Boxen: Einfach nur mies vermarktet

Ich gucke Boxen sehr gerne. Doch sich auf dem Laufenden zu halten, ist gar nicht mal so einfach.

Ich mag den Boxsport und würde ihn gerne viel intensiver verfolgen. Doch das wird dem Fan in Deutschland gar nicht mal so leicht gemacht.

So kommt es regelmäßig dazu, dass ich namenhafte Kämpfe verpasse. Von Ruiz‘ Sensationssieg gegen Joshua habe ich beispielsweise erst aus der Zeitung erfahren. „Wilder vs Fury“ habe ich ebenso verpasst, weil die Berichterstattung im Vorfeld des Fights quasi nicht existent war. Und als Tom Schwarz mit Tyson Fury in den Ring gestiegen ist, habe ich auch erst kurz vor knapp davon erfahren – was ich u.a. ziemlich bitter finde. Immerhin sprechen wir in diesem Falle sogar von einem Landsmann, dem eine absolute Box-Sensation hätte gelingen können.

Leute, das kann doch nicht euer Ernst sein! Seit jeher verfolge ich die Sportnachrichten wirklich aufmerksam. Darüber hinaus bin ich nicht gerade wenig in sozialen Netzwerken unterwegs. Wie kann es also sein, dass es sogar selbst mir schwerfällt, beim Boxen am Ball zu bleiben?

Das war nicht immer so

Die Älteren unter euch werden sich mit Sicherheit noch dran erinnern: Einst war Deutschland eine ernstzunehmende Größe im Boxsport. Wir hatten Henry Maske, Graciano Rocchigiani, Dariusz Michalczewski und – man will es kaum glauben – selbst Axel Schulz durfte mal um die WM boxen.

War immer im Team Rocky. Dennoch muss man zugeben: Maske ist wahrscheinlich der Beste, den wir je hatten.

Zu diesen Zeiten war es natürlich nicht sonderlich schwer, sich auf dem Laufenden zu halten. RTL hatte an den wichtigsten Kämpfen, die für den deutschen Zuschauer von Belang waren, die Rechte und typisch für die Kölner, wurde in sämtlichen Formaten über anstehende Box-Highlights in irgendeiner Art und Weise berichtet. Darüber hinaus gab es noch den Pay-TV-Sender Premiere, der hauptsächlich internationale Spitzen-Fights (wie z.B. „Tyson vs Holyfield“) gezeigt hat.

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Aber leider sind die goldenen Zeiten schon längst passé. Lang ist es her, dass wir im Schwer- oder Halbschwergewicht einen echten Champion in den Ring geschickt haben. Somit wurden im Laufe der Zeit nur noch die Kämpfe der Gebrüder Klitschko gezeigt. Sind zwar beides Ukrainer, aber hey, immerhin Wahl-Hamburger.

Doch seitdem sowohl Vitali als auch Wladimir die Boxhandschuhe an den Nagel gehängt haben, hat sich auch RTL infolgedessen vom Boxsport zurückgezogen.

Boxen im Jahre 2019

Seit Wladimir Klitschkos Rücktritt ist das Schwergewichtsboxen richtig spannend geworden. Niemand scheint das Geschäft komplett zu dominieren. Mit Joshua, Fury, Wilder, Powetkin und neuerdings Ruiz gibt es gegenwärtig ausreichend fähige Kämpfer, die für Unterhaltung sorgen. Dennoch schafft es das Boxen nicht wirklich, die breite Masse der Deutschen für sich zu gewinnen.

Dafür habe ich sechs mögliche Erklärungen:

1. Kein Übertragungsmonopol mehr

Hatte der deutsche Fan früher mit RTL einen zuverlässigen Partner, muss er heutzutage das Internet zu Rate ziehen, um rauszufinden, ob, wo oder wann ein Kampf übertragen wird. Häufig hat DAZN die Rechte, ab und mal Sky, weniger namenhafte Fights werden auf SPORT1 oder Sat.1 gezeigt und neulich gab‘s Boxen erstmalig im MDR zu sehen.

Das absolute Chaos. Wer will da noch den Überblick behalten?

