GNTM – Das Crystal Meth des Fernsehens

Du willst nicht, aber kannst nicht anders.

Wie konnte es nur soweit kommen? Ich meine, ich halte mich ja schon für so einen richtigen Kerl. Ja, sogar nahezu für ein wandelndes Klischee. Ich stehe auf Fußball, Videospiele, Grillen, Bier, Horrorfilme, … Bei uns Zuhause kümmere ich mich um die Technik, die Autos, bin für das Töten der Spinnen zuständig, … Herrje, was ist nur passiert?!

Ich meine, okay, ich gebe es zu …

Es ist nicht das erste Mal.

Damals, 19 Jahre alt und temporär arbeitslos, trank ich zum Start in den Tag, jeden Mittag nach dem Aufstehen, mit meiner Mutter Kaffee. Täglich zur gleichen Zeit lief auf ARD Sturm der Liebe – die Lieblingstelenovela meiner Mom.

Und kommentierte ich anfangs noch bei jeder Gelegenheit spöttisch diesen armselig produzierten und noch viel schlechter geschauspielerten Einheitsbrei, der nicht nur flach, sondern auch vorhersehbar war, weil die Zielgruppe bei zu viel Spannung Gefahr laufen könnte, vorm Fernseher einen Herzkasper zu bekommen, fragte ich mich immer häufiger, was der gute alte Alfons so machen würde. Wird Xaver jemals erwachsen? Hat die Liebe von Alexander, dem gutbetuchten Hotelier, und der aus einfachen Verhältnissen stammenden Laura eine Chance? Oder wird der geldgierige Werner, Alexanders vermeintlicher Vater, ihr Glück zu verhindern wissen?

Fragen über Fragen… und auf jede bekam ich – Gott sei Dank! – früher oder später eine Antwort. Doch die Welt war noch lange nicht gerettet, denn es kamen stetig neue Intrigen, Mysterien als auch Schicksalsschläge auf mich und meine neuen Freunde am Fürstenhof zu.

Ich kann nicht mehr aufhören zu gucken!!!

Es war ein schleichender Prozess. Doch spätestens, als ich auch ohne meine Mutter anfing, Sturm der Liebe weiterzuschauen, merkte ich, dass ich in die Trash TV-Falle getappt war. Nein, sogar noch viel schlimmer: Ich war „Sturm der Liebe“-süchtig! Hängengeblieben, wie auf schlechten Drogen. So wie ein Junkie seinem nächsten Schuss entgegenfiebert, dürstete es mich nach dem nächsten Eklat am Fürstenhof.

Aber auch das ging zum Glück früher oder später wieder vorbei. Paar Monate und hunderte Folgen später, trat ich einen neuen Job an und anstatt mittags fernzusehen, musste ich wieder raus in die richtige Welt. Eine Welt ohne Intrigen, Machtspielchen und Skandale. Es war schrecklich. Aber ich habe es geschafft. Jahrelang war ich clean, hielt mich fern vom Trash-TV, doch kam…

Das große Umstyling!

Lena Gercke gehört zu meinen absoluten Traumfrauen. Und wäre meine Freundin nicht so besitzergreifend, dann dürfte unser Lenchen auch gerne zu uns in Juris Palast der Liebe ziehen. Doch meine Freundin teilt nicht gern. Das ist zwar ein wenig egoistisch, aber das muss ich wohl oder übel akzeptieren.

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Wie dem auch sei, Germany’s next Topmodel läuft schon seit 2006 im deutschen Fernsehen und ich habe es immer geschafft, mich davon fernzuhalten. Der Donnerstagabend stand seit jeher im Zeichen der Europa Leauge. Wie gesagt, ich bin ja ein richtiger Kerl. Und ein richtiger Kerl steht auf Fußball, Bier, Pizza und alles, was so dazugehört.

