Das hat uns das Ausscheiden gelehrt

Das Aus für die Bayern ist bitter, jedoch verdient. Zeit zu analysieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Der FC Bayern München ist gestern im Achtelfinale der UEFA Champions League gegen den FC Liverpool ausgeschieden und als wäre das nicht schon bitter genug, wird im folgenden naturgemäß nach dem Schuldigen für das Aus gesucht. Namen werden hierbei viele genannt, allen voran der des Trainers Niko Kovac, aber auch einige Spieler kriegen ihr Fett weg.

Selbstverständlich habe auch ich die Partie gestern aufmerksam vorm heimischen TV verfolgt und mir meine Gedanken zur Pleite gemacht. Wie ich das Spiel bewerte und welche Schlüsse ich aus dem Ausscheiden ziehe, lest ihr im folgenden Beitrag.

Kovac hatte einen Plan…

…welcher leider nicht aufging.

Der Kroate wollte mit einer bedingungslosen Defensivtaktik den englischen Angriff zur Weißglut bringen und auf den entscheidenden Konter setzen – ein Plan, der seine Daseinsberechtigung hatte. Aufgrund der Auswärtstorregel war klar, dass es ab einem Gegentreffer unheimlich schwer werden würde. Je länger die Null stehen würde, desto wahrscheinlicher würde ein Weiterkommen werden.

Sicherlich ist diese Herangehensweise nicht schön anzusehen, sie kann aber sehr wohl erfolgreich sein. Ich erinnere diesbezüglich gerne an Inter Mailand, den FC Chelsea und den FC Porto, die mit dieser Art Fußball zu spielen, die Königsklasse gewinnen konnten.

Jose Mourinho hat sich bereits 2x zum CL-Triump gemauert.

Selbstverständlich ist das nicht „Bayern like“! Spätestens seit der Verpflichtung Louis van Gaals steht der FCB für einen dominanten Offensivfußball, eine Doppelsechs wie auch eine der besten Flügelzangen der Welt.

Man sollte aber nicht vergessen, dass sich der Wind in den letzten Jahren gedreht hat: Jeder Bayern-Coach der letzten zehn Jahre hatte das Glück, von der enormen Weltklasse eines Franck Ribérys oder eines Arjen Robbens profitieren zu können. Kovac ist allerdings der erste, der sich etwas Neues einfallen lassen muss, da deren Zeit nun endgültig vorbei ist.

Gestern hat man deutlich gesehen, dass Ribéry nicht mehr der Alte ist. Ob Robben überhaupt noch fit wird, ist ungewiss.

Dass er hierbei auf Defensivkonzept setzt, halte ich für nur wenig überraschend. Womit hat er denn die Eintracht erfolgreich gemacht? Mit „Hurra Fußball“? Wer sich jetzt über die taktische Ausrichtung eines Niko Kovacs wundert, bemängelt auch bei seinem Allrad-SUV, dass er nicht in drei Sekunden von null auf hundert kommt. Wenn man Kovac kauft, braucht man sich nicht zu wundern, dass kein Pep drin ist.

Zumal ich die Frage stellen möchte: Wir haben gestern drei Gegentreffer kassiert, obwohl wir hinten drin standen. Wie viele wären es gewesen, wenn wir mit offenem Visier nach vorne gespielt hätten? Da hätten wir wohlmöglich ein zweites „ManCity gegen Schalke“ präsentiert bekommen.

Summa summarum halte ich den ursprünglichen Matchplan für keinen falschen. Er schien auch aufzugehen, bis zum absolut unnötigen wie auch vermeidbaren 0:1 in der 26. Minute. Hier hat sich Manuel Neuer (meiner Meinung nach) von Sadio Mané völlig düpieren lassen.

Ist also Manuel Neuer schuld?

So wenig der FC Bayern letzte Saison wegen Sven Ulreichs Patzer gegen Real Madrid ausgeschieden ist, genauso wenig ist dieses Jahr unser Nationaltorhüter für das Ausscheiden des Rekordmeisters verantwortlich.

Wir sollten eines nicht vergessen: So ein Bolzen ist mit aller Sicherheit ärgerlich, jedoch hat man noch weitere 89 zusätzliche Minuten, um diesen wieder gerade zu biegen. Ich bin kein Freund davon, ein Spiel auf lediglich eine einzige Situation zu reduzieren. Damit werden wir den Akteuren auf dem Platz nicht gerecht.

