Facebook, was ist nur aus dir geworden?

Und wie du wieder aussiehst...

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als das mit den sozialen Netzwerken bei uns in Deutschland anfing? Wir waren alle verstreut. Wir Rheinländer hatten wer-kennt-wen, im Süden der Republik nutzte man hauptsächlich Lokalisten und die Studenten dieses Landes (und auch die, die es gerne sein wollten) waren bei StudiVZ registriert. Es waren traurige Zeiten. Deutschland war mal wieder geteilt. Das Internet gilt zwar als das Tor zur Welt, doch online konnten wir nach wie vor nur mit Menschen interagieren, die wir auch vor unserer Haustür trafen. Denn unsere Freunde und Verwandten, die woanders wohnten, waren in der Regel Teil eines anderes Netzwerks.

Doch, wie wir wissen, wiederholt sich Geschichte zum Glück immer wieder. Und so war es auch nicht sonderlich verwunderlich, dass nach David Hasselhoff erneut ein Amerikaner Deutschland wiedervereinte. Ein Land, ein Netzwerk. Wunderbar! Und das nur durch den Innovationsgeist eines einziges Mannes. Ich spreche von niemand geringerem als Mark Zuckerberg, dem CEO von Facebook.

Facebook hat alles besser gemacht als die Anderen!

Das kann man wirklich so unterschreiben. Ich meine, vor zehn Jahren hatte das typische soziale Netzwerk ohnehin nicht sonderlich viel zu bieten. Du hattest eine Pinnwand, auf die du oder deine Freunde etwas schreiben konnten, konntest Mitglied diverser Gruppen werden und darüber hinaus ein paar Fotos hochladen. Basta. Mehr war damals nicht drin. Und was die Anderen konnten, konnte Facebook sowieso besser, was niemanden wirklich überraschen sollte, denn immerhin haben sie den ganzen Spaß ja auch erfunden.

Früher hatten wir noch jemanden, der uns den Weg weist: Die Glücksnuss!

Doch Facebook konnte nicht nur alles besser, sondern auch wesentlich mehr: Es gab jetzt einen Stream, der dich ständig mit Statusupdates deiner Freunde versorgte. Du musstest also nicht mehr mühsam Profil für Profil einzeln abklappern, um zu sehen, was die Anderen so treiben. Zusätzlich konnte man ein wenig spielen (z.B. Farmville, Brain Buddies, Bubble Island) und auch die ein oder andere mehr oder weniger nützliche App (z.B. die Glücksnuss) nutzen. Apropos Apps: Für jedes gängige Smartphone gab’s eine. Ein absolutes Novum damals.

Warum erzähle ich euch das alles?

Ich will euch nochmal ins Gedächtnis rufen, dass Facebook nicht schon immer so kacke war wie heute, sondern anfangs richtig viel Spaß gemacht hat. Es hatte schon seinen Grund, warum wir uns damals in Scharen angemeldet und das Netzwerk so groß gemacht haben. Das ursprüngliche Facebook ist meiner Meinung nach (!) zurecht eine absolute Erfolgsgeschichte. Nicht umsonst hat dieses Social Network die Welt komplett verändert.

Doch alles hat seinen Preis…

Wer wirklich so naiv ist, zu glauben, dass Mark Zuckerberg die Welt aus purem Altruismus vernetzt hat, glaubt auch noch an den Weihnachtsmann, Chemtrails und das Elvis ein Alien war bzw. ist. Er lebt ja noch, behaupten ja so einige Menschen.

Doch zurück zum Thema, natürlich will Facebook primär eines: Geld verdienen. Überraschung!!! Und ja, daran ist im Grunde genommen auch nichts auszusetzen. Das wollen nämlich alle Unternehmen. Blöd nur, wenn dein Monetarisierungsmodell es erfordert, dass du dein eigentliches so hervorragendes Produkt verschandeln musst, um damit Asche zu machen – so wie im Falle von Facebook.

Sicher, Mark, es geht nur darum, die Welt ein Stückchen besser zu machen. 😉 😉

Denn, Butter bei die Fische, was ist denn aus Facebook letztendlich geworden?! Um noch mehr Werbeflächen zu verkaufen und ein Geschäft mit bezahlter Reichweite zu machen, haben die ihr Netzwerk derart verschlimmbessert, dass es im Grunde genommen zu gar nix mehr zu gebrauchen ist.

RTL und Bild waren gestern…

… denn das neue Gehirnzellenmassaker heißt Facebook.

Allein, wenn ich mir meinen Stream schon anschaue: Da sterben mir doch beim Durchscrollen instant die Gehirnzellen ab. Da sieht man doch kaum noch Statusmeldungen von Freunden, sondern hauptsächlich nur noch Werbung und was sie liken oder kommentieren. Und das sind meistens irgendwelche seltsamen Funpics (Neu-Deutsch für vermeintlich lustige Bilder, die es i.d.R. jedoch nicht sind) mit Sprüchen, die von Twitter geklaut sind. Und dann klauen die Affen nicht mal die Guten, sondern so Möchtegern-Mario Barth-Witze oder abgedroschene Kalendersprüche.

Es wäre alles so viel einfacher, wenn Deutschland in der Karibik liegen würde.

