Der BVB: Ein Tanz auf dünnem Eis

Borussia Dortmund ist bislang das Maß aller Dinge. Das kann sich aber auch ganz schnell wieder ändern.

In der aktuellen Spielzeit ist die Borussia aus Dortmund (bislang) das Maß aller Dinge: 20 Pflichtspiele, ein Torverhältnis von 50:18 und wettbewerbsübergreifend lediglich eine einzige Niederlage. Die Konsequenz: Tabellenplatz 1 der Bundesliga mit einem Vorsprung von 9 Punkten auf den Dauerrivalen aus München, zudem wurde sowohl im DFB-Pokal als auch in der Königsklasse das Achtelfinale erreicht.

Der BVB 2018/19 ist jung, frech, pfeilschnell und spielt dementsprechend spektakulär, weswegen er in allen drei Wettbewerben zum engsten Favoritenkreis gehört. Wer hätte das vor Saisonbeginn gedacht? Wahrscheinlich nur die Wenigsten.

Ein ungewohnter Anblick: Dortmund auf der 1, die Bayern auf Platz 4.

Doch wenn es seltsamerweise Matthias Sammer nicht tun möchte, dann will ich heute an seiner Stelle den Mahner mimen und darauf hinweisen, dass das alles zwar schön und gut ist, aber damit noch lange nichts gewonnen ist. Die Saison ist noch jung, der Kampf um die Meisterschale bei Weitem noch nicht entschieden. Ich tippe sogar, dass es in der Bundesliga bis zum letzten Spieltag spannend bleiben wird.

Warum ich das meine und welche Hürden die Westfalen (möglicherweise) noch zu meistern haben, lest ihr im folgenden Beitrag.

1. Teils mangelt es an Erfahrung

Nicht nur in der Tabelle, sondern auch in puncto Umbruch ist der BVB den Bayern weit voraus. Jadon Sancho (18), Christian Pulisic (20), Jacob Bruun Larsen (20) und noch viele weitere Talente, haben ihre Bundesligatauglichkeit schon längst unter Beweis gestellt. Diese junge Truppe spielt auf einem verdammt hohen Niveau und ihr Entwicklungspotenzial ist bei Weitem noch nicht ausgeschöpft.

Aber ich mahne: Jung und erfahren gibt es in aller Regel nur auf dem Straßenstrich!

Ergo: Bis dato wurde erst ein Spiel verloren. Aber was wird passieren, wenn der BVB mal eine längere Durststrecke haben sollte? Dann wird der Druck wachsen! Es wird sich zeigen, ob die Youngsters diesem standhalten werden; vor allem, falls es dem FCB gelingen sollte, in der Rückrunde eine Aufholjagd zu starten.

Was wiederum für die Westfalen spricht: Es sind genügend erfahrene Spieler im Kader, die in der Lage sind für Ruhe zu sorgen. Da viele Väter des Erfolgs allerdings noch quasi „Kinder“ sind, ist die mangelnde Erfahrung auf hohem Niveau eine Gefahr, welche nicht von der Hand zu weisen ist.

2. Ein Held mit Glasknochen

Marco Reus ist ein großartiger Fußball, dem ich verdammt gerne zugucke. Vielleicht spielt er sogar aktuell die Saison seines Lebens. Ich gönne es ihm! Schade, dass er immer wieder von langwierigen Verletzungen zurückgeworfen wird.

Und das, liebe Leute, ist der Knackpunkt! Dortmunds Spiel steht und fällt mit Marco Reus. Wurde sein großartiges Potenzial früher auf dem linken Flügel verschwendet, steuert er nun als Zehner das Spiel der Borussen.

Aber was wird sein, falls er sich mal wieder verletzen sollte? Ich denke nicht, dass Marco Reus nur im Ansatz zu ersetzen wäre. Falls er ausfallen würde, dann wird infolgedessen, aller Wahrscheinlichkeit nach, die Tormaschine Borussia Dortmund ins Stocken geraten.

