestagswahl. Sonntags früh aufstehen, um vorm Rathaus anzustehen. Ne, ich beantrage Briefwahl! Und selbst das muss ich ja noch selber machen. Die wollen doch, dass ich sie wähle und nicht umgekehrt! Aber ich bin ja ein verantwortungsvoller Bürger. Also mache ich das auch. Ist ja Bürgerpflicht.

Wählen gehen dauert eigentlich keine 5 Minuten. Dennoch schafften es bei der BTW 2013 nur 71,5% der Wahlberechtigten.

Na zumindest kommen sie mir ja in puncto Informationsbeschaffung etwas entgegen. Dann muss ich mir in meiner Freizeit, die ich mir wirklich redlich verdient habe, nicht mehr diese lästigen Polit-Talkshows angucken oder gar Zeitungen lesen, wie so’n alter Römer. Abends will ich Netflix, DSDS oder endlich mal wieder ein wenig poppen. Ja, sowas in der Art halt. Da will ich nicht wie so ein Eierkopf Politikern beim Schwätzen zuhören. Ich meine, ich würde es ja, aber ich habe keine Zeit dafür. Ich bin busy!

Aber wie gesagt, heute brauchst du das ja alles nicht mehr. Da reicht es ein, zwei Artikel bei Spiegel Online zu lesen, vielleicht noch einen vom Fokus oder dem Wächter, dann guckst du noch ein bisschen bei Twitter rein, was die Anderen so sagen – denn die sind ja informiert – und dann passt das schon. Endlich kriegst du den ganzen Kram mal etwas komprimiert und auf das Wesentliche zusammengefasst. Kein Blabla, für das eh keiner mehr Zeit und Nerven hat.

Nicht zu vergessen: Den Wahl-O-Maten! Ein Geschenk der Götter, wenn ihr mich fragt. Den hab ich nämlich in zehn Minuten gemacht und dann weiß ich auch schon, was ich zu wählen habe. Und weil das so fix ging, habe ich sogar noch das NTV Wahl-Navi gemacht. Jetzt muss ich nur noch entscheiden, wähle ich die NPD oder doch die Grünen? Das waren nämlich meine beiden Ergebnisse.

HAAAALT STOPP! JETZT REDE ICH!

…um es in den Worten der Generation „Trash TV“ auszudrücken. 😉

Ich meine, ich gehöre jetzt auch nicht unbedingt zu den Leuten, die behaupten, ausschließlich ARTE zu gucken. Ich habe auch nicht die Zeit oder die P.M. abonniert. Und ja, ich habe sogar einen dieser furchtbaren Fernseher im Wohnzimmer stehen, auf denen von Zeit zu Zeit mal so richtig Kacke läuft. Ich finde z.B. Ninja Warrior richtig geil. Was ich damit sagen will: Du musst keinen auf gebildet machen oder so tun, als ob du in deiner Freizeit nur Bücher liest oder auf diese onanierst, um zu erkennen, wie bedeutsam so eine Wahl ist. Das sollte nämlich jeder wissen – vom Hartzer bis hin zum Akademiker.

Trash TV ist nicht nur schlecht. Andereas z.B. hat die Diskussionskultur in diesem Land auf ein neues Level gehoben.

Denk mal drüber nach! Das sind Entscheidungen, die dein ganzes Leben beeinflussen könnten. Da könnte sich entscheiden, wann du in Rente gehst, wie teuer dich zukünftig dein Auto kommt oder ob deine Kinder genauso dumm (oder vielleicht noch dümmer) werden als du. Um diese Dinge und viele andere mehr geht es hierbei.

Selbst wenn du denkst, dass die Wahl bereits entschieden ist oder dein Favorit sowieso keine Chance auf einen Wahlsieg hat, bleibst du dennoch in der Pflicht sonntagsmorgens aufzustehen und dich logischerweise im Vorfeld ausführlich zu informieren. Und denke nicht, dass diese mundgerechten kurzen Artikel im Netz hierbei ausreichen. Überleg doch mal: Wenn etwas kurz ist, dann hat jemand für dich selektiert. Es ist gefährlich, wenn du anderen das Denken überlässt oder andere für dich bestimmen lässt, was wichtig ist und was nicht. Genauso gefährlich ist es aber auch, sich nur auf eine Quelle zu verlassen. Der Spiegel ist kein strafender Gott, der dir sagt, dass du keine anderen neben ihm haben darfst. Es ist dir gestattet auch andere Zeitungen zu lesen. Du wirst dafür nicht in der Journalisten-Hölle landen. Darauf gebe ich dir mein Wort.

Und geht mir weg mit diesem scheiß Wahl-O-Maten! Als könnte man die Politik auf 38 Fragen reduzieren. Wie viele Fragen wurden nicht gestellt? Wird irgendwo ermittelt, ob ich einem Politiker auch vertraue? Der kann doch in seinem Parteiprogramm erzählen, was immer er will. Die NPD ist für den Ausbau von erneuerbaren Energien? Super! Die nehme ich! Habt ihr denn alle Lack gesoffen?! Und wenn ich bei Twitter reingucke, wird mir Angst und Bange. Da lese ich, dass Kevins und Chantalls nun keine Ausrede mehr haben nicht wählen zu gehen, weil sie jetzt dank dem Wahl-O-Maten die Möglichkeit haben, sich auf die Wahl vorzubereiten. WTF?! Bloß nicht! Dann geht euch lieber am 24. September sterilisieren, bevor ihr zur Wahl geht. Da habt ihr mehr für dieses Land getan.

Ihr tut das für euch!

Und das ist der springende Punkt. Ihr geht nicht für die Merkel oder den Schulz wählen. Ihr tut das für euch und eure Mitmenschen. Für niemand anderen sonst. Und es kann ja nicht wahr sein, dass ihr vor der Anschaffung eines Laptops, neuer Felgen oder anderer Banalitäten das halbe Internet nach Informationen durchforstet, aber wenn es um eure Zukunft geht, eine drittklassige App oder irgendwelche Spackos im Internet befragt.

So eine Wahl ist eine ernste Sache. Mein Appell ist also nicht »Geh wählen!«, sondern »Mach dich schlau!« Denn wenn du das gemacht hast und darüber hinaus nicht total auf den Kopf gefallen bist, dann wirst du auch am 24. September dein Kreuz schon setzen gehen.

 

Bildquellen: kaffee-zum-mitnehmen-pokal-trinken-1853995 (Pixabay)stift-rotstift-ankreuzen-wahl-2181101 (Pixabay)

Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Der Büriff.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.