FIFA, du vergraulst dir deine alten Fans!

FIFA 19: Mehr Sammelkartenspiel als Fußballsimulation

Alte Schwächen, wenig Neues und ein Karrieremodus, der nicht spielbar ist: Electronic Arts setzt bei FIFA 19 hauptsächlich auf FUT und könnte damit vor allem seine alten Fans vergraulen.

Die meisten Games spiele ich am liebsten online, doch FIFA nicht. Das hat gleich mehrere Gründe, die allesamt nichts Neues sind.

Hatte beispielsweise bereits FIFA 09 mit starken Verbindungsproblemen zu kämpfen, sieht es beim neusten Ableger nicht sonderlich besser aus: Viele Käufer klagen über Input Lags, welche ein kontrolliertes Spielen nahezu unmöglich machen, und nach wie vor ruckelt so ziemlich jede dritte, vierte Online-Partie dermaßen heftig, dass sie zur sogenannten „Wutprobe“ wird.

Die FIFA-Server im Einsatz.

Auch nicht gerade schonend für die Nerven: Trollende Kinder. Diese könnte man zwar spielend leicht in die Schranken weisen, doch EA scheint daran nur wenig Interesse zu haben, weswegen ein typisches Online-Match seit jeher in etwa so aussieht:

Der Gegner guckt sich jede einzelne der zig Videosequenzen oder Wiederholungen geduldig an, nach Toren wird so lange wie möglich gejubelt, Einwürfe werden ein Dutzend mal angetäuscht, Standards werden erst nach Jahrhunderten ausgeführt und mit dem Optionsmenü werden Späßchen getrieben. Alles nur mit dem Ziel, dich aus der Lobby zu ekeln. Hauptsache die drei Punkte sind im Sack! Ihr könnt euch vorstellen: Da kommt so richtig Freude auf!

Meine Gegner bei FIFA.

Aufgrund dieser und ein paar anderer Dinge konnte mich bislang kein einziges FIFA langfristig an einen der Online-Modi binden. Habe ich meine 20, 30 Partien absolviert, ist in aller Regel meine Motivation auch passé.

Doch zum Glück gibt es den Karrieremodus!

Einen Zweitligisten an die Spitze Europas führen, den nächsten Ronaldo entdecken, den fünften Stern für Deutschland holen, usw. Dafür, meine Freunde, spiele ich FIFA! Ein gescheiter Online-Modus wäre zwar eine feine Sache, jedoch in meinen Augen ist der Karrieremodus das eigentliche Herzstück eines jeden FIFA-Ablegers. Ist dieser halbwegs gelungen, bin ich zufrieden – vor allem, da ich persönlich mit dem Rest ohnehin nur relativ wenig anfangen kann.

The Journey zum Beispiel: Das, was uns EA hier als „Story-Modus“ verkaufen möchte, ist lachhaft. Eine derart lieblos inszenierte Kampagne kriegt man nicht alle Tage geboten – erstrecht nicht bei einem Vollpreisspiel. Oder Football Ultimate Team: Meiner Meinung nach absoluter Kinderquatsch! Leute, wenn ich wie ein sexloser Sonderling Sammelkartenspiele zocken möchte, brauche ich doch dazu keine teure PlayStation, geschweige denn eine Fußballsimulation?! Da gehe ich doch lieber in den nächsten Geek-Shop und komme mit einem „Dimmu Borgir“-Shirt plus einem Deck Magic-Karten wieder raus.

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Keine Frage, alles natürlich reine Geschmacksache, jedoch ist für mich ein neues FIFA gleichbedeutend mit 15 langen Jahren Karrieremodus. Daran habe ich Freude. Mehr brauche ich nicht, um jeden verdammten Herbst 60€ auf den Tisch zu legen, obschon man – so ehrlich muss man sein – häufig nicht mehr als ein Kader-Update zum Vollpreis geboten bekommt. Wohlgemerkt ein Kritikpunkt, der alle Jahre wieder in so ziemlich jedem Testbericht genannt wird. Doch damit kann ich leben. Ich bin ein genügsamer Kunde.

Aber alles hat seine Grenzen

Wie ihr wahrscheinlich schon rausgelesen habt, kann ich einem FIFA so einiges verzeihen: Ein Onlinemodus, der bereits seit einer Dekade nicht gescheit funktioniert? Okay. Eine grottige Kampagne? Kann ich mit leben. Keine Neuerungen im Managermodus? Jo, wenn es sein muss. Ein Karrieremodus, der aufgrund eines Bugs nicht spielbar ist?