Hätten wir beispielsweise ein paar Tore geschossen, würde kein Hahn nach Neuers Aussetzer krähen.

Also ist Lewy schuld!?

Trifft nicht in den wichtigen Spielen, seit zig „Champions League“-Partien nicht getroffen, mangelnde Mentalität, etc. Die Liste an Vorwürfen, die sich der Pole gefallen lassen muss, ist lang. Für mehr Argumente, welche gegen Lewandowski sprechen, kontaktieren Sie bitte Didi Hamann oder den wütenden Fußballmob auf Twitter.

Wobei ich den Kritikern in einem Punkt recht geben möchte: Es gibt diese Fußball-Phänomene, die nicht mehr als eine Halbchance brauchen, um ein Spiel komplett zu drehen. Jedoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass ein Christiano Ronaldo nicht alle Tage geboren wird. Wenn wir jetzt anfangen jeden Stürmer an CR7 zu messen, so wird jeder Angreifer zu schlecht für den FC Bayern sein.

Wir sollten fair bleiben: Robert Lewandowski hatte kaum gescheite Möglichkeiten, ein Tor zu erzielen. Ihn für das Ausscheiden verantwortlich zu machen, wäre ungerecht.

Es gibt nicht DEN EINEN Grund!

Wie ich schon nach dem Hinspiel geschrieben habe, vertrete ich die Meinung, dass der FC Bayern bei weitem nicht so schwach ist, wie behauptet wird, aber auch bei weitem nicht so stark, wie er eigentlich sein müsste.

Meiner Wahrnehmung nach stand die Abwehr der Bayern gestern weitestgehend stabil, jedoch war nach vorne „tote Hose“ angesagt. Für den Fußball, den Kovac gestern hat spielen lassen, fehlten ihm also die passenden Spieler. Es gibt nicht nur Defensive und Offensive im Fußball, der Ball muss ebenso von A nach B transportiert werden (Stichwort: Umschaltspiel).

Damit will ich niemandem auf dem Platz kritisieren, allerdings benötigst du für einen derart kaltschnäuzigen Fußball auf dem Flügel Weltklasse. Coman und Gnabry sind großartige Fußballer, aber man kann von ihnen (noch!) nicht verlangen, Rib und Rob zu sein. Wie denn auch? Sie sind noch relativ jung, waren unglücklicherweise häufiger verletzt als erwartet und Robbery hat Fußstapfen hinterlassen, die kaum ein Duo der Welt ausfüllen kann. Wir reden hier von zwei absoluten Ausnahmekönnern, die Weltfußballer hätten werden können/müssen.

Des Weiteren war Kimmich gestern nicht da, Thomas Müller hat gefehlt, Amateurspieler saßen auf der Bank, etc. Ein großes Aufbäumen in der Schlussphase fällt schwer, ohne die nötige Breite im Kader. Spätestens gestern flog den Bayern ihre verkorkste Einkaufspolitik um die Ohren.

Die Weichen für die Zukunft stellen

Für mich ist das Ausscheiden gestern kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken und restlos pessimistisch in die Zukunft zu blicken. Nächsten Sommer wird eingekauft. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Niko Kovac entgegen kommen wird. Schnelle Spieler, wie z.B. Timo Werner, sind der Schlüssel, um erfolgreich Konterfußball zu spielen. Die fehlen uns zuweilen, nächste Saison wird das anders aussehen.

Doch wo ich mir im Gegenzug nicht wirklich sicher bin ist, ob der FCB das überhaupt möchte. Gestern machten die Spieler nach Abpfiff deutlich klar, dass ihnen die Spielweise zu defensiv war – allen voran Robert Lewandowski.

Marco Mingablog @Twitter

Hier muss eine Entscheidung getroffen werden!

Will man mit dem Trainer langfristig planen, so muss man sich an seinem Stil orientieren und dementsprechend einkaufen. Will man das nicht, muss ein anderer her. Wie bereits gesagt: Wer Kovac kauft, braucht sich nicht zu wundern, wenn schlussendlich kein Pep drin ist.

Deshalb ist eine komplett stringente Ausrichtung von Nöten, denn mit halben Sachen wird der FCB nicht mehr ganz oben mitspielen können.

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