GoT: Ein gelungenes Finale?

Das große Finale von Game of Thrones steht in der Kritik! Zurecht? Mein Review zur achten Staffel.

Acht Staffeln, zig Millionen Zuschauer, sage und schreibe 47 Emmys bislang… Halten wir es kurz: Game of Thrones ist die kommerziell erfolgreichste Serie aller Zeiten. Meiner Meinung nach zurecht! Es gab in der Vergangenheit nur wenige Produktionen, die über so viele Jahre hinweg durchgängig überzeugen konnten (spontan fällt da mir eigentlich nur 24 ein) und nicht umsonst hat es die Serien-Adaption von George R. R. Martins Romanreihe Das Lied von Eis und Feuer in meinem letzten Serien-Ranking relativ weit nach oben geschafft.

Doch ihr kennt das Netz: Wo der Hype sehr groß, da sind die pedantischen Kritiker nicht weit. Die einen beschweren sich über das zügige Tempo der finalen Staffel, die anderen halten die Entwicklung von Daenerys Targaryen für unglaubwürdig.

Dabei sitzt der Frust einiger Fans sogar derart tief, dass es inzwischen auf Change.org eine Petition gibt, die sich dafür einsetzt, dass die achte Staffel neugedreht werden soll. Beinahe anderthalb Millionen Unterzeichner hat diese bislang. Jedoch wenn man sich die Produktionskosten der Serie so anschaut (15 Mio. US-Dollar pro Folge), dann kann man sich denken, dass das höchstwahrscheinlich nicht geschehen wird.

In meinem Review zur finalen Staffel möchte ich auf die meist genannten Kritikpunkte eingehen. Wo ich den enttäuschten Fans recht gebe und wo nicht, lest ihr im folgenden Beitrag.

Raum für mehr wäre da gewesen

Der TV-Kritiker Erik Adams hält die Geschichten aller Figuren für zu Ende erzählt. Ich kann dem nur bedingt zustimmen.

Nachdem Daenerys in Episode 5 Königsmund in Schutt und Asche gelegt hatte, hätte sich der Norden beispielsweise gegen die neue Herrscherin erheben können. Das wäre nicht abwegig gewesen und hätte für genügend Stoff für weitere Staffeln gesorgt. Andere Szenarien wären natürlich auch denkbar gewesen.

Wir wissen aber auch nicht, was hinter den Kulissen geschehen ist!

Schauspieler sind keine Leibeigenen. Wenn z.B. die Hauptdarsteller nicht mehr wollen oder die Gagen explodieren, ist es sogar tatsächlich ratsamer, die Serie rechtzeitig enden zu lassen. Wer will schon ein Game of Thrones, bei dem wir uns in den letzten Staffeln ein weiteres Mal an neue Charaktere gewöhnen müssen? Niemand!

Ohnehin vertrete ich eh die Meinung, dass es noch keiner Serie gut getan hat, den Großteil oder gar den kompletten Cast von jetzt auf gleich auszutauschen (Paradebeispiel: Misfits).

Eilmeldung: Game of Thrones geht doch weiter! Neuer Cast für Staffel 9 bestätigt.

Dennoch bleibt festzuhalten: Werden nicht gerade wenige Serien, aufgrund ihrer Beliebtheit, unnötig in die Länge gezogen, so hat man bei Game of Thrones schon ein wenig das Gefühl, dass es noch problemlos hätte weitergehen können. Ich hätte mich jedenfalls nicht darüber beschwert. 😉

Ein Westeros im Taschenformat?

Einst erschien mir Westeros relativ groß, gegen Ende hin wirkte die Welt von Game of Thrones schon ziemlich klein.

Ich erinnere mich z.B. daran, dass Jamie und Brienne in Season 3 eine komplette Staffel vom Norden bis in die Hauptstadt gebraucht haben. Vielleicht sind die beiden aber auch nur verdammt langsam gen Süden spaziert? Immerhin hat Jon in Staffel 7 für eine ähnliche Distanz nicht mal einen Wimpernschlag gebraucht. Hatte er noch soeben den Nordmännern verklickert, dass sie auf Daenerys Hilfe angewiesen sind, stand er eine Szene später bei ihr auf der Türmatte.

Lange Rede, kurzer Sinn…

In den letzten beiden Seasons wurde das Erzähltempo deutlich angezogen.

Des einen Freud, des anderen Leid: Werfen GoT-Puristen nun den Produzenten vor, dass sie die Serie, auf Teufel komm raus, so schnell wie möglich zu Ende bringen wollten, sehe ich das ehrlich gesagt komplett anders. Ich persönlich empfand das Tempo der letzten beiden Staffeln nicht nur als enorm angenehm, sondern auch als durchaus angemessen.

Was hätten uns lange Reisewege zum Finale hin denn gebracht?

Wir kennen doch sowieso jeden der Charaktere in- und auswendig. Jede der Figuren hat ihre Entwicklung schon vor langem hinter sich gebracht.

Logo, dass die Macher der Serie Jamie und Brienne eine ganze Staffel für ihre Reise eingeräumt haben. Wir sollten ja auch Zeuge von Jamies Wandlung (vom kindermordenden Königsmörder zum Good Guy) werden. Doch warum sollte ich jetzt, Jon beim Segeln zugucken? Benötige ich tatsächlich eine Folge, in der Daenerys mit ihrem Gefolge vom Süden in Norden tuckert? Wozu?!?

Des Weiteren ist Folgendes festzuhalten: In den ersten Staffeln wurden die Probleme Westeros‘ hauptsächlich mittels Diplomatie gelöst, zum Schluss war aber die Zeit der Schwerter angebrochen. Dass ein Krieg deutlich actionreicher dargestellt wird als eine Hofintrige, halte ich für naheliegend.