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Ja, ihr habt richtig gelesen! Der Karrieremodus ist – traurig, aber wahr – seit Wochen aufgrund eines Bugs nicht zu gebrauchen. Denn egal, wie viele individuelle Trainingseinheiten ihr mit euren Talenten auch machen werdet, sie werden dadurch nicht besser. Also mein Tipp: Spart euch das Geld für Wunderkinder wie Matthijs de Ligt oder Yann Karamoh, kauft euch stattdessen Granaten wie Ömer Toprak oder Patrick Hermann. Davon werdet ihr mehr haben.

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Spaß bei Seite: Natürlich kann das die Lösung nicht sein, denn so macht der Karrieremodus überhaupt keinen Sinn, weswegen ich erst dann wieder weiterspielen werde, wenn der Bug gefixt ist. Kann ja nicht allzu lange dauern. Immerhin reden wir hier von einem der beliebtesten Spielmodi von FIFA.

Pah! Denkste!

Kaum zu glauben, aber wahr: Der Bug existiert seit dem Patch 5, welcher am 6.12. veröffentlich wurde. Keine zwei Wochen später, am 19. Dezember, kam ein weiteres Update heraus. Wurde der Fehler behoben? Nö! Weiß Electronic Arts von dem Problem? Ja!

Bei so einem derart hilfreichen Statement kann man schon verstehen, dass EA Wochen gebraucht, um zu reagieren.

Stattdessen hat man sich in Patch 6 hauptsächlich der Verbesserung von Football Ultimate Team gewidmet, was uns zum eigentlichen Problem der neuen FIFA-Ableger führt.

Electronic Arts Geldgier

Man kann EA einiges ankreiden, einen mangelnden Geschäftssinn jedoch nicht. Geben sich die meisten anderen Publisher mit einmaligen Erlösen aus dem Vertrieb der Videospiele zufrieden, will Electronic Arts viel lieber das ganze Jahr über Kohle scheffeln.

Hier kommen die häufig kritisierten Mikrotransaktionen ins Spiel. Das sind kleine Beträge, die man jederzeit in sein Lieblingsspiel investieren kann, aber nicht muss. Konnte man beispielsweise in Battlefront II für „Lootboxen“ sein Taschengeld opfern, werden in FIFA 19 „Kartenpacks“ für Football Ultimate Team angeboten. Wie ihr euch vorstellen könnt, eine Gelddruckmaschine, mit der man weit mehr verdienen kann als mit dem eigentlichen Titel.

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Diese Gelddruckmaschine muss selbstverständlich immer weiterlaufen. Von morgen bis abends, 24/7, das ganze Jahr. Ein Tag, an dem die Kunden kein Geld in FUT investieren können, ist für EA ein Desaster. Daher ist es auch naheliegend, dass der Modus absolute Priorität genießt und allem anderen übergeordnet ist – wie wir z.B. am Karrieremodus sehen.

EA macht seine eigenen Spiele kaputt!

Dass Electronic Arts mit seiner überambitionierten Geschäftstüchtigkeit den Bogen maßlos überspannt, ist kein Novum. War beispielsweise Battlefront eines der beliebtesten Games der letzten Jahre, ist der Nachfolger ein absoluter Misserfolg. Zu sehr war der Shooter mit den Lootboxen verzahnt, sodass die Fans dem Shooter fern blieben – selbst nachdem die Pay2Win-Mechaniken komplett aus dem Spiel entfernt wurden.

Es hätte so schön werden können, aber EA musste sein eigenes Game versauen. Schade.

Ein Schicksal, welches auch FIFA ereilen könnte, denn so ziemlich alles in der Fußballsimulation dreht sich ausschließlich um FUT, da man erneut mit Mikrotransaktionen Kasse machen möchte.

Spieler, die darauf keinen Bock haben, gehen infolgedessen leer aus: FIFA 19 hat kaum nennenswerte Neuerungen, Spielmodi wie  der Karrieremodus oder The Journey werden stiefmütterlich behandelt und wenn sich nicht gescheit funktionieren, dann juckt das Electronic Arts auch nur wenig.

Man muss sich das mal vor Augen führen: Seit bereits vier Wochen ist der Karrieremodus quasi unspielbar und EA hat nichts unternommen. Das ist schon krass!

Doch, EA, ich will eine Warnung aussprechen!

Wie die Vergangenheit zeigt, sind eure alten Fans überaus treu, wenn nicht sogar treudoof. Die verzeihen euch so ziemlich alle Sperenzchen, Hauptsache sie können halbwegs gescheit Fußball auf der Konsole zocken. Das sollte ja nicht zu viel verlangt sein.

Haltet ihr es tatsächlich für intelligent oder zukunftssicher, auf Kinder zu setzen, die zwar heute noch ihr Taschengeld für Mikrotransaktionen aus dem Fenster werfen, aber euch dafür beim nächsten großen Trend (wie z.B. Fortnite) im Regen stehen lassen?

Ich weiß ja nicht.

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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