Juri Kristiansen

Zeit sich unbeliebt zu machen! Realtalk vom Büriff.

3… 2… 1… Nö!

Wäre das Internet eine Stadt, dann wären eBay (Kleinanzeigen), Shpock und Kleiderkreisel der Junkie-verseuchte Stadtpark, in dem die zwielichtigsten und suspektesten Gestalten ihr Unwesen treiben. Ein Ort, bei dem dir allein schon dein gesunder Menschenverstand sagen sollte: »Hier willst du nicht hin. Hier wartet nur Ärger auf dich. Mach ’nen Bogen drum!«

Doch wohin sonst mit dem alten Plunder? Nirgendwo anders findest du einen Abnehmer, der dir für eine durchgenudelte Gaming Mouse, einen bereits benutzten Lippenstift oder eine uralte Spielkonsole noch ein paar Euro gibt.

Alternativen, wie GameStop oder reBuy, gibt es natürlich, aber wir wissen ja, wie zahlungsfreudig und kundenorientiert die beiden sind. Haltet mich da ruhig für etwas extrem, aber ich würde meinen alten Nintendo 3DS samt Verpackung und Zubehör ja eher essen, bevor ich ihn für einen Apfel und Ei an diese Abzocker verramsche, nur damit sie ihn für ein Vielfaches weiterverkaufen können. Also, wohin sonst als zu eBay, Shpock oder Kleiderkreisel?

Oder andersrum gedacht: Man will ja nicht nur verkaufen, sondern auch gelegentlich selbst etwas kaufen. Und es gibt sie ja, diese Artikel, die gebraucht genauso gut sind wie neu. Videospiele zum Beispiel: Mir fällt kein gescheiter Grund ein, warum man den Vollpreis im Media Markt zahlen sollte, wenn man das Game genauso gut gebraucht für lediglich einen Bruchteil erstehen kann.

Wir sehen, es kann schon gute Gründe geben, dem Teufel die Hand zu schütteln. Was ja auch nur halb so schlimm wäre, wenn das Internet nicht nur aus Vollidioten, Denkbehinderten und hemmungslos Asis bestehen würde.

Gott, steh mir bei!

Feilschen und Handeln gehört dazu! Alles ist VB (=Verhandlungsbasis), ganz gleich, ob du es reinschreibst oder nicht. So will es das Gesetz. Das ist auch okay so. Ein vernünftiger Händler weiß das. Er überlegt sich einen Preis, den er haben möchte, inseriert seine Ware etwas teurer, damit der Käufer ihn etwas runterhandeln kann, woraufhin beide glücklich sind. Du hast deine Kohle gemacht und der andere kann im Gegenzug seiner Freundin erzählen, was ein geiler Typ er doch ist, weil er dich im Preis gedrückt bzw. „verarscht“ hat. Perfekt! So war es schon immer. Alles im grünen Bereich.

Doch seitdem das alles nicht mehr face-to-face abläuft, ist die Welt ein bisschen aus den Fugen geraten. Ich meine, was für Angebote kommen da stellenweise rein? Die können doch nicht ernst gemeint sein!? Und auch in puncto Sprache und Freundlichkeit besteht durchaus ein wenig Handlungsbedarf. Da werden Sachen rausgehauen, für die du dir aufm Flohmarkt nicht mehr als eine Zuhälterschelle abholen würdest.

Eine kleine Kostprobe gefällig? Gerne!

Beispiel: iPhone 7 32GB, neu, aus Vertragsverlängerung, eingeschweißt + Beleg // Preis 600€

Igor75: »250€. Komm heute zahle bar alles unkumpliziert.«
Ich: »Ne, sorry. Das ist viel zu wenig.«
Igor75: »260?«

Murat5000: »200!«
Ich: »Ne, sorry. Das ist viel zu wenig.«
Murat5000: »Du Hurensohn! Geh sterben Echsenmensch!!!1!«

KevinG: »Guter Preis. Kaufe ich!«
Ich: »Cool, wann kommst du es abholen?«
KevinG: »Heute Abend. Machst du Ratenzahlung?«

Zerkan: »Sag letzte Preis«
Ich: »Kein Plan. Mach mir ein Angebot.«
Zerkan: »Sag doch letzte Preis!«

Zerkan: »200?«

DragoSupastar: »Tauschst du gegen PlayStation2?«

Olaf72: »Ich hab nur 350. Kann ich es dafür haben?«
Ich: »Den Karton vielleicht.«
Olaf72 hat dir ein Bild geschickt.

