Heavy Rain: Restlos überbewertet!

Fans und Kritiker sind sich einig: Heavy Rain ist ein Meisterwerk! Eine Meinung, die ich nicht mal ansatzweise teilen kann.

Heavy Rain gehört zu den gehyptesten PlayStation-Exklusivtiteln überhaupt: Eine Metakritik von 87 (PS4: 78), einen Hit-Award von der PC-Games (9/10 Punkten) und sogar einen Platin-Award (94%) von den überaus kritischen Testern des Online-Magazins 4Players – was u.a. zugleich dazu führte, dass die Berliner das interaktive Abenteuer zum Spiel des Jahres 2010 krönten.

Dieses Game MUSS die Bombe sein!

Warum auch nicht? Sämtliche Kritiker scheinen sich in Bezug auf Heavy Rain ja einig zu sein. Das Genre mag ich ebenso. Ich habe beispielsweise so ziemlich jedes Telltale Game (außer Minecraft: Story Mode) leidenschaftlich gespielt. Und auch Fahrenheit, Quantic Dreams vorheriges Werk, gehört zu meinen All-Time-Lieblingstiteln.

#Fahrenheit #beste

Was kann da schon schiefgehen? Gar nix! Dieses Spiel kannst du dir blind zulegen, so dachte ich zumindest.

Ich korrigiere: Alles kann schiefgehen!

Hatte ich eine Scherzartikel-Variante auf der Platte? Leide ich unter einer seltenen Wahrnehmungsstörung? Bin ich überhaupt ein und dieselbe Person?!? Ich weiß nicht mehr. Seitdem ich Heavy Rain gespielt habe, stelle ich wirklich einfach alles infrage.

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Ich meine, wie kann es denn sein, dass Gott und die Welt dieses Game so hart abfeiert und es mit Lob und Preisen überschüttet, während ich auf der anderen Seite nur zu dem Ergebnis komme, dass es sich beim PlayStation-Hit um einen gewöhnlichen 0/8/15-Titel mit eklatanten Schwächen handelt?

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Und ja, vielleicht mag das jetzt einigen Fans zu vernichtend klingen, aber was soll ich denn Anderes über ein Spiel sagen, welches ich am liebsten bereits nach den ersten Kapiteln abgebrochen hätte?

Einzig und allein die Neugier, wo der grenzenlose Hype denn herkommen mag, hat mich motiviert weiterzumachen, dem Game eine weitere Chance zu geben. Doch spätestens ab der Hälfte der Story, habe ich einen Schlussstrich unter Heavy Rain gezogen. Dafür war mir meine Lebenszeit dann doch zu kostbar.

Warum? Weshalb? Wieso?

Ein derart vernichtendes Urteil, zu einem Spiel, welches Everbody’s Darling ist, kann man nicht unbegründet im Raum stehen lassen. Das weiß ich.

Es heißt mal wieder: Der Büriff gegen den Rest der Welt!

Daher will ich im folgenden Text kurz und knapp erläutern, warum es mir unmöglich war, lediglich ein Quentchen Spaß am hochgelobten Heavy Rain zu entwickeln.

1. Nervtötende Steuerung

Das Bedienkonzept samt Move-Steuerung und all den ungewöhnlichen Bewegungen, die man auszuführen hat, wirkt in Heavy Rain doch noch ziemlich unausgereift – so sehr, dass selbst die simpelsten Dinge (z.B. ein Baby wickeln oder sich rasieren) wieder und wieder zur Geduldsprobe werden (Strichwort: Try & Error). Das hat mich gewaltig genervt.

Und nein, liebe Freunde, das ist keine Frage des Alters! Ich kann mir nur spärlich vorstellen, dass ich dies im Jahre 2010, als die PS3-Version veröffentlicht wurde, entspannter gesehen hätte. Zumal Fahrenheit (2005) sich deutlich angenehmer steuern ließ.

2. Quicktime Events in Hülle und Fülle

Ich bin so oder so kein großer Freund von Quicktime Events, kann aber mit ihnen leben, sofern sie sparsam eingesetzt werden und der Rest des Spiels gelungen ist. Doch was die Damen und Herren von Quantic Dream bei Heavy Rain veranstaltet haben, geht auf keine Kuhhaut. Hier hat man das Stilmittel ad absurdum geführt.

Heavy Rain ist eine QTE-Orgie durch und durch! Ohne Witz, auf das eine Quicktime Event folgt schon gleich das nächste. Es nimmt gar kein Ende mehr. Und nicht nur in Kämpfen oder Action-Szenen, sondern auch dort, wo QTE völlig unangebracht sind – z.B. wenn ich einen Berg herauf kraxle oder mich durch einen Lüftungsschacht schlängle.

