Ein Haufen Heuchler seid ihr, hab ich gesagt!

Es ist mal wieder Zeit, sich unbeliebt zu machen.

Ich will mich bereits im Vorfeld für das Folgende entschuldigen, aber ich kann nicht anders. Es muss einfach mal gesagt werden! Zu häufig habe ich mir diesbezüglich auf die Zunge gebissen. Jetzt habt ihr es zu bunt getrieben. Also spitzt mal die Ohren, denn ich habe eine steile These für euch parat:

Einige (aber zum Glück nicht alle) Nutzer bei Twitter sind derart geil auf Likes, dass sie für eine gewisse Anzahl dieser wahrscheinlich anfangen würden, Schwänze zu lutschen! Aber ich will noch einen Schritt weiter gehen: Für so einen richtig geilen Toptweet, der es in irgendeine Zeitung oder vielleicht sogar ins Fernsehen schafft, würden viele von euch das Ejakulat sogar schlucken und leidenschaftlich gurgeln.

Jetzt ist es raus! Das hat verdammt gutgetan. Fühlt sich unheimlich befreiend an. Und keine Sorge, wenn ihr jetzt von mir oder meinen Worten ein wenig angeekelt seid. Das bringt mich nicht in Verlegenheit. Denn auch mir erging es nicht sonderlich anders, als ich eure Tweets zum Ableben des Linkin Park Frontmanns, Chester Bennington, gelesen habe.

Ihr seid ein Haufen Heuchler!

Es ist jedes mal dasselbe! Stirbt ein Promi, trendet er binnen kürzester Zeit bei Twitter. Das ist ja nichts Neues. Viele große Künstler kriegen erst post mortem die Anerkennung, die sie wirklich verdienen. Doch eure scheinheilige Grütze, die ihr nun zum Besten gebt, ist nicht zu ertragen.

Da werden Musikvideos, Lyrics oder Zitate geteilt, womit ich ja noch sehr gut leben kann, denn man will ja schließlich das Wirken bzw. die Werke des Künstlers honorieren. Geschenkt! Aber das jetzt einige hier so tun, als ob sie ihren Best Buddy oder ihren spirituellen Führer verloren hätten, geht wirklich eine Spur zu weit. Da berichten nicht gerade wenige, wie geschockt und fassungslos sie seien oder dass sie nun gar nicht nicht mehr mit sich weiter wüssten. Da wird so viel Drama gemacht und so dick aufgetragen, dass ich des Öfteren mit dem Gedanken gespielt habe, für den ein oder anderen User einen Rettungswagen zu rufen.

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Doch jetzt mal Hand aufs Herz: Ich unterstelle den meisten von euch, dass ihr bis zum Tode Chester Benningtons nicht mal wusstet, wie der Kerl eigentlich hieß – mich (als großen Linkin Park Fan) eingeschlossen. Denn für die breite Masse hießen die Sänger von Linkin Park: „Der Eine, der singt“ und „der Andere, der rappt“.

Und hört bitte auf, so zu tun, als ob ihr alles über sein Leben wusstet. Einen Scheiß habt ihr gewusst! Ihr wusstet nicht, wie viele Kinder er hatte (die ihr jetzt großzügigerweise in eure Gebiete mit einschließt) und ihr wusstet auch nichts von seinem Suchtleiden oder den Depressionen, unter denen er litt.

Aber trotzdem spielt ihr euch nun auf, als ob ihr die größten Szenekenner oder High-Society-Experten der Welt wäret. Das ist nicht nur immens billig, sondern zugleich extrem leicht zu durchschauen, da ihr dasselbe Verhaltensmuster bei jedem x-beliebigen Promi-Tod an den Tag legt. In der einen Woche habt ihr noch die Biografie von Helmut Schmidt geschrieben, in der anderen die von Roger Cicero, dann die von Guido Westerwelle, Helmut Kohl, Chris Cornell, etc.

Aber wie jeder weiß: Ein waschechter Twitterer ist sowieso ein Experte für alles!

Schon moralisch flexibel

Es ist schon lustig mit anzusehen, wie dieselben Menschen, die sonst keine Gelegenheit auslassen, die Sau durchs Dorf zu treiben, nun beginnen, einen auf Mutter Teresa oder Domian zu machen. Auf einmal werden, anstatt der üblichen Hetze, die Nummern sämtlichen Selbsthilfe-Hotlines geteilt. Niemand lässt es sich nehmen, altklug darauf hinzuweisen, dass eine Depression eine ganz normale Krankheit (wie z.B. Diabetes oder ein Herzleiden) und keine Charakterschwäche sei. Einfach nur scheinheilig!

Welcher Depp soll ich euch das Gehabe eigentlich abnehmen? Ist wirklich jemand so dumm zu glauben, dass ihr das alles lediglich dafür tut, um arme, verzweifelte Seelen zu retten? Vielmehr ist es doch so, dass ihr nichts Weiteres als opportunistische Arschgeigen seid, die auf Teufel komm raus unbedingt im Mittelpunkt stehen wollen. Dafür ist euch jedes Mittel und jeder recht Anlass – selbst der Tod eines Menschen.

Was wahrscheinlich nicht viele so sehen werden. Doch ich persönlich verurteile ein derartiges Verhalten zutiefst. Ich erachte so etwas als pietätlos. Echte Trauer: Absolut legitim! Aber sich künstlich aufspielen, nur um ein paar Likes mehr abzugreifen, halte ich für völlig daneben. Also lasst es, bitte!

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