Das TV-Duell: Eine vertane Chance

Warum wir uns alle mehr vom TV-Duell erwartet haben.

Der Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017 ist ein absolutes Trauerspiel. Die Spitzenkandidaten der einzelnen Parteien stehen schon seit Monaten fest und man wartet und wartet, dass es endlich mal zur Sache geht. Sagt mir doch, warum ich euch wählen soll! Sagt mir doch, warum es die Anderen nicht drauf haben! Doch Fehlanzeige. Die einzigen, die halbwegs austeilen, sind diejenigen, die zum Glück eh keiner hören möchte. Doch was bekomme ich von der Kanzlerin oder gar ihrem Herausforderer geboten? Wenig. Ich kriege Einigkeit präsentiert. Da guckst du das TV-Duell und während der eine Kandidat spricht, nickt der andere ihm zustimmend zu. Um die Unterschiede – die es tatsächlich gibt! – zwischen den beiden Parteien oder den Spitzenkandidaten zu erkennen, muss man schon auf Nuancen achten.

Leute, das ist doch kein Wahlkampf! Das ist ein Gruppenkuscheln. Das ist so verdammt fair und anständig, dass ich glaube, dass es im Schlafzimmer diverser Nonnen schmutziger zur Sache geht als im Wahlkampf 2017.

Das TV-Duell war eine Chance

Eine Chance, die aber leider vertan wurde. Doch das lag, meiner Meinung nach, nicht ausschließlich an der Kanzlerin oder ihrem Herausforderer, sondern deutlich mehr an den wirklich miserablen Moderatoren bzw. Journalisten.

Wie soll man denn sein Profil schärfen, wenn fast nur Fragen zur Außenpolitik gestellt werden? Was für eine Meinung sollte man denn zu US-Präsident Trump oder Kim Jong Un haben? Hat da wirklich jemand ernsthaft erwartet, dass es diesbezüglich bei zwei klar denkenden Menschen zwei verschiedene Meinungen geben kann? Wäre der Spitzenkandidat der NPD zu Gast gewesen, hätte ich das ja noch verstanden! Da hätten wir wahrscheinlich sehr überraschende und sicherlich auch sehr erschreckende Antworten zu hören bekommen. Aber bei den Vertretern der CDU und der SPD, brauche ich Fragen dieser Art doch gar nicht zu stellen. Das ist Zeitverschwendung!

Und die Zeit war knapp. Das haben wir gestern, mehr als einmal, deutlich zu spüren bekommen. Also warum nicht die Fragen stellen, auf die es auch wirklich ankommt und bei denen ich weiß, dass es Unterschiede zwischen den beiden Gästen gibt?

Da hilft es auch nicht (Herr Klöppel und Frau Illner) die eigene Inkompetenz auf einen ausschweifenden und ruhig sprechenden Martin Schulz zu schieben. Bei einer 90-minütigen Sendezeit hätte ihnen sogar ein dressierter Hausaffe sagen können, dass diese Bandbreite an Themen nicht unterzukriegen ist. Von fähigen Journalisten sollte man eigentlich erwarten können, dass sie in der Lage sind, zu selektieren respektive die richtigen Themen zu identifizieren.

Und kam eigentlich nur mir das Gesprächsklima irgendwie vergiftet vor? Vielleicht liegt es ja daran, dass ich noch von der alten „Journalisten-Schule“ bin, in der die Gäste und nicht die Moderatoren den größten Redeanteil hatten. Markus Lanz muss wohl mit seiner penetranten Art, seine Gäste fortwährend zu unterbrechen, ganz neue Maßstäbe im Journalismus gesetzt haben, denn von Frau Illner und Peter Klöppel gab es mehr als einen unsachlichen wie auch impertinenten Kommentar im Laufe der Sendung zu hören.

So eine schnippische Bockigkeit hat in meinen Augen nichts mit Professionalität am Hut. Wenn man sich wegen eines guten Konters direkt in seiner Berufsehre gekränkt fühlt, hat man wahrscheinlich ein zu großes Ego für diesen Berufsstand. Das ist mir allerdings nicht zum ersten Mal aufgefallen.

Den Bock hat allerdings Claus Strunz von der AfD… sorry… ich meinte von SAT1 abgeschossen. Selbstverständlich handelt es sich bei Journalisten ebenfalls nur um gewöhnliche Menschen, die (so wie wir alle) eine eigene politischen Meinung haben dürfen. Dennoch erfordert es der Job, dass man möglichst neutral zu sein hat.

Ich weiß nicht, vielleicht liegt es ja an seinen ständigen Auftritten in allen möglichen Sendungen, in denen er seine (rechten) Standpunkte mehr als einmal deutlich gemacht hat, doch mit seiner Polemik und seinen teils tendenziös gestellten Fragen, kam es mir beinahe so vor, als hätte die AfD ihren Spitzenkandidaten in die Sendung hereingeschmuggelt.

Einzig und allein Frau Maischberger hat versucht, ihren Job gewissenhaft zu erledigen. Mir hat es imponiert, wie offen sie (in der späteren Sendung von Anne Will) für Kritik war und dass sie diese nicht blind abgeschmettert hat. À la bonne heure, würde ich da sagen, um es mal mit den Worten von Martin Schulz auszudrücken.

#DieRichtigenFragen

Das TV-Duell hat nicht gehalten, was es versprochen hat. Innenpolitische Themen, wie z.B. die Bildungspolitik, Umweltpolitik, Digitalisierung, etc. wurden nicht mal angesprochen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass nun einige Bürger ein großes Fragezeichen auf der Stirn haben und viele von ihnen unter dem Hashtag #DieRichtigenFragen ein weiteres TV-Duell fordern.

Schade, dass es kein zweites geben wird. Dieses war nämlich für die Tonne, da nicht mal 50% der Themen angesprochen wurden.

Bildquellen

„testmuster-tv-tv-testbild-fernsehen-152459“ von OpenClipart-Vectors @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC0 1.0

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