Aller guten Dinge sind drei?

Mein Review zur dritten Staffel von Tote Mädchen lügen nicht.

Tote Mädchen lügen nicht gehört zu meinen absoluten Lieblingsserien. Nicht umsonst konnte sich die Netflix-Produktion Platz 2 in meinem letzten Ranking sichern. Kaum eine weitere Serie halte ich für derart packend, ergreifend, mutig wie auch wertvoll zugleich. Eine Mischung, die das Drama binnen kürzester Zeit weltweit zum Hit gemacht hat und darüber hinaus für zahlreiche Diskussionen sorgte.

Du weißt nicht, welche Serie du als nächstes gucken sollst? Mein Ranking verrät es dir!

Seit kurzem ist Staffel 3 online, weswegen die Serie vor einer immensen Herausforderung steht: Denn wurde Hannah Bakers Geschichte zum Finale der zweiten Staffel zu Ende erzählt, muss sich Tote Mädchen lügen nicht nun neu erfinden.

Ob das der Netflix-Produktion gelungen ist, könnt ihr in meinem Review zur Season 3 nachlesen.

Darum geht’s in Staffel 3

Bryce Walker ist verschwunden. Kurze Zeit später erfahren wir, dass er verstorben ist und vielleicht sogar ermordet wurde. Potenzielle Täter gibt es wie Sand am Meer. Immerhin hat sich Bryce nicht gerade wenig Feinde gemacht. Insbesondere Clay gerät schnell in das Fadenkreuz der Ermittler.

Wie bereits von der Serie gewohnt, spielt ein Teil der Handlung in der Gegenwart, der Rest der Geschichte wird mittels Rückblenden erzählt. Aus dem Off spricht allerdings nicht mehr Hannah, sondern Ani Achola, die kurz nach dem vereitelten Schulmassaker an die Liberty High gekommen ist.

Seitenwechsel

Waren wir in den beiden ersten Staffeln hauptsächlich auf der Opferseite unterwegs, wechseln wir nun die Perspektive – was soviel bedeutet, dass wir in vielen Szenen Bryce und Monty begleiten. Während Bryce versucht, ein besserer Mensch zu werden, macht Monty so weiter, wie wir es von ihm gewohnt sind.

Dabei erfahren wir in diversen Rückblenden, Stück für Stück, wie die beiden zu dem geworden sind, was sie heute sind. In der Gegenwart stellen wir wiederum fest, dass Bryce Walkers Weg zur Absolution ein sehr steiniger ist und für Montgomery de la Cruz sich die Schlinge immer weiter zuzieht.

Eine Staffel, die polarisieren wird.

Insbesondere die Darstellung von Bryce Walker sollte die Zuschauer in zwei Lager spalten, denn die Macher der Serie haben etwas sehr Mutiges gemacht: Sie haben den überführten Vergewaltiger nämlich nicht zu einem absoluten Sex-Monster hochstilisiert, sondern ihn menschlich werden lassen.

Eine Darstellung, die ich als durchaus lobenswert erachte. Denn so furchtbar seine Taten zweifelsohne auch sein mögen, sollte man dennoch nicht vergessen, dass selbst Bryce ein menschliches Wesen ist. Ergo: Er hat gute wie auch schlechte Charaktereigenschaften. Ich empfinde es als hervorragend, dass Tote Mädchen lügen nicht diesbezüglich zu differenzieren weiß, ohne dabei seine Taten zu relativieren.

So kriegen wir einige Szenen präsentiert, in denen man (beinahe) Mitleid mit dem Serienvergewaltiger, der sich sichtlich zu bessern bemüht, bekommt, da er von seinen Mitmenschen resolut zurückgewiesen wird und keine weitere Chance erhält.

Spoiler zum Staffelfinale

Besonders wertvoll: Zum Schluss wird der Täter zum Opfer und unsere Helden zu Schurken.

Warum?

