From Zero to Hero – und wieder zurück!

Nicht jeder, der Sensationelles leistet, wird dadurch zwangsläufig auch zum Top-Trainer. Die meisten bleiben One-Hit-Wonder.

Als Trainer hast du es nicht leicht. Bleibt der Erfolg aus, wird dein Kopf höchstwahrscheinlich als erstes Rollen. Naheliegend: Ein Coach ist nun mal schneller getauscht als zwei Dutzend Spieler. So läuft das Geschäft. Das ist nichts Neues.

Und naturgemäß stehen in aller Regel (bereits während du noch im Amt bist) schon gleich mehrere Heilsbringer parat, die es selbstverständlich allesamt besser machen werden, als du es jemals getan hast. Logo! Der eine ist nämlich bei Klub A außerordentlich erfolgreich, der andere hat es sogar geschafft, Klub B von der Kreisklasse bis an die Spitze Europas zu führen, usw. Was gibt es denn da noch zu diskutieren? Der Trainer muss weg, besser gestern als heute, wenn es doch so ein Überangebot an vielversprechenden Kandidaten gibt.

Jedoch will ich, selbst wenn es niemand hören möchte, an dieser Stelle zur Vorsicht mahnen.

DENN EINMAL IST KEINMAL!

Es gibt diese Trainer, die kommen quasi aus dem Nichts und von jetzt auf gleich werden sie bei den größten Klubs Europas gehandelt. Erik ten Hag wäre ein wunderbares Beispiel dafür. Hat vor zwei Jahren noch kein Hahn nach dem Niederländer gekräht, gilt er nun (nach lediglich einer einzigen gelungenen Saison/Station) als einer der besten Trainer, die der Markt zu bieten hat. Das ist Wahnsinn. Das ist too much, liebe Leute.

Erik ten Hag: Der Wunschtrainer einiger Bayern-Fans.

Und nein, es liegt mir fern, ten Hags Erfolge klein reden zu wollen oder ihm sein auf der Hand liegendes Trainer-Talent abzusprechen. Ich bitte lediglich darum, die Kirche im Dorf zu lassen.

Denn ja, was er bei Ajax geleistet hat, verdient allen Respekt. Das sollte außer Frage stehen. Allerdings wirst du doch durch eine einzige Top-Leistung, noch lange nicht zum Top-Trainer – geschweige denn zum Erfolgsgaranten.

Dafür gab es mir in der Vergangenheit zu viele, die an der einen Wirkungsstätte Unglaubliches vollbracht haben, nur um andernorts, mal für mal, kläglich zu scheitern.

Peter Bosz

Leverkusens derzeitiger Trainer ist nicht nur ein Landsmann ten Hags, er hat auch einen ähnlichen Werdegang.

Peter Bosz war in der Spielzeit 2016/17 der Mann der Stunde, als er Ajax Amsterdam (damals eine Horde talentierter Jugendspieler) ins Finale der UEFA Europa League führte, wo man letztendlich gegen das übermächtige Manchester United den Kürzeren zog. Dieser Geniestreich blieb natürlich nicht unbemerkt. Prompt hatte er einen Zweijahres-Kontrakt bei den Borussen aus Dortmund in der Tasche.

Das Bild muss vor dem zehnten Spieltag entstanden sein.

Der Rest ist Geschichte: Noch vor der Winterpause wurde dieser durch ein anderes One-Hit-Wonder, Peter Stöger, ersetzt. Der Ruf als aufstrebender Super-Trainer war ruiniert. Wenn ich Leverkusens gegenwärtige Leistungen so beobachte, wird sich daran auch nichts mehr ändern.

Läuft… (Quelle: kicker.de)

Roberto Di Matteo

Der Italiener gewann mit dem FC Chelsea eher schlecht als recht, im berüchtigten Finale Dahoam, die UEFA Champions League, woraufhin es für ihn steil bergab ging.

Zuerst wurde er in London gefeuert, weil man als Titelverteidiger (bereits in der Vorrunde der Königsklasse) ausschied. Auf Schalke folgte dann das nächste Desaster. Dort hielt er nicht mal eine Saison durch. Seit 2016 coacht er Aston Villa.

