Eine Sommerpause zum Abgewöhnen

Warum ich vorerst keine Sportnachrichten mehr verfolgen werde.

Die derzeitige Sommerpause ist die schlimmste aller Zeiten! Da lege ich mich fest.

Nicht, weil es keine WM oder EM gab. Damit kann ich ja leben, denn auch Fußball-Profis benötigen, trotz ihrer horrenden Bezahlung, ihren wohlverdienten Urlaub. Und es liegt auch nicht an dieser gähnenden Leere, die auf dem Transfermarkt herrscht. Viel eher stört mich die deutsche Sportpresse, die in Zeiten des Internets meint, immer irgendetwas Brandheißes und Exklusives raushauen zu müssen, obwohl es eigentlich nichts zu berichten gibt.

So werden die obskursten Gerüchte einem als News verkauft und aus jeder Mücke ein Elefant gemacht, was mich, gelinde gesagt, ziemlich nervt.

Beispiel 1: Ausnahmezustand in Hamburg

Der Hamburger SV kommt nicht mehr zur Ruhe. Erst den Aufstieg in quasi letzter Minute vergeigt, gehen die Fans nun reihenweise auf die Barrikaden.

Doch nicht wegen des anhaltenden sportlichen Misserfolgs, sondern weil sich im Volksparkstadion in Zukunft so einiges ändern wird. So wurde erst kürzlich die legendäre Stadionuhr abgebaut, und als wäre das nicht schon schlimm genug, hat man überdies noch beschlossen, dass man die langjährige Stadionhymne „Hamburg meine Perle“ ab der kommenden Saison nicht mehr spielen wird.

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Wie ihr euch denken könnt, schmeckt das einigen HSV-Fans gar nicht, weswegen es binnen kürzester Zeit zu unzähligen Fan-Protesten kam. Es wurden sogar bitterböse Online-Petitionen gestartet, nur um Lotto King Karls Kult-Song zu retten, denn – ich zitiere – man lässt sich nicht alles nehmen!

Ihr merkt: In der Hansestadt geht es drunter und drüber. Das Hamburger Abendblatt spricht sogar von einer Mega-Debatte. Meine Damen und Herren, ich denke, ich neige nicht zu übertreiben, wenn ich prognostiziere, dass wir ein zweites Sodom und Gomorrha zu erwarten haben. Der G20-Gipfel war erst der Anfang. Was auf uns zukommt, wird alles Dagewesene in den Schatten stellen. #WachtAuf

Live-Bilder aus Hamburg

Aber jetzt mal genug das Hamburger Abendblatt gehänselt…

…stattdessen gibt es nun mal ein paar Zahlen und Fakten: Der Hamburger SV hat 87.931 Mitglieder. Damit ist er, by the way, der siebtgrößte Verein der Bundesliga.

Was meint ihr? Ab wie vielen aufgebrachten Fans wird im modernen Sportjournalismus von einer Mega-Debatte gesprochen? 1.000, 5.000 oder 10.000 vielleicht?

Weit gefehlt! Es reichen 789 Unterzeichner! Ursprünglich wollte man 10.000 Fans mobilisieren.

Ziel knapp verfehlt.

Aber ich will ja fair bleiben: Es gab ja noch eine weitere Online-Petition. Die wollen wir ja nicht unter den Tisch kehren.

Glückwunsch! Zweistelligkeit erreicht!

Dann sind wir sogar schon bei 799 Menschen in 14 Tagen. Wer weiß, vielleicht kriegen wir im Laufe des Jahres sogar die Tausend voll. #ToiToiToi

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Beispiel 2: Bayerns 739-Spieler-Kader

Seit geraumer Zeit befindet sich der FC Bayern im Umbruch. Die Defensive steht, jetzt fehlen nur noch ein Sechser und ein, zwei Flügelspieler. Dabei scheint es wohl unzählig viele potenzielle Kandidaten zu geben, denn nahezu jeder Spieler, der über zwei Beine verfügt, atmet und mehr oder minder geradeaus laufen kann, wird dieser Tage mit dem deutschen Rekordmeister in Verbindung gebracht.

Wen hatten die Münchner nicht schon alles auf dem Zettel? Hakim Ziyech, Steven Bergwijn, Mario Mandzukic, Kai Havertz, Yannick Carrasco, Dembele, Leroy Sané und schlag mich tot. Da kommt man doch gar nicht mehr hinterher.

Der FCB-Kader 2019/20

Insbesondere das Gezerre um Manchesters Leroy Sané scheint dabei ein gefundenes Fressen für die Sportjournalisten zu sein, denn es vergeht kein Tag, an dem es nicht etwas über den 23-jährigen Flügelflitzer zu lesen gibt. Mal äußert sich Pep Guardiola, dann Karl-Heinz Rummenigge, früher oder später wird sich bestimmt auch noch Sanés Friseur zu Wort melden. Hauptsache es gibt ein weiteres Transfer-Update!

Dabei haben alle Meldungen eines gemein: Es gibt eigentlich nichts Neues zu berichten! Ein ewiges Hin und Her, niemand möchte etwas Konkretes sagen, und zum Schluss ist man genauso schlau wie zuvor. Einfach nur nervig. Ich persönlich kann mit diesen zig Wasserstandsmeldungen gar nix anfangen.

Nicht mehr ernst zu nehmen!

Der deutsche Sportjournalismus tut sich keinen Gefallen damit, jede noch so unbedeutende Nichtigkeit künstlich aufzublähen. Quasi jeder Mist wird einem als Sensation, Katastrophe, Highlight oder Pipapo verkauft. Wer soll das noch ernst nehmen?

Beispiel Hamburg: Mega-Debatte!?! Was ein Schwachsinn! Völlig an den Haaren herbeigezogen. Wir reden hier von 789 Leuten auf der einen Plattform und zehn auf der anderen. Was ist denn daran mega? Als unsere Stadthure, Brigittchen, gestorben ist, hat das mehr Leute interessiert. Über die Dame hat sogar mal n-tv berichtet.

Koblenz: Stadt der Helden

Und mit den Transfer-News will ich gar nicht erst anfangen. Absoluter Kokolores! Nicht mehr als Kaffeesatzleserei. Da werden die dubiosesten Quellen angezapft und die unwichtigsten Leute befragt, Hauptsache man hat ratzfatz eine neue, exklusive und brandheiße Meldung parat, die man raushauen kann. Doch was kommt letztendlich raus? Nichts!

Deshalb gebe ich auf Transfer-Updates inzwischen gar nichts mehr. Ich warte einfach ab, bis die Tinte trocken ist – und gut ist!

Welche Themen gehen euch auf den Senkel?

Das waren nur zwei Beispiele von vielen. Ich empfand z.B. auch die Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen mehr als grenzwertig und ich will auch nicht mehr lesen müssen, was der Fußball von anderen Sportarten lernen kann.

Doch was meint ihr? Seid ihr auch der Meinung, dass es momentan ein wenig anstrengend ist, Sportnachrichten zu lesen oder seht ihr die Sache komplett anders als ich? Ich bin auf euer Feedback sehr gespannt.

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2 Comments on “Eine Sommerpause zum Abgewöhnen

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