Doch eines Tages, da waren wir donnerstags nicht Zuhause, sondern bei meiner großen Schwester zu Gast. Und dort habe ich, ganz im Gegensatz zu unserer Wohnung, kein Mitspracherecht, wenn es um’s Fernsehprogramm geht. Da wird Castingshow für Castingshow geguckt und natürlich wird sich bei meiner Schwester auch Germany’s next Topmodel reingepfiffen.

Anfangs war ich wirklich genervt

»Mädels, können wir uns nicht irgendwas Anderes angucken?!«
»Nein.«
»Bitte!«
»NEIIIIN!!!«
»Okay…«

Und so war ich Heidi Klum schutzlos ausgeliefert. Vor meinem inneren Auge sah ich sie schon diabolisch, in einer tinnitusartigen Frequenz, lachen: »Hihihihi… Jetzt kriege ich auch dich, Juri!« Und ähnlich wie bei einer Geiselnahme oder einer Entführung, arrangierte ich mich ziemlich zügig mit der Situation und begann mit meinem Peiniger zu kollaborieren.

Spottete ich zuallererst noch, wie scheiße die Sendung doch war, fiel mir Lynn – eine der Kandidaten – auf. »Wie redet die denn? Was ist denn das für ne Sprache? Ist das asozialisch?« Erstmal den Gedanken getwittert, merkte ich, dass die anderen Mädels (!) das auch so sehen. Aber was ist das denn auch für ein Spruch? »Ich mach‘ mir doch keine verfickte Kurzhaarfrisur!« HALLOOOO?! Das Ghetto hat angerufen. Es will seine Lynn zurück!

Ohnehin fragte ich mich, warum die Mädels sich beim „großen Umstyling“ immer so aufführen müssen. Selbst ich weiß, dass das Staffel für Staffel ein fester Bestandteil der Sendung ist und ich habe keine davon gesehen. Haben die gedacht, die seien so special, etwas Besonderes? Nein! Nur eine kann Germany’s next Topmodel werden und nur eine kann auf’s Cover der Cosmopolitan.

By the way will ich noch anmerken, dass Heidi, Michael wie auch Thomas sowieso mehr Plan haben, was euch steht, Mädels. Oder habe ich unrecht, Carina? Mussten wir uns jetzt wegen der Spitzen so anstellen? Hmmm?

Und es war wieder geschehen!

Ich war wieder in die Trash TV-Falle getappt, Heidi Klum und ihren Schergen hilflos ausgeliefert. Doch zu meiner Verteidigung: Germany’s next Topmodel ist auch wie Crystal Meth. Einmal probiert, bist du sofort abhängig und es zermartert dir die Birne.

Kotzt du am Anfang noch rum, wie behämmert diese Sendung doch ist, beginnst du kurze Zeit später mit den ersten Mädels zu sympathisieren und im nächsten Zickenkrieg – Und ja, der wird kommen! – weißt du schon, zu wem du halten wirst. #TeamCarina #TeamSabine #GretaDuBistNeBitch

Bei GNTM kriegt man nicht nur etwas für’s Auge, man kriegt Drama.

Also Jungs, …

haltet euch Donnerstagabends von Pro7 fern. Guckt weiterhin Euro League, selbst wenn sie nur die Champions League für Arme ist. Zappt nicht mal in der Halbzeit rüber!

Denn einmal den Topmodels auf den Leim gegangen, fragst du dich kurze Zeit später, wann Serlina endlich aus sich rausgehen wird? Bekommt Leticia heute vielleicht endlich ihren ersten Job? Schafft es Sabine, jetzt wo Greta weg ist, sich besser ins Team zu integrieren? Und hat Heidi für Dauerwackelkandidatin Giuliana noch ein weiteres Foto oder muss sie heute die längst überfällige Heimreise antreten?

Wir werden sehen. Heute Abend, 20:15 auf Pro7, geht es ja weiter. Dann wird’s Zeit für meinen nächsten Schuss.

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