Zudem will ich es mir nicht nehmen lassen, zu betonen, dass im Speziellen die Schlachten der beiden letzten Staffeln hervorragend in Szene gesetzt wurden. So etwas kennt man doch eigentlich nur aus dem Kino respektive von Peter Jacksons Der Herr der Ringe. Etwas Vergleichbares gab es als Serie noch nie.

Dany, bist du es wirklich?

Ich habe es schon damals in Mereen gesagt: »Daenerys Targaryen ist schlimmer als Hitler!«

Eine Aussage, für die ich immer wieder schräg angeguckt wurde. Jedoch auch eine, mit der ich recht behalten sollte. Denn die Mutter der Drachen, Sprengerin der Ketten und schlag mich tot ist für den größten Völkermord verantwortlich, den Westeros jemals gesehen hat. Nicht mal Cersei, Joffrey, der irre König und alle anderen psychopathischen Herrscher zusammen haben so viele Menschen auf dem Gewissen wie sie. Das ist Fakt.

Ich für meinen Teil war jedenfalls nicht sonderlich überrascht, als sie mit ihrem Drachen Königsmund dem Erdboden gleichgemacht und darüber hinaus hunderttausende Unschuldige verbrannt hat. Das hatte sich schon lange angekündigt. Daenerys ist nämlich von Beginn an machtbesessen, unreflektiert wie auch unbelehrbar. »Beugt das knie oder stirbt!«, lautet ihre Parole. Klingt so eine Befreierin? Mich wundert es schon sehr, dass nun Großteile der Fangemeinde nicht fassen können, was aus ihrem Publikumsliebling geworden ist. Es ist doch allseits bekannt: Das Drama mag gefallene Helden.

Game Of Thrones GIF by Vulture.com - Find & Share on GIPHY

Und auch fernab vom Drama, halte ich die Entwicklung Daenerys‘ für alles Andere als unlogisch. Ein kurzer Blick auf die Geschichte genügt: Nennt mir bitte einen ursprünglich gewählten Diktator, der in seinem Wahlprogramm Genozid, Brandschatzung, Terror Regime drinstehen hatte! Eben. Wie wir sehen: Der Pfad zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Game of Thrones hat das wunderbar veranschaulicht.

Allgemein ist festzuhalten: Charakterentwicklung ist die große Stärke des HBO-Meisterwerks. Wenn ich gucke, was für Wandlungen die einzelnen Figuren hinter sich haben: Weltklasse! Insbesondere Daenerys, Jaime, Cersei, Sansa und Theon bzw. Stinker sind hierbei hervorzuheben. Es gibt nur eine Handvoll Serien, denen das vergleichbar gut gelingt.

Früher war mehr Lametta!

Die achte Season hatte viel für uns parat: Imposante Schlachten, überraschende Wendungen, schockierende Momente, uvm. Doch gemessen am Rest der Staffel wirkte meiner Meinung nach das Serienfinale ein wenig blass.

Ich weiß nicht, wie es euch ging? Aber als Jon Daenerys einen Dolch zwischen die Rippen gestoßen hat, kamen bei mir nicht sonderlich viel Emotionen auf. Mich hat es auch nicht wirklich bewegt, dass er zurück zur Mauer geschickt wurde. Bran der Gebrochene, der neue König. Warum nicht? Wahrscheinlich wirklich die beste Wahl.

Es ist natürlich absolut subjektiv, jedoch kann man meiner Meinung nach die letzte Episode in etwa so zusammenfassen: Ein plausibles Ende, mit dem ich gut leben kann, bei dem aber die ergreifenden Bilder oder großen Emotionen ausblieben.

Das finde ich auf der einen Seite zwar etwas schade, es hätte aber auch auf der anderen Seite durchaus schlimmer kommen können. Nichtsdestotrotz werden mir die Schlacht gegen die Untoten oder Daenerys Massaker in Königsmund wahrscheinlich eher in Erinnerung bleiben als das unspektakuläre Ende.

Ein gelungener Abschluss

Ehrlich gesagt kann ich die Kritik an der finalen Staffel nicht wirklich nachvollziehen. Ich persönlich habe mich blendend unterhalten gefühlt. Denn auch zum Schluss blieb sich die Serie ihrer Stärken treu: Charakterentwicklung, hervorragende Schurken plus Mut. Ich meine, nennt mir eine Serie, die so viele Hauptdarsteller hat über die Klinge springen lassen wie Game of Thrones. Jeder ist entbehrlich. Das empfinde ich als unheimlich spannend. Das gepaart mit einer astreinen Produktion, tollen Bildern und spektakulären Schlachten, wie man sie eigentlich nur aus dem Kino kennt, macht Game of Thrones zu einer der größten Serien aller Zeiten.

Die finale Episode hätte tatsächlich ein Stückchen packender sein können. Da gebe ich den Kritikern uneingeschränkt recht. Jedoch sehe ich die komplette Staffel eher als ein Gesamtwerk. Ich würde es als verdammt unfair empfinden, die komplette Season – oder gar die ganze Serie – auf eine einzige Folge zu reduzieren. Das würde diesem großartigen Meisterwerk nicht gerecht werden.

Game of Thrones ist schon heute eine der größten Serien aller Zeiten. Ich denke, das wird sich über eine sehr, sehr lange Zeit nicht ändern.

Meine Wertung:

Staffel 8: 5/5 Sternen und für Kenner 9/9
Die Serie: 5/5 Sternen und für Kenner 9/9

Bildquellen
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