Der FCB: Geht schlechter, geht besser!

Wie stark bzw. schwach ist der FC Bayern nun wirklich? Meine Einschätzung nach der Nullnummer in Anfield.

Gestern kam es in der Achtelfinalpartie der UEFA Champions League zum langersehnten Aufeinandertreffen von Niko Kovacs Bayern München und Jürgen Klopps FC Liverpool. Dabei hätten die Prognosen im Vorfeld unterschiedlicher nicht sein können: Von einer haushohen Klatsche für die Bayern bis zu einem Sieg, aufgrund der Gewinnermentalität des deutschen Rekordmeisters, war alles dabei.

Aktuell starten die KO-Spiele der Champions League. Oder wie es in München heißt: Saisonbeginn.

Und wie immer, waren wir nach 90 Minuten Spitzenfußball ein gutes Stück schlauer. Der Weisheit letzter Schluss: Die Wahrheit liegt nicht nur auf dem Platz, sondern, wie so oft, auch in der Mitte, denn in Anfield gab es ein torloses Remis zu sehen – das Resultat, mit dem wohl die Wenigsten gerechnet hätten und eben genau die Ausgangslage fürs Rückspiel, welche den meisten Diskussionsstoff für die kommenden drei Wochen bieten sollte.

Das Bullshitbingo geht also weiter

Denn, wie wir sehen, lässt so ein 0:0 nicht nur eine oder zwei Meinungen zu, sondern hunderte. Selbstverständlich ist von beispielloser Polemik bis hin zur trockenen Expertenmeinung so ziemlich alles dabei.

Jedoch will ich jetzt nicht den Fehler machen, auf die einzelnen Reaktionen zum Spiel einzugehen bzw. diese zu werten. Stattdessen möchte ich viel lieber eine weitere Sichtweise in den Ring werfen, welche ich im folgenden Text begründen werde.

»Der FC Bayern ist definitiv nicht so schwach wie von einigen behauptet, jedoch bei weitem nicht so stark wie er eigentlich sein müsste.«

Was mir gefallen hat…

Das Positive zuerst: Gestern haben die Bayern mit einigen Vorurteilen, die ich zum Teil selbst hatte, aufgeräumt. Dabei waren drei Tatsachen besonders auffällig.

Mythos 1: Kovac hat keinen Plan B

Auch ich habe mich häufig darüber beschwert, dass Niko Kovac keinen Plan B in der Tasche hat. Gestern wurde ich eines Besseren belehrt. Der FC Bayern war ungewohnt defensiv eingestellt. Der ehemalige kroatische Nationaltrainer hat den Rekordmeister in etwa so spielen lassen wie seinen Ex-Klub Eintracht Frankfurt.

Für mich als langjährigen Bayern-Fan ist das sicherlich ungewohnt, dennoch ist es ein Beleg dafür, dass auch Kovac in der Lage ist, an diversen Stellschrauben zu drehen. Meiner Meinung nach dürfte er das gerne häufiger tun – vor allem nicht nur vor der Partie.

Mythos 2: Mit der Defensive gewinnst du keinen Blumentopf

Die Abwehr der Bayern ist diese Saison ungewöhnlich anfällig. Man lässt zwar gar nicht so viele Torchancen zu, jedoch führen einige Patzer der Stars zu vermeidbaren wie auch enorm ärgerlichen Gegentoren, welche dem Rekordmeister das Leben häufig unnötig schwer machen. Naheliegend, dass nicht wenige Fans und Experten vor dem „Champions League“-Kracher eine Klatsche befürchteten.

Diese blieb allerdings aus. Ausgerechnet gegen die möglicherweise beste Offensive Europas haben die Bayern zum ersten mal in diesem Kalenderjahr zu null gespielt. Dabei brillierten insbesondere der häufig kritisierte Mats Hummels und der von vielen (zu unrecht) abgeschriebene Javi Martinez.

Mythos 3: Die Mannschaft spielt gegen den Trainer

Ich verfolge die Karriere des James Rodriguez schon seit geraumer Zeit und ich habe den kolumbianischen Spielmacher noch nie so rackern sehen wie gegen Liverpool.

Schon klar, dass er deswegen offensiv nicht sonderlich glänzen konnte. Aber, liebe Freunde des runden Leders, wir müssen uns entscheiden: Auf der einen Seite wurde Jupp Heynckes dafür gelobt, dass Rib und Rob endlich mal nach hinten arbeiten würden. Wie kann man James nun für den gleichen Edelmut kritisieren? Das geht nicht. Wer seinen Auftritt jetzt negativ bewertet, hat meines Empfindens nach, relativ wenig Ahnung vom Fußball.

Kleiner Beleg: Manche Teams haben die Königsklasse nur deswegen gewonnen, weil alle elf Mann defensiv mitgearbeitet haben. Ich erinnere hierbei an Mario Mandzukic 2013 oder Samuel Eto’o 2011.

