Das Boot: Viel Licht, viel Schatten!

Auf Sky sticht Das Boot wieder in See. Kann die neue Serie ähnlich begeistern wie der Film damals?

Um ehrlich zu sein: Ursprünglich wollte ich Das Boot nicht mal eine Chance geben. Mit 100 Code und Babylon Berlin haben mir bereits zwei Sky-Produktionen nicht sonderlich gefallen, des Weiteren ging mir der allseits bekannte Werberummel des Pay-TV-Senders wie gewohnt ziemlich gegen den Strich.

Alles in allem könnt ihr euch bei meiner Freundin bedanken, dass ihr nun ein Review von mir zu lesen bekommt, denn bei ihr hat – nach dem großen Medienecho der letzten Wochen – die Neugierde letzten Endes gesiegt.

Die Tage haben wir das Staffelfinale auf Sky On Demand gesehen, wo im Übrigen bereits jetzt alle acht Episoden abrufbar sind. Die spannende Frage lautet daher: Wer hat das bessere Bauchgefühl – meine Freundin oder ich?

Keine Neuauflage!

Da ich es häufig falsch gelesen habe, möchte ich eines direkt klarstellen: Bei der Sky-Produktion handelt es sich nicht um ein Remake des gleichnamigen Films, sondern um ein Sequel, welches ein Jahr nach den Ereignissen von Wolfgang Petersens Klassiker spielt.

Zuschauer der Generation Y brauchen jetzt dennoch nicht in Panik zu verfallen: Die Handlung der Serie baut nicht auf den Film auf! Es wird eine komplett neue Geschichte erzählt. Diese spielt zum einen auf der U-612 und zum anderen auf dem französischen Festland, welches von Deutschland besetzt wird.

Auf dem Festland lernen wir Simone Strasser kennen. Die gebürtige Elsässerin ist nach La Rochelle gekommen, um für die Nazis als Übersetzerin zu arbeiten. Als ihr Bruder Frank, durch eine Abfolge unglücklicher Umstände, kurzerhand auf die U-612 versetzt wird, bittet er seine Schwester um einen Gefallen, welcher für sie ungeahnte Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Auf der Jungfernfahrt der U-612 begleiten wir den noch jungen wie auch unerprobten Kapitänleutnant Klaus Hoffmann, der mit dem mangelnden Rückhalt seiner kriegsgebeutelten Mannschaft zu kämpfen hat. Allen voran sein psychisch labiler erster Offizier (Tennstedt) scheint die Autorität des neuen Kapitäns untergraben zu wollen, da dieser sich von den Vorgesetzten übergangen fühlt. Er selbst ist nämlich ein erfahrener Kriegsveteran, wohingegen Hoffmann das Kapitätsamt hauptsächlich seinem Vater – einer Kriegslegende – zu verdanken hat.

Authentizität hat ihren Preis!

In Das Boot wird Authentizität groß geschrieben – und das nicht nur, weil es ein Nomen ist.

Auf der U-612 ist es beklemmend eng und ziemlich düster. Privatsphäre gibt es insofern keine, was in hektischen Situation die Gemüter überkochen lässt. Dabei besteht die Crew zum einen aus gebildeten Offizieren, welche ein gestochenes Hochdeutsch sprechen und zum anderen aus einfachen, teils extrem abergläubischen Seemännern, die irgendwelches unverständliches Kauderwelsch von sich geben.

Was alle gemeinsam haben: Wir schreiben das Jahr 1942. Dementsprechend hat der Krieg bei so ziemlich allen seine Spuren hinterlassen. Leidet der eine unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, ist der andere wiederum medikamentenabhängig. Dass das alles nicht ohne weitreichende Konsequenzen bleiben wird, erklärt sich von selbst.

links: Tennstedt, rechts: Hoffmann – In Germany we call it Liebe.

Allerdings hat die Sache auch einen Haken: So sehr ich glaubwürdige Produktionen schätze, gibt es bei aller Authentizität auch Grenzen, die teils überschritten wurden:

Ja, auf einem U-Boot ist es düster, aber es sollte nicht so dunkel sein, dass der Zuschauer nichts mehr erkennen kann. Ja, die Matrosen haben damals wahrscheinlich kein Hochdeutsch gesprochen, doch das Kauderwelsch ist zu Teilen so unverständlich, dass man der Handlung kaum noch folgen kann. Ich denke, auch ohne ein astreines Bayrisch, hätte man sich sehr gut denken können, dass Obermechanikermaat Josef Wolf ein absoluter Hinterwäldler ist.

Hierbei wäre weniger vermutlich mehr gewesen, da ich mir stellenweise bei Das Boot einen Untertitel gewünscht habe, um zu wissen, was da überhaupt abgeht.

Die Charaktere…

Kriminalrat Hagen Forster (gespielt von Tom Wlaschiha, bekannt aus Game of Thrones) ist ein Gentleman, wie er im Buche steht: Höflich, intelligent, zugleich charmant. Ein Mensch, den man gerne an seiner Seite hat. Hagen war mein absoluter Lieblingscharakter. Er hat die Serie besser gemacht! Allgemein bin ich der Meinung, dass Tom Wlaschiha ein großartiger Schauspieler ist. Ach ja, bevor ich es vergesse, eine kleine Randnotiz: Er steht im Dienste der Gestapo, ist also ein Nazi.

Bester Mann! Okay, ein Nazi… Aber hey, bester Mann!