Und nein, hierbei handelt es sich definitiv nicht um eine Übertreibung meinerseits! Das ist Usus bei eBay, Shpock & Co. Da kannst du in die Beschreibung reinschreiben, was immer du willst, du wirst dennoch Nachrichten wie diese bekommen. Man benötigt schon ein richtig dickes Fell, die Geduld eines Engels und eine gehörige Portion Selbstbeherrschung, um die Zeit durchzustehen, bis dann mal endlich ein vernünftiges Angebot eintrudelt.

Verkauft, aber dennoch ein Horrortrip

Als wären dreiste Angebote, fragwürdige Verhandlungstechniken, Beleidigungen und Penisbilder nicht schon ärgerlich genug, kommen on top die üblichen Unannehmlichkeiten des Online-Handels selbstverständlich hinzu, wie z.B. Online-Betrug, eine mangelnde Zahlungsmoral oder einem Paypal-Käuferschutz, der nur den Käufer, aber niemals den Verkäufer schützt.

Aber das sollte ja nichts Neues für euch sein!? Oder gibt es tatsächlich irgendwo auf der Welt einen Glücklichen, der noch nicht das Vergnügen hatte, mit dem „hochmotivierten“ eBay-Support in Kontakt treten zu dürfen, der lediglich die Funktion hat, Falschhändlern zwei Wochen Aufschub zu geben?

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3… 2… 1… Nö!

Ja, dank eBay, Shpock und Co. hat man sicherlich die Möglichkeit, aus Scheiße (eine Handvoll) Gold zu machen. Aber zu welchem Preis, bitte?!

Ich habe einfach keine Lust mehr, mich von irgendwelchen dahergelaufenen Asis beleidigen zu lassen, dreiste Angebote zu erhalten oder mich mit inkompetenten, demotivierten Service-Mitarbeitern herumschlagen zu müssen. Dafür sind mir meine Nerven zu kostbar! Das mache ich nicht mehr mit. Da verzichte ich auch gerne auf die paar Kröten mehr in der Tasche, als mir das nochmal anzutun.

Bildquellen

„mann-wütend-irritiert-unzufrieden-390339“ von PDPics @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC0 1.0

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5 Kommentare

  1. Max S. Juli 10, 2018

    Das kann ich nur all zu gut nachempfinden und stimme dem Autor in allen Punkten zu.
    Man bekommt den Eindruck, auf den besagten Plattformen tümmeln sich nur debile.
    Erst kürzlich wollte ich bei Shpock etwas verschenken und bekam die Anfrage, ob ich es nicht vorbeibringen könnte. Wie Bitte? Ich biete etwas zum schenken an und soll den Pröll auch noch frei Haus liefern? Nö! Dann schmeiße ich den Kram lieber auf den Sperrmüll. Sollen es sich die Rumänen oder Bulgaren oder Zugeuer holen. Die kommen das Zeug wenigstens abholen und haben keine Ansprüche.
    Bei all den Inseraten und vor allem den Kommentaren verschlägt es mir die Sprache und es macht mich traurig, dass die Gesellschaft gefühlt immer weiter verblödet und die Asozialen immer mehr werden.
    Also für mich hat es sich mit den besagten Portalen erledigt. Die Accounts werden gelöscht, Feierabend!

    • Juri Kristiansen Juli 10, 2018 — Autor der Seiten

      Amen! Schön zusammengefasst. Aus den genannten Gründen habe ich in letzter Zeit sehr viel bei Rebuy verkauft. Da kriegt man zwar nicht so viel Geld, hat es aber nicht ständig mit irgendwelchen Asis zu tun.

  2. Max S. Juli 11, 2018

    In meinem Fall ging es aber um zwei kleine Wohnzimmertische. Die wird Rebuy mir mit Sicherheit nicht abkaufen. Naja, es ist wie es ist. Ich denke, ich versuche noch einen letzten Versuch auf der Arbeit am schwarzen Brett. Wenn sich dann niemand meldet, landen sie tatsächlich auf dem Sperrmüll. Schade.

  3. Dieter Schloss September 16, 2019

    Feilschen ist nervig, aber gehört einfach dazu…

    • Juri Kristiansen September 16, 2019 — Autor der Seiten

      Logo. Wer nicht feilschen möchte, sollte nicht auf dem Flohmarkt oder zu Shpock, eBay und Co. gehen.

      Jedoch sollte das alles mit Sinn und Verstand wie auch Anstand geschehen. 😉

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