Wie dem auch sei: Ich habe gestern eine kompakte Einheit auf dem Rasen gesehen, die hochkonzentriert war und wo jeder sein Bestes gegeben hat. Die Einstellung stimmt, der Wille ist gegeben.

Ein 0:0 wird dadurch dennoch nicht zum Erfolg!

Selbst wenn wir positive Erkenntnisse aus der Begegnung ziehen können, tue ich mich schwer damit, diese Nullnummer als Erfolg zu werten. Für mich persönlich ist es eher ein solider Meilenstein in die richtige Richtung. Nicht mehr, nicht weniger.

Denn bei aller Lobhudelei sollten wir die folgenden Punkte nicht ausblenden.

Bayerns Selbstverständnis

Der FC Bayern ist seit jeher das Aushängeschild des deutschen Fußballs. Ganz gleich, wie stark der FC Liverpool gerade auch sein mag, es entspricht nicht dem Selbstverständnis des deutschen Rekordmeisters, sich über ein 0:0 zu freuen.

Wie wir sehen, ist die Erwartungshaltung an die Bayern gesunken. Das kann man für diese Spielzeit hinnehmen, sollte allerdings nicht zum Standard werden. Spätestens seit der Ära von Louis van Gaal, gehört der FC Bayern in die Top 4 Europas. Es wäre sehr schade, wenn man diese Zeiten als beendet erklären würde.

Die letzten Jahre waren die Bayern in der CL sehr erfolgreich. Das war aber nicht immer so.

Es wurden auch Vorurteile bestätigt!

Didi Hamanns feuchte Träume sind gestern in Erfüllung gegangen. Nicht nur, dass er bei Sky als Co-Kommentator fungieren durfte, auch seine Behauptungen in puncto Lewandowski wurden bestätigt – denn der Pole hat ein weiteres Mal in einer „wichtigen Partie“ nicht getroffen.

Ich persönlich kann das verzeihen, da er aufopferungsvoll nach hinten mitgearbeitet hat. Nichtsdestotrotz werden sich einige Kritiker in ihrer Ansicht bestätigt fühlen.

Auch nicht von der Hand zu weisen: So schön es auch sein mag, dass man zu Null gespielt hat, kann man aber auch kritisieren, dass die Bayern kein Tor erzielt haben. Sowohl Virgil van Dijk als auch Dejan Lovren waren verletzt. Dementsprechend waren die Chancen gegen die Reds zu treffen noch nie so hoch wie gestern.

Somit bleibt eines beim Alten: Unter Kovac wirkt die Bayern-Offensive oft zu uninspiriert. Eine Nullnummer unterstreicht die Annahme, dass Sand im Getriebe des bavarischen Angriffsspiels ist.

Schwierige Ausgangslage

Ich halte nicht viel von der Auswärtstorregel, dennoch ist sie (noch!) da, was zum Problem werden könnte. Die Bayern sind im Rückspiel nämlich zum Siegen verdammt. Ein Gegentor und es wird richtig schwer.

Meiner Einschätzung nach hat Liverpool nun alle Trümpfe in der Hand. In drei Wochen werden wir sehen, was so ein Heimvorteil wirklich wert ist.

Das Debattieren rund um den FCB geht vorerst weiter. Am 13.03. werden wir schlauer sein.

Des Weiteren bereiten mir die Sperren von Thomas Müller und Joshua Kimmich Bauchschmerzen. Wenn ich jetzt noch daran denke, wie verletzungsanfällig und klein unser Kader ist, kriege ich mittelschwere Panikattacken.

Der Schlachtplan fürs Rückspiel

In der Allianz Arena muss die Grundausrichtung eindeutig sein. Mit einer Taktik, die weder Fisch noch Fleisch ist, werden die Bayern ihr blaues Wunder erleben. Deshalb sehe ich nur zwei mögliche Optionen fürs Rückspiel: Entweder sollte man kompromisslos defensiv auftreten oder – falls man davon ausgeht, dass man die Null unter keinen Umständen halten kann – bedingungslos auf Sieg spielen.

Ich persönlich tendiere eher dazu, dass die Bayern ihr Heil in der Defensive suchen sollten. Falls der Abwehrriegel hält, muss nur ein einziger Konter (oder vielleicht ein Standard) in 90 (oder 120) Minuten sitzen. Das ist zwar nicht schön anzusehen, kann aber erfolgreich sein.

Bei einem Spiel auf Sieg, sind die Bayern, meiner Einschätzung nach, zu sehr von ihrer Tagesform, dem Verletzungspech und dem Glück abhängig. Allesamt Faktoren, die in der aktuellen Spielzeit nicht für die Roten sprechen.

Was meint ihr?

Wie wertet ihr dieses torlose Remis? Wie sollte der FCB im Rückspiel auftreten? Wie ich gelesen habe, gibt es dazu unzählig viele Meinungen. Eure würde mich dabei brennend interessieren. Schreibt mir!

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