3. Die Schattenseiten des Erfolgs

Je länger die Borussen gewinnen werden, desto schwieriger wird es auch den Erfolg aufrecht zu erhalten. Dafür gibt es zwei ganz naheliegende Gründe:

a) Noch versuchen die Gegner zu gewinnen…

…was Räume für Dortmunds flinke Stürmer schafft. Jedoch spätestens zur Rückrunde werden die Gegner damit anfangen, sich hinten reinzustellen. Resultierend daraus kann Lucien Favre seinen überfallartigen Umschaltfußball erstmal ad acta legen. Wird spannend werden, ob die Borussen in der Lage sein werden, Handball um den 16er des Gegners zu spielen.

Die Bayern kennen das nicht anders. Für die Dortmunder – insbesondere die Youngsters – wird das allerdings Neuland sein.

b) Der Tanz auf drei Hochzeiten

Stand jetzt(!) ist dem BVB alles zuzutrauen. Lucien Favres Mannschaft braucht sich aktuell vor niemandem zu verstecken. Somit halte ich es für gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass die Borussen in allen drei Wettbewerben eine Rolle spielen werden. Doch drei Wettbewerbe werden ihren Tribut fordern!

Der ein oder andere BVB-Fan in meinem Freundeskreis beginnt schon an 97 zurückzudenken.

Misst man sich in der Vorrunde der Champions League noch mit Club Brügge und dem AS Monaco, trifft man in aller Regel ab der KO-Runde werktags auf Schwergewichte wie Manchester City oder den FC Barcelona. Ob man dann noch die Power hat, am Wochenende in der Bundesliga, die paar wenigen entscheidenden Meter mehr zu laufen, bleibt fraglich.

Ferner stellt sich die berechtigte Frage, ob der Kader der Borussen dafür die notwendige Breite hat.

4. Die Konkurrenten sind am schwächeln

Nach 14 Spieltagen steht der BVB zurecht auf Platz 1 und hat 33 Zähler auf dem Konto. Die Bayern hatten zum gleichen Zeitpunkt in der letzten Spielzeit 32 Punkte, im Jahr davor 33 und 2015/16 sogar sagenhafte 40 Punkte.

Zum einen schließen wir daraus, dass die Westfalen gute Chancen haben, Deutscher Meister zu werden, zum anderen aber auch, dass die Bayern – wie auch viele andere Konkurrenten – in diesem Jahr ungewöhnlich oft Federn lassen. Doch bei aller Euphorie: Ich hege Zweifel, dass das noch lange so weitergehen wird.

Meisterfeier bei den Borussen: Ob wir Lucien Favre auch so zu sehen bekommen?

Ich glaube eher, dass der FCB zur Rückründe zur Aufholjagd blasen wird und auch Leverkusen sowie Schalke nicht langfristig gegen den Abstieg spielen werden. Die Folge: Der Gegenwind nach der Winterpause wird ein Anderer sein.

Mit Hinblick auf den nächsten Punkt, könnte das ein entscheidender Faktor werden. Denn…

5. Einige Partien wurden nur sehr knapp gewonnen

Ich habe viele der Dortmund-Spiele geguckt und nicht gerade wenige wurden erst sehr spät entschieden. Das liegt sowohl an der hervorragenden Moral der Spieler als auch der überlegenden Physis der Schwarzgelben. Gegenwärtig haben Reus, Pulisic und Witsel in etwa zehn Minuten mehr Luft in den Lungen als ihre Gegner, was die Borussen die Spiele bislang knapp gewinnen lässt.

Ob das in dieser Art eine komplette Saison gutgehen kann, steht in den Sternen. Jeder bislang genannte Punkt könnte dafür sorgen, dass das Momentum in der entscheidenden Spielphase in die andere Richtung kippt.

Es bleibt spannend!

Der BVB macht in dieser Spielzeit verdammt viel Freude und ich denke, dass ganz Fußball-Deutschland dankbar ist, dass wir diese Saison endlich wieder einen spannenden Titelkampf präsentiert bekommen. Vieles erinnert bislang an die zwei Sensationsmeisterschaften von 2011 und 2012. Auch in dieser Spielzeit ist alles möglich.

Doch bei aller berechtigten Begeisterung, will ich auf die Euphoriebremse drücken: Noch ist nichts gewonnen, die Schwarzgelben haben noch viele Hürden zu nehmen und so übermächtig der BVB auch scheinen mag, so fragil ist auch sein Erfolg.

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