2. Mangelhafte Vorberichtserstattung

Ihr kennt das ja: Falls Sky sich mal wieder die Rechte an einem Boxkampf gesichert hat, dann werden wir infolgedessen auf diesen pausenlos aufmerksam gemacht. Ich denke, ich werde mich noch als 90-jähriger Opa an „Risky Business“ oder den „Kampf des Jahrhunderts“ erinnern können. Der Münchner Pay-TV-Sender versteht es einfach, die Werbetrommel zu rühren. Klar, das mag mit Sicherheit penetrant sein, uneffektiv ist es aber nicht.

Das aber auch nur, wenn sie den Kampf selbst ausstrahlen. Falls der Fight auf einem anderen Sender laufen sollte, wird natürlich erst im Nachhinein über diesen berichtet. Man will ja niemanden auf die Idee bringen, woanders einzuschalten oder gar ein DAZN-Abo abzuschließen. Wo kommen wir denn dahin?!?

In einem Punkt muss ich Sky allerdings in Schutz nehmen: Die Anderen handhaben das nicht wirklich anders – zu Lasten des Boxsports.

3. Nur Sky versteht es, Werbung zu machen!

Ich kann es selbst kaum glauben, dass ich das jetzt schreibe, aber ich fände es wirklich nicht sonderlich verkehrt, wenn sich DAZN in puncto Marketing mal eine Scheibe von Sky abschneiden würde.

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Das meine ich wirklich ernst. 😀 Der Streaming-Dienst hat regelmäßige tolle Kämpfe im Angebot. Blöd nur, dass man viel zu häufig von denen nichts mitbekommt.

4. Die deutsche Sportpresse

Guter (Sport-)Journalismus ist teuer. Da muss Geld eingespart werden, weswegen nicht alle Ressorts gleichstark bedient werden können. Das kann ich absolut nachvollziehen.

Nichtsdestotrotz halte ich die deutsche Sportwelt für ein wenig zu klein. Diese besteht nämlich hauptsächlich aus Fußball, Formel 1 und Tennis. Andere Sportarten werden hingegen ziemlich stiefmütterlich behandelt.

Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass ihnen überhaupt keine Beachtung geschenkt wird. Über Großereignisse, wie z.B. Olympia oder die Vierschanzentournee, wird natürlich lückenlos sowie gewissenhaft berichtet. Aber wenn mal gerade kein Spektakel ansteht, ist es wirklich schwer, am Ball zu bleiben. Da ist sehr viel Eigeninitiative gefragt.

Es würde einigen Sportarten bestimmt sehr gut tun, wenn die deutsche Sportpresse ein wenig breiter aufgestellt wäre.

5. Miese Eigenvermarktung

Als Sportverband ist man nicht zwangsläufig auf die Medien bzw. die Presse angewiesen. Man kann auch selbst das Heft in Hand nehmen, um seinen Sport zu promoten oder ihn seinen Fans überhaupt verfügbar zu machen.

Daran scheinen WBA, WBO & Co. allerdings nur wenig Interesse zu haben. Können deutsche Basketball-Anhänger beispielsweise auf den „NBA League Pass“ zurückgreifen, gehen unsere Boxfans leider leer aus, denn ein einen Streaming-Dienst seitens der Verbände gibt es Stand heute nicht.

Man könnte ja schon fast meinen, dass die Verantwortlichen im Boxsport überhaupt kein Interesse daran haben, Geld mit ihrem Business zu verdienen. Hier bleibt ein riesiges Potenzial ungenutzt.

6. Der Deutsche boxt wie ein T-Rex

Banal, aber naheliegend: Natürlich drücken wir unseren eigenen Jungs am liebsten die Daumen. Aber wem?

Seit Tyron Zeuges Niederlage im vergangen Jahr, stellt Deutschland keinen einzigen Weltmeister mehr. Damit ist eine 14 Jahre alte Serie gerissen. Selbstredend ist das Gift für die Popularität des Sports hierzulande. Ein deutscher Champion (in einer der höheren Gewichtsklassen) würde das höchstwahrscheinlich ändern. Der muss aber erstmal gefunden werden.

Der deutsche Boxsport als Sinnbild.

Was meint ihr?

Würdet auch ihr gerne mehr Boxen im deutschen Fernsehen sehen? Wie haltet ihr euch auf dem Laufenden? Habt ihr vielleicht einen Tipp für mich oder habt ihr dasselbe Problem wie ich?

Schreibt mir! Ich bin auf euer Feedback sehr gespannt.

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