Wer daraus jetzt voreilig Rückschlüsse bezüglich meiner politischen Gesinnung zieht, der hat Das Boot noch nicht gesehen: Denn es gibt kaum eine andere sympathische Figur in der Serie! Ich habe sie gesucht, doch leider nicht gefunden.

Die Crew der U-612 ist menschlich so daneben, dass man kein Problem damit hätte, wenn sie von den Alliierten abgeballert werden würde. Immer wenn einer der Matrosen über den Jordan geht, dann ist einem egal. Man kann eh kaum jemanden auf dem U-Boot leiden. Auf dem Festland sieht es nicht besser aus: Hauptdarstellerin Simone ist in ihrer Rolle nicht nur verdammt blass, sondern auch langweilig und auch ihre neue Bekannte vom Widerstand, Carla Monroe, ist ein wandelndes Klischee.

Carla: Ein wandelndes Klischee

Keine Frage, der Krieg bringt mit Sicherheit nicht das Beste im Menschen hervor, doch mehr Arschlöcher als Paris SG, sollte eine Serie nun mal nicht haben.

Warum eigentlich eine Serie?

Die Staffel Das Boot beinhaltet acht Episoden à 60 Minuten. Also begleiten wir die Crew der U-612 sowie Fräulein Strasser sage und schreibe acht Stunden, die sich – ehrlich gesagt – relativ lang anfühlen.

Man merkt, wie die Handlung unnötig aufgebläht wurde, nur um auf Teufel komm raus, ein „cooles“ Serienformat anstatt eines „altmodischen“ TV-Mehrteilers bewerben zu können. Bedenkenlos könnte man Das Boot um die Hälfte der Spielzeit kürzen, ohne dass die Qualität der Produktion darunter leiden würde. Im Gegenteil: Wahrscheinlich wäre erst dann die Serie durchgängig spannend.

So weiß man mehrere Folgen lang nicht, worauf Das Boot eigentlich hinaus möchte und aufgrund der Längen, hat man zwischendurch immer wieder sein Handy in der Hand.

Das macht Das Boot besser als die Anderen!

Das Boot verzichtet auf ein (für das Genre typisches) Schwarz/Weiß-Denken, was mir extrem gefällt:

Werden die deutschen Truppen in den meisten Kriegsfilmen flächendeckend als skrupellose, gewissenlose Monster dargestellt, sind die Besatzer La Rochelles viel eher darum bemüht, die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen und den Widerstand zu diskreditieren. Die Nazis wissen nämlich, dass sie den Krieg nicht gewinnen können, wenn sie zusätzlich zu den Alliierten gegen die Einheimischen kämpfen müssen.

Wachhund des Jahres!

Der Widerstand auf der anderen Seite hat nicht nur Helden: Denn der ein oder andere Rebell in Das Boot ist eben nicht der altruistische Idealist, wie wir ihn erwarten würden, sondern lediglich ein verblendeter Fanatiker. Die Sky-Produktion zeigt wunderbar, wie verdammt schmal der Grat zwischen Freiheitskampf und Terrorismus in Wirklichkeit ist.

Dass Das Boot derart zu differenzieren weiß, finde ich wirklich extrem stark. Ich habe sehr viele Kriegsfilme gesehen, nirgends gibt es so viel „Grau“ wie in dieser Serie.

Resümee

Auf welches Bauchgefühl sollte in Zukunft wohl eher gehört werden – das meiner Freundin oder meins? Eine Frage, die gar nicht mal so leicht zu beantworten ist, da mir Das Boot besser gefallen hat als erwartet, meine Freundin wiederum das überschwänglich positive Medienecho nicht wirklich nachvollziehen kann.

Positiv ist anzumerken, dass die Serie wirklich sehr interessante Einblicke bietet und dabei sehr authentisch ist. Dass die Sky-Produktion auf ein Schwarz/Weiß-Denken verzichtet und sich infolgedessen ungewohnt differenziert zeigt, weiß zu gefallen.

Auf der anderen Seite hat Das Boot ungewöhnlich viele Längen. Ich bin der Meinung, dass die Geschichte nicht ausreichend Stoff für eine Serie bietet. Ein TV-Mehrteiler hätte meines Erachtens mehr Sinn gemacht. Des Weiteren ist insbesondere die Geschichte an Land, hier und da zu sehr klischeebehaftet. Wären Simone und Carla in der ersten Folge vom Bus überfahren worden, hätte das der Serie nicht sonderlich geschadet.

Könnte Frank seine Post selber wegbringen, wäre uns Simone erspart geblieben. Danke für nix!

Zusammengefasst: Das Boot ist sehenswert, wenn man ein Interesse an der Thematik hat und über einen langen Atem verfügt. Erhofft man sich das spektakuläre Meisterwerk, als das die Serie angepriesen wird, so wird man enttäuscht.

Meine Wertung: 3/5 Sterne und für Kenner 5/9

Wo kann ich Das Boot sehen?

Sky-Kunden können sich Das Boot auf Sky 1 oder via Sky On Demand anschauen. Wer kein Sky-Abonnement hat, kann sich die Serie online über Sky Ticket angucken.

Bildquellen

Sendung: Das Boot. Ausgestrahlt im November 2018 auf Sky 1 bzw. Sky Deutschland. Lizenz: © Sky Deutschland (zur Verfügung gestellt und Nutzungserlaubnis erteilt durch Sky Deutschland)

Sendung: Das Boot. Ausgestrahlt im November 2018 auf Sky 1 bzw. Sky Deutschland. Lizenz: © Sky Deutschland (zur Verfügung gestellt und Nutzungserlaubnis erteilt durch Sky Deutschland)

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