Sky: Ein Pakt mit dem Teufel

Warum die Regentschaft von "König Sky" enden muss.

Manche Angebote kann man nicht ablehnen, andere wiederum nicht annehmen. Wie dem auch sei: Wäre Don Corleone in der Sky-Hotline beschäftigt, hätte ich mein Abonnement wohl nicht gekündigt.

Ich mache dir ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst.

Gut, es gibt Schlimmeres als unverfrorene Offerten zur Vertragsverlängerung. Für mich eigentlich nicht Grund genug nachzutreten. Doch als ich die Tage gesehen habe, wie eklig selbstgerecht ihr euch abgefeiert habt, weil euer ach so großes Repertoire jetzt auch die Premier League enthält, habe ich schnurstracks meine Meinung geändert.

Selbstreflexion ist scheinbar nicht jedermanns Sache. Doch zum Glück habt ihr mich. 🙂 Ich erkläre euch gerne, warum ihr in puncto Kundenzufriedenheit mit Sicherheit niemals eine Auszeichnung erhalten werdet.

1. Wer gestaltet eigentlich eure Preispolitik?

Zuerst kastriert ihr die Bundesliga, dann die Champions League, streicht die Formel 1 und zum Dank soll der Kunde mehr bezahlen?

Welcher total pfiffige Unternehmensberater hat euch denn diese clevere Strategie verkauft? Die Gewinnmaximierung durch eine Kostenreduktion kann ich ja noch irgendwie nachvollziehen, aber zusätzlich eine Preiserhöhung? Bitte?!? Sky, euer Sitz liegt doch in München? Gönnt euch doch mal den Spaß und fahrt rüber zur LMU, um den BWL-Erstis dieses Vorgehen vorzustellen. Die hören doch bis zur Mittagspause nicht auf zu lachen! Und falls ihr Ecki Heuser schicken solltet, lachen sie sogar noch bis zum Abendessen.

Experten haben Skys Preispolitik untersucht und kamen zum folgenden Ergebnis.

Aber ich will ja nicht unfair sein: Neukunden zahlen aktionsweise ja nur 20€ pro Monat – und das für das mit Abstand größte Fußballangebot im deutschen Fernsehen. Das rattert ihr ja rund um die Uhr, bei nur jeder erdenklichen Gelegenheit, runter. Und das ist auch gut so! Denn nur die Wenigsten wissen: Falls man drei mal hintereinander vergisst, euer prestigeträchtiges Repertoire zu erwähnen, springt Frank Buschmann aus dem Schrank. Und das will niemand!

Doch zurück zum Thema: Es gibt ja nicht nur Neukunden, sondern treue sowie langjährige Bestandskunden wie mich. Wie könnt ihr ernsthaft glauben, dass ein Mensch, der in der Lage ist, seinen eigenen Namen korrekt zu buchstabieren, davon zu überzeugen ist, dass 35€ monatlich ein – ich zitiere – absoluter Freundschaftspreis ist? Leute, gab es Lack im Sonderangebot?! Als ich die Kirmes abgeschlossen habe, kostete der Spaß keine 25€ pro Monat – inklusive der Freitagsspiele, Relegation und der kompletten Champions League.

Danke für das hervorragende Angebot, Sky!

Was habe ich also getan? Gekündigt, nur um bald, nach Ablauf der Sperrfrist, als Neukunde wiederzukommen. Das ist zwar lästig, rechnet sich aber.

Klasse, Sky! So macht man sich Freunde!

2. Achtung: Dauerwerbesendung

Wahrscheinlich finde nicht nur ich den Gedanken befremdlich, Geld dafür zu zahlen, um sich Werbung anzuschauen. Aber Sky-Kunden tun das. Jeden Tag. Denn Sky und Werbung, das gehört zusammen wie Dick und Doof, Susi und Strolch oder Lothar Matthäus und junge Küken.

Bestes Beispiel: Die großartige Sky-Halbzeitanalyse!

Pünktlich zum Pausenpfiff erfolgt standardmäßig erstmal ein etwas längerer Werbeblock. Wie sollte es auch anders sein? Dann darf sich Calli einen mehr oder minder vernünftigen Halbsatz aus den Rippen leiern, woraufhin er wiederum unterbrochen wird, denn, bevor die Partie weitergeht, muss ja noch ein wenig Reklame geschaltet werden. Zu Skys Verteidigung: Rainer kann aber auch, je nach Tageslaune, für einen Satz mehrere Minuten brauchen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Was lehrt uns die Sky-Halbzeitanalyse? Im neuen VW Tiguan gibt es nun auf Wunsch den „Car-Net Dienst Parkposition“ und der neue KIA Sportage hat jetzt einen „360° Around View Monitor“ mit verschiedenen Perspektiven. Ob dieser auch serienmäßig ist, kann ich euch leider nicht sagen. Aber die nächste „Halbzeitanalyse“ wird mit Sicherheit kommen. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche!

Oh, es ist mal wieder Zeit für Werbung!