Posted by Made My Day on Dienstag, 19. Dezember 2017

Oder dieses verkackte Engagement Baiting: Das sind Beiträge mit dem Ziel eine hohe Interaktionsrate zu erzeugen. Also diese „Kann dieses benutzte Kondom meiner Muddi mehr Likes als Bill Kaulitz haben?“ oder „Markiere einen Freund, der dir einen Döner schuldet“. Ja, das ist doch der Hammer, oder?! Wer braucht denn da noch Fernsehen, wenn man von Facebook so grandios und vor allem niveauvoll unterhalten wird? Daumen hoch! I like it, Mark! #NOT

😂😂😂 Markiere deinen Bro 😂😂

Posted by Döner macht schöner. on Freitag, 6. Oktober 2017

Zumal man eh nicht mehr das in seinem Stream angezeigt bekommt, was man sehen möchte. Da können die Jungs von Facebook so viele TV-Spots schalten, wie sie möchten, der Algorithmus, der Beiträge für euch automatisch aus dem Stream wirft, bleibt dennoch mehr als kacke. Der versteht doch seine User so mies, dass er einem 4jährigen einen Leopard 2-Panzer zu Weihnachten schenken würde, weil er auf Zinnsoldaten steht und dem Papst ne 10er-Karte für’n Puff, weil er immer noch Single ist.

Nein, ich will selbst entscheiden, was ich sehe. Und genau deshalb habe ich diesem Algorithmus mal eine faire Chance gegeben. Ich habe sie alle aus meinem Stream verbannt, die mich mit ihrem geistigen Abfall genervt haben. Ich habe Facebook erklärt, wer meine engen Freunde und wer meine Bekannten sind. Mit welchem Ergebnis? Die nervigen Posts penetranter Menschen sind tatsächlich weniger geworden, doch dafür kriege ich jetzt weit mehr „Gefällt mir“-Angaben und Kommentare angezeigt, als je zuvor.

Doch das hätte mir ja im Vorhinein schon klar sein müssen. Facebook muss ja meinen Stream künstlich aufblähen, um mehr Werbeflächen anbieten zu können.

Aber nicht nur Facebook trifft die Schuld…

… sondern auch uns. Ich weiß nicht, wann das alles angefangen hat, aber irgendwann hat die Netzgemeinde damit aufgehört, zu posten, was man so tut, wie es einem so geht, was einem gefällt, … Der ganze übliche Kram halt. Nein, heute haut man lieber ungefiltert seine Meinung zu allem und jedem raus und spielt sich auf wie der Experte für alles. Jetzt hält sich jeder für einen verdammten Influencer.

Doch, Leute, habe ich mich dafür bei Facebook angemeldet?! Nein, natürlich nicht. Primär geht es mir doch darum, mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben, zu wissen, wie es ihnen geht, was es Neues gibt. Dafür bin ich zu Facebook. Aber mit dieser Meinung scheine ich wohl ziemlich alleine dazustehen. Denn offensichtlich ist der Rest nur noch zum Debattieren, Missionieren und Streiten auf Facebook unterwegs, über Themen wie Flüchtlinge, Ernährungen, Impfungen, etc. Nicht selten in einer Wortwahl, die man üblicherweise nur aus jugendgefährdenden Raptexten kennt. Was will ich damit?! Wenn ich mir zu Themen dieser Art eine fundierte Meinung bilden will, dann sicherlich nicht hier. Und wenn ich Affen zugucken möchte, wie sie sich gegenseitig mit Kot bewerfen, kann ich dafür genauso gut in den Zoo.

Danke für die Info! O_o

Einst hielt ich Facebook für ein großes Geschenk an die Menschheit. Doch es ist das krasse Gegenteil: Facebook ist ein Fluch, eine Blaupause, wie man zum Misanthropen wird. Vor Facebook dachte ich noch, ich hätte es hauptsächlich mit gescheiten Menschen zu tun. Spinner gibt es zwar überall, aber nicht in meinem Umfeld! Doch nun, dank Facebook, wo sich ja jeder genötigt fühlt, seinen Senf zu allem dazuzugeben, sehe ich ja, was in den Köpfen von ganz gewöhnlichen und vermeintlich anständigen Menschen vor sich geht. Und das macht mir zum Teil richtig Angst. Unwissenheit ist manchmal ein Segen und diese hat mir Facebook genommen.

Ein Geschenk? Nein, ein Fluch. Denn was habe ich von der Erkenntnis, dass scheinbar jeder Zweite oder Dritte, den ich kenne, einen an der Dachlatte hat oder trotz 13 Jahren Schulbildung plus Studium dümmer ist als 100km Bundesstraße in Hessen?

Wozu noch Facebook?

Wer den Beitrag aufmerksam gelesen hat, merkt ja, dass ich einst ein wirklich großer Fan von Facebook war. Doch davon ist nicht wirklich viel übrig geblieben. Vielleicht liegt es ja daran, dass sich Facebook durch seine aggressive Expansionspolitik selbst kannibalisiert hat? Zum Chatten nutzen wir heute WhatsApp und will man schauen, was die Freunde so treiben, sieht man sich am besten deren Stories bei Instagram an. Aber welchen Mehrwert bietet dann noch Facebook? Eben. Keinen. Für Facebook sind lediglich die niveaulosen Diskussionen kruder Menschen, sinnfreie Funpics, unseriöse Nachrichtenquellen und natürlich viel viel Werbung übrig geblieben.

Steile These zum Abschluss, aber ich behaupte, dass jeder, der einen IQ über dem von Forrest Gump hat, nur noch aus reiner Gewohnheit und der Angst, etwas zu verpassen, bei Facebook angemeldet ist. Spaß hat hier nämlich schon lange keiner mehr! Doch ich versichere euch, dass eure Ängste diesbezüglich unbegründet sind. Denn alles, was im Internet Spaß macht, findet woanders statt. Überall, aber nicht auf Facebook.

Also, warum bist du noch angemeldet?

 

Bildquellen: silhouette-daumen-nach-unten-315915 (Pixabay)Mark Zuckerberg on stage at Facebook’s F8 Conference (Maurizio Pesce @Flickr)

Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Der Büriff.

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