War echt ne schlaue Idee, Jens Keller rauszuwerfen. Ehrlich…

Julen Lopetegui

Vor der Weltmeisterschaft 2018 in Russland galten die Spanier als einer der großen Titelfavoriten. Naheliegend: In der Qualifikation spielte man nicht nur hervorragenden Fußball, man blieb zudem unbesiegt.

Dies änderte sich allerdings mit dem Rauswurf Lopeteguis, welcher seinen Kontrakt zuerst um zwei weitere Jahre verlängerte, nur um dann kurze Zeit später eine Ausstiegsklausel zu ziehen. Frei nach dem Motto: Warum die spanische Nationalmannschaft trainieren, wenn es auch Real Madrid sein darf?

„Der, der zwei Hasen jagt, lässt einen zurück und verliert den anderen.“ (Indianisches Sprichwort)

Hätte er das mal sein gelassen: Bereits im Oktober haben die Madrilenen ihren Wunschtrainer vor die Tür gesetzt. 14 Punkte aus 10 Spielen waren wohl einfach zu wenig.

Der nächste Job ließ nicht lange auf sich warten: Heute coacht er den FC Sevilla. Das ist zwar kein schlechter Klub, jedoch, gemessen an den vorherigen Stationen, ein krasses Downgrade.

André Schubert

Nach fünf Partien ohne Punktgewinn wirft Lucien Favre das Handtuch. André Schubert übernimmt. Dem gelingt auf Anhieb etwas für die Geschichtsbücher: Sechs Spiele, sechs Siege. Damit stellte er Willi Entenmanns Debütanten-Rekord ein. Ferner qualifizierte er sich mit den Fohlen für die UEFA Champions League. Ein modernes Fußballmärchen.

Schade eigentlich. Ich mochte ihn.

Ein Jahr später war dieses jedoch schon zu Ende erzählt: Nach nur einem Sieg aus elf Ligaspielen gab die Borussia Schubert den Laufpass. Danach ging’s zu Braunschweig, dann zu Kiel. Gegenwärtig ist er arbeitslos. #LifeSucks

Jürgen Klinsmann

Ich persönlich werte den dritten Platz beim sogenannten Sommermärchen (ABSOLUTES UNWORT!!!) zwar nicht so hoch, aber das soll jeder für sich selbst entscheiden. Manch einer will mir ja weiß machen, wir hätten einen tollen Fußball gezeigt und hätten reelle Titelchancen gehabt. Ich habe davon nichts gesehen.

Geh doch zu Hause…

Wie dem auch sei: Nach seinem Rücktritt kehrte er heim zum FC Bayern, wo er als Spieler bereits aktiv war. Dort performte er allerdings so mies, dass es Udo Lattek Tränen in die Augen trieb. Infolgedessen ging’s in die USA, wo er den Fußball auf ein neues Level heben wollte. Das funktionierte so gut, dass er heute bei RTL als TV-Experte arbeitet.

Worauf ich letztendlich hinaus möchte…

Ich bin nicht per se gegen eine Verpflichtung ten Hags oder anderer aufstrebender Trainer. Ich bin nur dagegen, sofort einen Hype loszutreten, sobald jemand eine Station mal (halbwegs) erfolgreich trainiert hat. Das ist zwar schön und gut, doch ein Top-Trainer bist du dadurch lange noch nicht. Denn One-Hit-Wonder gibt es im Trainergeschäft zu genüge, wohingegen Dauerbrenner, wie Klopp, Guardiola, Heynckes, Favre und wie sie alle heißen mögen, die Seltenheit sind. Allesamt waren sie an mehreren Stationen erfolgreich.

Bitch, ich habe zwei Abstiegskandidaten nach Europa geführt und war auch in Servette, Zürich, Nizza und Dortmund erfolgreich.

Was nun im Speziellen aus Erik ten Hag letztendlich wird, wird die Zeit zeigen. Bislang sieht das alles ja sehr vielversprechend aus.

Erik Ten Hag Eth GIF by AFC Ajax - Find & Share on GIPHY

By the way: Ein kompetenter Trainer ist bei weitem noch kein Erfolgsgarant, sondern lediglich ein Baustein. Darüber scheinen sich wohl die Wenigsten bewusst zu sein. Es ist naiv zu glauben, dass einzig die Verpflichtung eines prestigeträchtigen Coaches reicht, um Titel um Titel einzuheimsen. Dazu gehört schon deutlich mehr. Ich sage nur: Carlo Ancelotti beim FC Bayern.

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