Don’t tell me your story!

Snapchat, Instagram, etc. Stories gibt's jetzt überall! Und ich kann sie nicht mehr sehen.

Leg dich nicht mit Facebook an. Nein, nein und nochmals nein! Ernsthaft. Lass es sein. Auch wenn es unwahrscheinlich klingen mag, doch falls eines Tages Mark Zuckerberg zu dir kommen sollte, um dir ein Angebot zu machen, das du nicht ablehnen kannst, dann nehme es um Gottes Willen auch bitte an. Bitte! Werd‘ nicht größenwahnsinnig! Spar dir deinen Idealismus für den Tierschutz und Fair Trade-Produkte auf. Nimm einfach die verdammte Kohle und mach dir ein schönes Leben unter Palmen mit Cocktails, halbnackten Mädels und allem, was sonst so zu einem Leben ins Saus und Braus dazugehört.

Du willst das Leben der Reichen und Schönen? Kein Problem. Gründe ein Startup und verkauf es einfach an Mark! Kannst du das Geld schon riechen?

Denn wenn nicht, also wenn du wirklich auf die total hirnverbrannte Idee kommen solltest, ein Angebot vom guten Mark – nicht nur einmal, sondern gleich zwei mal (!) – ablehnen zu wollen, dann hast du gelitten, mein Freund. Aber so richtig. Doch noch viel schlimmer: Der Rest des Internets gleich mit.

Wie ich darauf komme?

Snapchat!

Mit Snapchat kann ich ja in etwa so viel anfangen wie der Papst mit ner 10er-Karte für’n Puff. Eben. Gar nix! Man kann Fotos und viel zu kurze Clips mit einer Lebensdauer von 24 Stunden erstellen, die man wiederum seinen Freunden senden oder seiner gottverdammten Story hinzufügen kann.

Story… Wenn ich diesen grenzdebilen Mist schon höre… Das Jahr ist nicht mal drei Monate alt und ich weiß jetzt schon, dass „Story“ mit absoluter Sicherheit das Unwort des Jahres wird. Alles, aber auch wirklich alles, hat nun so eine verkackte Story.

War sie anfangs noch das Alleinstellungsmerkmal von Snapchat, so wurde sie kurzerhand vom Hauptkonkurrenten Instagram kopiert. So weit, so gut. Geklaut wird überall. Das wissen wir spätestens seit den Samwer-Brüdern (StudiVZ) oder den Chinesen (so ziemlich alles, was es auf der Welt so gibt). Zumal beides ohnehin Bildernetzwerke sind. Damit kann ich ja wirklich noch gut leben.

»Doch nicht alle sind bei Instagram!«, hat sich der Herr Zuckerberg, CEO von Facebook, also auch Chef von Instagram, gedacht. »Also führen wir den „Status“ (das gleiche wie Stories; nur in grün) auch bei WhatsApp ein. Hauptsache, die Menschen melden sich bloß nicht bei Snapchat an!« Gesagt, getan. Nun können auch WhatsApp-Nutzer Stories posten.

Aber damit haben wir noch lange nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Erst im Messenger getestet, wurde nun letztendlich die Story-Funktion natürlich auch in Facebook integriert. Wie sollte es auch anders sein?

Wo soll das alles nur hinführen?

Was kommt als nächstes? Stories bei Netflix oder Spotify? Vielleicht auch in Word, PowerPoint und Excel? Sprießen in einer gewöhnlichen Altstadt Organic Burger-Läden und Shisha-Bars wie Pilze aus dem Boden, sind es im Internet diese verfluchten Stories.

Quelle: t3n Magazin @Facebook

Reicht es nicht, dass wir schon mittels Facebook-Statusmeldungen, Tweets, Bildern bei Instagram und schlag mich tot unserer Sucht nach Aufmerksamkeit frönen können? Brauchen wir jetzt, rein nach dem Matrjoschka-Prinzip, in jedem Netzwerk noch ein weiteres?

Stellt euch doch mal vor, wie viel Apps ich jetzt abklappern müsste, um mir all die Stories anzusehen und wie viele Uploads ich machen müsste, um überall ein und dieselbe Story hochzuladen? Das ist doch irre! Das wird doch zur Profession.

Und denk doch da einer nur mal an die armen Social Media Manager. Die sind doch alle jetzt burnoutgefährdet. Die erhängen sich doch jetzt reihenweise an ihren Flipcharts.

Hättet ihr doch nur verkauft!

Was spricht denn dagegen über Nacht zum Milliardär zu werden? Warum zur Hölle haben Robert „Bobby“ Murphy und Evan Spiegel nicht einfach Snapchat an Mark Zuckerberg verkauft? Dann wäre uns der ganze Driss erspart geblieben.

So geht Facebooks Kreuzzug gegen Snapchat munter weiter und Mark Zuckerberg führt sich weiterhin auf wie ein Ehrenmörder, dessen Liebe nicht erwidert wird. Überall wird irgendwas mit Stories gemacht, damit bloß niemand auf die Idee kommen kann, sich bei Snapchat anmelden zu müssen. Und wenn Snapchat in Zukunft eine neue Idee haben sollte, dann wird der gute Mark wahrscheinlich auch diese kopieren. Hauptsache Snapchat geht den Bach runter.

Ich werde dich knattern, Bobby!

Aber die wahren Opfer dabei sind nicht die Macher von Snapchat, sondern wir. Und vor allem der gesunde Menschenverstand, der statt (langer) Texte, Links zu Inhalten, mit denen man sich in irgendeiner Art noch beschäftigen musste, nun 10 Sekunden Clips mit dämlichen Stimmenverzerrern und Bambi-Filtern präsentiert bekommt.

Niveau und Anspruch waren ohnehin schon seit der Etablierung von Facebook, Twitter & Co. auf dem absteigenden Ast. Seit der Omnipräsenz der Stories wurde ein neuer Tiefpunkt erreicht. In diesem Sinne…

Danke für nix, Snapchat!

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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