Schlimm genug, doch Sky setzt da selbstredend noch einen drauf! Denn die Marketingmaschine muss um jeden Preis auf Hochtouren weiterlaufen, was darin gipfelt, dass selbst während der Partien munter weitergeworben wird. Natürlich komplett unauffällig! Man will ja niemanden vergraulen. Also lässt man Dittmann und Co. unauffällige Programmhinweise in ihre Moderation einbauen, die in etwa so aussehen:

»Toooor für Stuttgart!!! Was ein Hammer von Gomez! Da hat Bürki keine Chance. Unter anderem, liebe Zuschauer, wenn Sie mal einen RICHTIGEN HAMMER sehen wollen, (der Moment, in dem ich Angst bekomme, dass auf die „Wolff-Christoph Fuss Cam“ geswitched wird) können Sie das auf Sky! Heute Abend, THOR mit Chris Hemsworth, nur auf Sky Cinema HD oder auf Abruf.« (Puh, nochmal Glück gehabt!)

Das Ende der Fahnenstange habt ihr allerdings am Donnerstag erreicht, als ihr quasi im Minutentakt auf Sky Sports News HD die frohe Botschaft verkündet habt, dass ihr die Premier League-Rechte erworben habt. Denn, wenn man ja schon mal dabei ist, kann man ja auch noch gleich zusätzlich runter rattern, was man sonst so Geiles im Programm hat und warum man sowieso der beste Sportsender in Deutschland ist.

Ist das euer verdammter Ernst?!? Ihr verkauft billige Werbung als Nachrichten, schimpft euch aber zugleich Sportjournalisten?

Sorry, das geht gar nicht. Aber darauf gehen wir im nächsten Punkt tiefer ein.

3. Mehr Boulevard als Nachrichten

Werbung, die einem als News verkauft wird und ein Clickbait-Journalismus in den sozialen Netzwerken sind das Eine, eure sensationsgeile Berichterstattung, im Speziellen eure unprofessionellen Interviewtechniken, das Andere.

Allein wenn ich schon sehe, wie Ecki Heuser nach Abpfiff zum Trainer der Verlierermannschaft hechtet, nur um ihn gleich mit tendenziösen (Suggestiv)fragen zu bombadieren, platzt mir der Kragen. Er hat nämlich überhaupt kein anderes Ziel, als ihm ein Wort nach dem anderem im Mund zu verdrehen und ihm Aussagen zu entlocken, damit ihr später eine Schlagzeile habt.

Das hat doch nichts mit Sportjournalismus zu tun. Das ist billiger Boulevard.

Eigentlich müsste ich Heribert Bruchhagen eine Dankeskarte schreiben. Wie er – damals selbst noch als Sky-Experte tätig – vor laufenden Kameras seinen Kollegen Sebastian Hellmann auseinandergenommen hat, weil dieser – ich zitiere – ständig tendenziöse Fragen stellt, war in meinen Augen mindestens drei Monatsabos wert.

Heribert, danke für diesen Moment!

4. Sky No-Go

Ich glaube ja, die irreführendste Werbung im deutschen Fernsehen ist die, in der zwei Freunde beim Fußballschauen miteinander simsen und das nur möglich ist, weil einer der beiden Sky Go hat.

Leute, nutzt ihr eigentlich eure eigenen Produkte? Während der eine sich über den verwandelten Elfmeter freut, dürfte bei dem anderen noch nicht mal das Foul gepfiffen sein! Ja, ich weiß, IPTV krankt per se an höheren Latenzen, doch gerade in Zeiten von Smartphones sowie Social Media sind Verzögerungen von mehreren Minuten nicht hinnehmbar.

Also sofern der Stream überhaupt klappt! Wir alle kennen das mysteriöse Phänomen, dass Sky Go ausgerechnet immer dann streikt, wenn ein Kracher oder eine wichtige Champions League-Partie ansteht. Sich mal für mal im Nachhinein zu entschuldigen und darauf hinzuweisen, dass Sky Go ohnehin nur ein kostenloses Zusatzangebot ist, ist mir bei der Vielzahl von Störungen zu billig.

Man kann nicht mit, man kann aber auch nicht ohne Sky

Das ist die traurige Wahrheit. Wer Fußball sehen möchte, der kommt wohl oder übel nicht an Sky vorbei. Ich denke, das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, da, aufgrund der erheblichen finanziellen Ressourcen, jeder andere Konkurrent spielend leicht ausgestochen werden kann. (Stichwort: Premier League)

Mein Sky-Vertrag fühlt sich an wie ein Pakt mit dem Teufel.

Doch, Sky, freut euch nicht zu früh! Nehmt euch mal die Zeit, in die sozialen Netzwerke zu schauen, was eure eigenen Kunden von euch halten. Die hassen euch! Die schalten nicht wegen, sondern trotz euch, die Bundesliga ein. Oder wundert ihr euch nicht, dass ihr und nicht, wie eigentlich zu erwarten, DAZN den Shitstorm dafür erntet, wenn ihr denen die Rechte abluchst?

In den Augen der Fans seid ihr nicht mehr als der böse, gierige Sheriff von Nottingham, wohingegen DAZN als der strahlende Robin Hood dasteht, der den Armen den Fußball zurückgibt.

Deshalb habe ich auch überhaupt kein Problem DAZN, trotz eines schlankeren Angebots, mit einem Zehner pro Monat zu unterstützen, während ich euch nur widerwillig einen Haufen Kohle in den Rachen werfe.

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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