Ich krieg einen Burnout beim Zocken!

Wenn dein Lieblingsspiel zur Lebensaufgabe wird.

Mehr, mehr und nochmals mehr. Mehr von diesem, mehr von jenem, mehr von allem! Ich kann diesen Trend beim besten Willen nicht gutheißen. Das Videospiel der Neuzeit ist stellenweise mehr Arbeit als Hobby.

Das Open World-Dilemma

Denn bei einem Titel, der den heutigen Ansprüchen gerecht werden möchte, reicht es bei weitem nicht mehr aus, dass der Held Wüstlingen in den Arsch tritt und die Welt vom Bösen erlöst. Nein, er muss darüber hinaus Beziehungen pflegen, Gegenstände craften (herstellen), dafür aber erstmal die richtigen Zutaten bzw. Werkstoffe sammeln, und gegebenenfalls sogar – genau wie du selbst – arbeiten gehen.

Day Z aka „The Jogging Simulator HD“ – Unendliche Weiten, nichts passiert.

Frage: Wollen wir das wirklich? Überall und in jedem Spiel? Reicht es nicht, dass ich beispielsweise in „Need for Speed“ stur Rennen für Rennen fahre? Wird das Spiel wirklich dadurch besser, dass ich selbst, über mehrere Minuten lang, zur Tuning-Werkstatt oder zum nächsten Event fahren muss? Ich glaube nicht.

Das Game von heute – Ein kleines Studium

Doch selbst so etwas Banales wie ein Optionsmenü kann den ein oder anderen Gamer an den Rande eines Burnouts treiben. Vorbei die Zeiten, in denen man auf Start oder Reset gedrückt hat und da lediglich Pause, Save und Quit gestanden haben.

Jetzt findest du dort nicht nur endlos lange Enzyklopädien über Orte, Gegner und Waffen des Spiels, sondern in nahezu jedem Spiel zusätzlich ein Crafting-Menü, in dem du Waffen, Rüstungen sowie Gegenstände selber herstellen kannst. Und natürlich nicht zu vergessen: Den obligatorischen Skill-Tree. Der darf in keinem Game mehr fehlen.

Welche der 20.000 Waffen baue ich? Verlasse ich mich auf die Rüstungen von Atlas oder bevorzuge ich doch die von Hyperion? Welche Talente passen am ehesten zu mir und meinem Helden? Und und und…

Fragen über Fragen… Die Antworten kennt im Bestfall nur das Internet. Jedenfalls hast du noch keine zwei Minuten gespielt, schon musst du folgenschwere Entscheidungen treffen, die dich über den Rest der Spielzeit begleiten werden.

Die Karte von „Assassin’s Creed: Unity“. Da kriege ich allein vom Hinsehen einen Burnout.

Doch versteht mich nicht falsch. Auch ich finde es ja gut, dass es hier und da die Möglichkeit gibt, das Spielerlebnis zu individualisieren. Doch nicht gerade wenige Titel verkommen mir aufgrund ihres Umfangs und ihrer Komplexität immer mehr zu einer eigenen Wissenschaft.

Gerade deshalb geht’s auch in keinem Spiel mehr sofort richtig zur Sache. Verabschiede dich von dem Gedanken, dass du die Konsole anschmeißt und direkt drauf loszocken kannst. Nein, bei einem Titel, der „state of the art“ ist, musst du dich erstmal durch zig Einführungsmissionen und Tutorials quälen, damit du den Shitload an Fertigkeiten erlernen kannst, den du zum Meistern des Spiels benötigst. Das ist mühselig. Das macht keinen Spaß. Das will ich nicht.

Aber man will doch was für sein Geld bekommen!

Stimmt! Niemand möchte 60 Tacken für ein Spiel wie „Star Wars – The Force Unleashed 2“ ausgeben, um es nach viereinhalb Stunden durchgezockt zu haben. Doch will ich, dass mein nächstes Spiel zu einer Lebensaufgabe mutiert?

Bestes Beispiel: Ich zocke momentan „Mass Effect: Andromeda“. Hammergeil, macht richtig Spaß, aber nach sage und schreibe 45 Spielstunden habe ich erst 50% des Spiels absolviert. Für alle, die mit den Grundrechenarten nicht sonderlich vertraut sind: Hochgerechnet werde ich für das Spiel also 90 Stunden (!) benötigen. So viel wie für Mass Effect Teil 1, 2 und 3 zusammen.

Das größte Geheimnis nach 45 Stunden Spielzeit: Werde ich jemals das Ende von „Mass Effect: Andromeda“ erleben?

So kommt es, dass ich noch 20 andere Titel auf der Platte habe, die ich nicht spielen kann. Vor allem, weil in der heutigen Zeit jedes Bums-Spiel eine Spielzeit von mindestens 15 Stunden hat. Hauptsache ihr kriegt mehr, mehr und nochmals mehr!

Ohnehin tue ich mich mit dem deplatzierten Geiz einiger Spieler schwer. Was für sein Geld bekommen! So ein Schmu! Wenn ich sowas schon höre… Es vergeht kein Tag, an dem nicht irgendein Spiel im Angebot ist. Hinzu kommen kostenlose Spiele bei Games for Gold, der Summer Sale, Black Friday und schlag mich tot. Gaming ist schon lang kein teurer Spaß mehr. Bei der Preisentwicklung der letzten Jahre ist nicht Geld, sondern Zeit die knappste Ressource.

Was ich damit sagen will: Du kriegst ohnehin schon mehr als genug Spiel für dein Geld. Selbst wenn ein Titel „nur“ zehn Stunden Spielzeit hat.

Weniger ist mehr

Lange Rede, kurzer Sinn: Natürlich bin ich froh, dass inzwischen die Tage der hohlen Arcade-Titel gezählt sind. Ich finde es großartig, was Spieleentwickler täglich leisten, was für tolle Welten sie kreieren und was für spannende Geschichten sie zu erzählen haben. Doch irgendwo ist gut. Denn ab einem gewissen Punkt wird es nicht mehr besser.

Niemand profitiert von unzählig stupiden Nebenmissionen, welche die Spielzeit unnötig in die Länge ziehen. Nur die wenigsten genießen die Aussicht, während sie über endlos lange Zeit über eine überdimensionierte Karte fahren, auf der nichts passiert. Muss ein Spiel so viele Freiheiten bieten, dass es in puncto Umfang und Komplexität einer Wissenschaft gleicht?

Nach ner Stunde ne Frau flachgelegt, Billard gespielt, aber immer noch kein Gangster.

Ich weiß nicht, aber ich würde mich mal wieder über ein „Grand Theft Auto“ freuen, in dem ich mal wieder nur ein Gangster sein kann. Nicht mehr und nicht weniger. Ich will mir ne coole Karre klauen, paar Leute über den Haufen ballern und die Stadt erobern. Frauen klarmachen, shoppen gehen und die Geschäfte meines Clubs leiten, kann ich auch in meinem echten Leben. Dafür brauche ich keine Simulation.

Aber am ehesten wünsche ich mir wieder eine gescheite Spielzeit: Denn es gibt so viel zu sehen, aber dafür möchte ich nicht meinen Job kündigen müssen.

Hilf dem Büriff und verkünde seine frohe Botschaft!
Share on Facebook
Facebook
Tweet about this on Twitter
Twitter
Share on Google+
Google+
Email this to someone
email

Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.