Ihr könnt mich an dieser Stelle natürlich gerne eines Besseren belehren. Das Kommentarfeld, unterhalb des Textes, ist nicht nur zur Zierde da. Ich bin auf euer Feedback, wie immer, sehr gespannt.

3. Schleppendes Tempo

Zugegeben: Ein durchaus strittiger Kritikpunkt, da subjektiv. Allerdings bin ich schon der Ansicht, dass das Tempo des Spiels ständig ausgebremst bzw. verschleppt wird. Geht es gerade mal ein bisschen ab, wechseln wir gleich sofort zum nächsten Protagonisten, bei dem gähnende Leere angesagt ist, da er zumeist irgendwelche belanglosen Alltagsaufgaben zu erfüllen hat.

Ich verstehe beispielsweise nicht, warum wir zu Madisons Einführung erstmal Tee kochen müssen, weil wir nicht schlafen können, dann duschen gehen, im Anschluss überfallen werden, nur um letzten Endes herauszufinden, dass die komplette Sequenz ein Traum war? Wozu?!? In meinen Augen 15 Minuten Zeitverschwendung Deluxe!

4. Logiklücken

Da ich Heavy Rain nach etwa der Hälfte abgebrochen habe, kenne ich logischerweise das Ende nicht, was wiederum wohl gar nicht so schlimm ist, da die Story unter hanebüchenen Logikfehlern leiden soll.

Beispielsweise schrieb Mirco Kämpfer von der Game Pro:

»Okay, am Ende gibt’s David-Cage-typisch doch wieder einige Logiklöcher und nicht alle Fragen werden beantwortet, doch bis es soweit ist, unterhält mich der interaktive Thriller blendend.«

Simon Fistrich von Cynamite hingegen:

»Es ist für mich kein Meisterwerk, dazu stören mich Details wie Logiklöcher in der Story, der langatmige Beginn und die zum Teil eigenartigen Dialoge. Aber es ist dennoch ein Meilenstein, dass dem gebeutelten interaktiven Film in beeindruckender Weise seine Daseinsberechtigung zurückgibt.«

An dieser Stelle möchte ich natürlich nicht päpstlicher als der Papst sein: Logiklücken sind zwar unschön, jedoch nicht das Ende Welt. Trotz ein paar Schnitzern in der Story, kann ein Game dennoch ein gutes sein.

Doch reicht es dann wirklich zu einem Platin-Award, dem Spiel des Jahres und Pipapo? Meines Erachtens nicht! Dafür sollte es deftige Abzüge bei der Wertung geben.

5. Keine Frage des Alters!

Über die Story lässt sich ja streiten. Dem einen gefällt die Inszenierung, dem anderen nicht. Das ist immer so. Pure Geschmacksache, rein subjektiv. Damit kann ich leben. Was wiederum nicht für das Spielerische bzw. das Handwerkliche gilt. Und gerade hier versagt Heavy Rain in meinen Augen kläglich – selbst für ein Spiel aus dem Jahre 2010.

Wir sollten an dieser Stelle nicht den Fehler begehen, so zu tun, als ob wir vor zehn Jahren noch mit Stöcken und Steinen gespielt hätten. Man bedenke, dass Mass Effect 2, Mafia II, The Force Unleashed 2, Bioshock 2 oder Assassin’s Creed 2 aus dem selben Jahr sind. Allesamt grafisch hochwertiger und spielerisch deutlich gelungener.

Zumal ich abschließend erwähnen will, dass ich die PS4-Version von Heavy Rain gespielt habe, welche von 2016 ist.

Fazit

Wer Bock hat, Heavy Rain zu spielen, der soll das gerne tun. Ich halte ihn nicht auf. Jedem das Seine. Doch beim Begriff „Meisterwerk“ bin ich raus!

94% von 4Players, 9/10 Punkten von der PC Games, eine 87er Metascore… Bei solchen Wertungen denke ich an zeitlose Klassiker wie Zelda: Ocarina of Time oder Final Fantasy VII, doch nicht an ein Spiel, welches über solch eklatante, offensichtliche Schwächen verfügt, weswegen ich den riesigen Hype ums Game keineswegs nachvollziehen kann.

Regelmäßig denke ich mir beim Lesen von Testberichten: »Ui, da wart ihr aber streng. Etwas pedantisch, nicht wahr?« Doch warum nicht hier? Was seht ihr in Heavy Rain, was mir verborgen bleibt und warum seht ihr nicht die Schwächen, die mir sofort ins Auge stechen?

Bildquellen

„Heavy Rain Screenshot“ von Juri Kristiansen. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: Public Domain Mark 1.0

„heavy rain packaging 2“ von Maria Rantanen @Flickr. Lizenz: CC BY-SA 2.0

„Indigo Prophecy“ von Miyaoka Hitchcock @Flickr. Lizenz: CC BY-NC 2.0

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