Wird Babylon Berlin dem Hype gerecht?

Die Meinungen zu Babylon Berlin könnten unterschiedlicher nicht sein. Ich sag euch, ob und vor allem für wen sich das Einschalten lohnt.

Ich merke es jedes Mal, wenn ich Testberichte in Fachzeitschriften lese, mir Talkrunden ansehe oder die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest verfolge: Jurys, Redaktionen oder Experten im Allgemeinen haben ihren eigenen Geschmack! Ein Geschmack, der sich nicht unbedingt zwangsläufig mit dem der Restbevölkerung deckt.

Aber wen wundert’s? Experten achten auf andere Dinge als wir „Normalos“. Sie kennen das Handwerk und wissen, wie viel Arbeit wie auch Können hinter dem eigentlichen Endprodukt steckt. So kann es dazu kommen, dass ein Kritiker so fasziniert von der Kameraführung, dem Szenenbild oder anderen Einzelheiten ist, dass er bei aller Schwärmerei das große Ganze aus den Augen verliert: Der Konsument will nichts Anderes, als unterhalten werden.

Das predige ich regelmäßig, wenn ich mich mit anderen Medienschaffenden unterhalte und daran musste ich auch am Sonntagabend wieder denken, als ich mir die Reaktionen zur Free TV-Premiere von Babylon Berlin auf Twitter angeschaut habe:

Und es wäre nicht Twitter, wenn es bei unterschiedlichen Auffassungen nicht gleich zu einem Glaubenskrieg ausarten würde. Hier also ein paar Beispiele, dass es auch andere Meinungen gab:

Wie ihr seht, ist die Serie bei den ARD-Zuschauern nicht unumstritten, was, wenn man sich die nackten Zahlen anschaut, doch etwas verwunderlich ist.

Babylon Berlin: Eine Erfolgsgeschichte

Babylon Berlin ist nicht nur die teuerste deutsche Serie aller Zeiten, sie ist zudem auch eine der erfolgreichsten. Sie wurde bereits in sage und schreibe 160 Länder verkauft, vierfach mit dem Deutschen Fernsehrpreis ausgezeichnet und selbst die Kritiker im Ausland sind begeistert von Tom Tykwers Ausflug in das Berlin der Zwanziger. So bezeichnet die New York Times die deutsche Produktion als eine internationale TV-Sensation und die englische Daily Star zieht sogar Vergleiche zur Erfolgsserie Game of Thrones, was in meinen Augen jedoch an Blasphemie grenzt.

Aber auch die Quoten können sich durchaus sehen lassen: Das Debüt auf Sky 1 mobilisierte 169.000 Zuschauer, weitere 76.000 schauten sich Babylon Berlin noch am gleichen Abend online an. Das klingt auf den ersten Blick alles andere als prickelnd, man darf aber auch nicht vergessen, dass wir hierbei von Pay TV respektive „Bezahlfernsehen“ sprechen.

Ein solches Medienecho macht natürlich neugierig, weswegen die ARD am Sonntagabend bei der Free TV-Premiere einen absoluten Traumstart hinlegen konnte. Obwohl die Erstausstrahlung von Babylon Berlin bereits ein Jahr(!) her ist, haben 7,83 Millionen Zuschauer eingeschaltet, was einen Marktanteil von 21,2% ausmachte. Der absolute Wahnsinn!

Doch wird das so bleiben?

Darauf würde ich nicht wetten. Ich gehe eher davon aus, dass die Quoten von Woche zu Woche sukzessiv sinken werden, bis die Serie früher oder später aus der Prime Time – vielleicht sogar aus dem Hauptprogramm der ARD – genommen wird.

Denn Babylon Berlin ist, meiner Einschätzung nach, kein Produkt für den Massenmarkt. Die Serie ist eher etwas für Liebhaber wie auch Puristen, welche sich an der (vor allem für deutsche Verhältnisse) beispiellosen Ästhetik, der Stimmung und der aufwändigen Produktion erfreuen können. Eine schmale Zielgruppe, wie ich meine, weswegen ich die vorzeitige Verlängerung um eine dritte Staffel auch als etwas kühn empfinde. Ich persönlich hätte erstmal die ARD-Quoten der Staffel 1 abgewartet.

Denn ich behaupte, der Mehrheit – zu welcher ich mich dazuzähle – wird das Erzähltempo von Babylon Berlin zu langsam und die Story zu fad sein. Wie ich bereits zu Anfang des Beitrages geschrieben habe, wollen die meisten Zuschauer nämlich unterhalten werden. Babylon Berlin schafft das jedoch zu keinem Zeitpunkt!

Ich weiß ja, wie es weitergeht. Ich habe die Serie ja bereits vor einem Jahr auf Sky gesehen und nach dem Ende der ersten Staffel abgebrochen. So sehr Babylon Berlin handwerklich auch überzeugen mag, so enttäuschend ist die mit Stereotypen gespickte Handlung, welche nicht nur träge erzählt wird, sondern auch nicht zu packen weiß.

Ist Babylon Berlin den Hype wirklich wert?

Meiner Meinung nach nicht, wobei ich loben möchte, dass die Serie ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wie ich bereits vor einem Jahr geschrieben habe, bin ich nämlich froh, dass wir in Deutschland endlich(!) mal damit anfangen, Geld in die Hand zu nehmen, anstatt ausschließlich auf „Low Budget“-Produktion à la Alarm für Cobra 11 zu setzen.

Umso trauriger ist es, dass man es bei dieser aufwändigen, liebevollen Produktion versäumt hat, zusätzlich eine gute Geschichte zu entwickeln. Denn das Potenzial zum absoluten Kracher war da. Leider wurde es nicht ausgeschöpft.

Somit lautet meine Wertung: 3/5 Sternen und für Kenner 5/9. 

 

Was ich u.a. noch loswerden wollte: Ich habe häufiger auf Twitter gelesen, dass Menschen, denen Babylon Berlin zu langweilig war, das Niveau, die Bildung und der Horizont fehlen sollen. Solche Verallgemeinerungen zeugen nur davon, dass man scheinbar selbst ein Brett vorm Kopf hat respektive nicht die hellste Kerze auf der Torte ist. Anspruch heißt nicht zwangsläufig, dass auf Unterhaltung verzichtet werden muss, wie man wunderbar an Westworld sehen kann. Denkt mal darüber nach und lernt mal, andere Meinungen hinzunehmen.

 

Bildquellen: Day 126: „The Babylon, Christmas Eve“ von Chris Jobling @Flickr. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC BY-SA 2.0

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