  1. Bryce hat seine (viel zu niedrige) Strafe abgesessen, somit hat er die gleichen Rechte wie jedermann. Das mag zwar mit dem Gerechtigkeitssinn der Meisten nicht vereinbar sein, doch genau darauf ist unser Rechtssystem aufgebaut.
  2. Auch wenn Alex‘ Tat nachvollziehbar ist, ist sie immer noch falsch. Er hat nicht das Recht, zu töten. Er gehört demnach bestraft.
  3. Dass seine Tat Monty (lebend oder nicht) in die Schuhe geschoben wird, lässt die gesamte „Helden-Clique“ schuldig werden.

Dieses moralische Dilemma, in dem sich die Protagonisten befinden, macht Staffel 3 inhaltlich immens wertvoll. Am (authentischen) Verhalten der Akteure und den Reaktionen einiger Fans sieht man nämlich sehr deutlich, dass viele Menschen unter gewissen Umständen dazu neigen, mit zweierlei Maß zu messen, obwohl unser Rechtssystem eigentlich keinen Interpretationsspielraum zulässt.

Versteht mich nicht falsch: Ich persönlich hätte wahrscheinlich nicht anders gehandelt als Clay, Justin & Co. Das macht es aber immer noch nicht richtig.

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Der Lack fängt an zu blättern

Ich erinnere mich noch, wie zerstört ich war, als sich Clay seine Kassette angehört hat oder wie schockiert ich war, als Tyler auf der Schultoilette misshandelt bzw. vergewaltigt wurde. Tote Mädchen lügen nicht erzählt eine Geschichte, die zu emotionalisieren weiß, weswegen das Werk auch keine Serie für jedermann ist.

Bedauerlicherweise schafft das die Staffel 3 leider nicht!

Einzig Tylers Handlungsstrang hat bei mir für Gänsehaut gesorgt, während die anderen Figuren beginnen, mir egal zu werden. Jessicas Reden haben mich nicht berührt, Justins Drogensucht ist mir inzwischen eigentlich ziemlich egal geworden und nach Hannah, Sheri und Skye habe ich das Interesse an Clays Liebesleben scheinbar völlig verloren – insbesondere, weil Ani mir (mehr als einmal) gut auf die Klötze gegangen ist.

Ich weiß auch nicht, ob ich Ani tatsächlich als eine Bereicherung für Töte Mädchen lügen nicht sehen soll? Ich finde es total befremdlich, wie sie und Clay in guter, alter „Riverdale-Manier“ Detektiv spielen und einen Freund nach dem anderen verhören.

Des Weiteren kam ungewöhnlich viel Langweile auf. Staffel 3 erwischt einen sehr schlechten Start und braucht meines Erachtens viel zu lange, um in die Gänge zu kommen. Ferner blieb der ständig angeteaserte Höhepunkt der Season (das Homecoming) weit hinter meinen Erwartungen zurück. Verglichen mit denen der vorherigen Staffeln, war das relativ unspektakulär.

Hat es eine Season 3 gebraucht?

Wahrscheinlich nicht. Hannahs Geschichte ist bereits zu Ende erzählt. Damit hätte ich die Serie auch enden lassen.

Den Ausflug auf die Täterseite empfinde ich zwar als sehr interessant und er hat auch definitiv seine Daseinsberechtigung, jedoch weiß der neue Handlungsstrang bei weitem nicht mehr so zu packen, wie es der alte tat – was ebenso für die meisten Nebenschauplätze gilt.

Wie auch immer: Einer (kommenden) vierten Staffel stehe ich jedenfalls skeptisch gegenüber. Netflix scheint wohl nicht begriffen zu haben, dass Tote Mädchen lügen nicht sein Pulver bereits verschossen hat.

Meine Wertung: 3/5 Sternen; für Kenner: 5/9

Bildquellen

„cassette-316171“ von PublicDomainPictures @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: Pixabay Lizenz

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