Ich kriege einen Burnout vom Zocken!

Wenn dein Lieblingsspiel zur Lebensaufgabe wird.

Mehr, mehr und nochmals mehr. Mehr von diesem, mehr von jenem, mehr von allem. Ich kann diesen Trend beim besten Willen nicht gutheißen. Das Videospiel von heute ist nicht selten mehr Arbeit als Hobby, mehr Stress als Entspannung.

Denn bei einem Titel, der „state of the art“ ist, reicht es schon längst nicht mehr aus, dass der strahlende Held Wüstlingen in den Arsch tritt und die Welt vorm Untergang bewahrt. Nein, er muss darüber hinaus Beziehungen pflegen, Gegenstände craften, dafür aber erstmal die richtigen Zutaten bzw. Werkstoffe zur Hand haben und manchmal sogar (so wie du selbst) arbeiten gehen.

Day Z aka The Jogging Simulator HD. Unendliche Weiten, nichts passiert.

Und selbst so etwas Banales wie ein Optionsmenü kann im Jahre 2017 den ein oder anderen Gamer an den Rande des Wahnsinns treiben.

Vorbei die Zeiten, in denen man auf Start oder Reset gedrückt hatte und infolgedessen lediglich das Spiel pausiert wurde. Jetzt wirst du erstmal von endlos langen Enzyklopädien erschlagen (über Orte, Gegner und Waffen des Spiels). Darüber hinaus gibt es noch zusätzlich ein Crafting-Menü, in welchem du Waffen, Rüstungen sowie Gegenstände herstellen kannst. Und natürlich nicht zu vergessen: den obligatorischen Skill-Tree. Der darf in keinem Spiel mehr fehlen!

Welche der 20.000 Waffen baue ich? Verlasse ich mich auf Rüstungen von Atlas oder sollte ich doch eher auf die Produkte von Hyperion setzen? Welche Talente passen am ehesten zu meinem Spielstil oder meinem Helden? Und und und…

Fragen über Fragen… Die Antworten kennt zumeist nur das Internet. Vom ersten Moment an musst du folgenschwere Entscheidungen treffen, mit deren Auswirkungen du die nächsten 20-100 Spielstunden zu leben hast. Absolut mühselig, wie ich meine! Ich wollte doch einfach nur ein bisschen zocken.

Da kriege ich allein vom Hinsehen einen Burnout. (Assassin’s Creed: Unity)

Und versteht mich bitte nicht falsch: Auch ich finde es ja gut, dass es hier und da die Möglichkeit gibt, das Spielerlebnis ein wenig zu individualisieren. Nichtsdestotrotz bleibt festzuhalten, dass nicht gerade wenige Titel, aufgrund ihres Umfangs oder ihrer Komplexität, immer mehr zur Wissenschaft verkommen.

Aber man will doch etwas für sein Geld bekommen!!!

Natürlich ist es ärgerlich, wenn man 60 Tacken auf den Tisch legt und man für diese stolze Summe lediglich einen Nachmittag Unterhaltung geboten bekommt. Ich denke da z.B. an Star Wars: The Force Unleashed, welches ich nach mickrigen fünf Stunden bereits durch hatte. Für so einen Titel würde ich nie und nimmer den Vollpreis zahlen! Was jedoch nicht im Umkehrschluss zu bedeuten hat, dass ich zwangsläufig ein Game suche, welches ein längeres Projekt als der Bau des BER werden soll.

Bestes Beispiel: Mass Effect: Andromeda

45 Spielstunden hinter mich gebracht, dennoch keine 50% des Spiels absolviert. Um die Kampagne abzuschließen, hätte ich also hochgerechnet 90 Stunden investieren müssen – was, nur mal so am Rande, in etwa der Spielzeit entspricht, die ich in alle drei Vorgänger zusammen gesteckt hatte.

Sorry, liebe Freunde, das ist einfach nur krank! Für so etwas hatte ich vielleicht als Schüler oder Student noch Zeit, doch als erwachsener Mensch mit Job und eigenem Haushalt benötige ich für ein Game à la Mass Effect: Andromeda mehrere Wochen, vielleicht sogar Monate.

Mass Effect: Andromeda: Selbst nach 45 Stunden kein Ende in Sicht!

So kommt es dazu, dass ich ca. 20 weitere Titel auf der Platte habe, die ich wahrscheinlich niemals anrühren werde. Wann denn auch, in Zeiten, in denen ja jedes drittklassige Bums-Game eine Spielzeit jenseits von Gut und Böse haben muss? Und das eigentlich nur, weil man das Spiel mit zig unsinnigen, redundanten Nebenquests vollgestopft hat.

Geiz ist geil!?

So oder so frage ich mich, was dieser deplatzierte Geiz einiger Gamer überhaupt soll? Was für sein Geld bekommen… Wenn ich so etwas schon höre… Absoluter Schmu! Wann war denn das letzte Mal kein Sale? Wann habe ich das letzte Mal den vollen Preis für ein Spiel zahlen müssen? Augen auf beim Spielkauf! Wer zu viel zahlt, ist es in meinen Augen selber schuld!

Gaming ist schon längst kein teures Hobby mehr, wie ich meine. Bei der Preisentwicklung der letzen Jahre halte ich nicht das liebe Geld, sondern vielmehr meine kostbare Zeit für die deutlich knappere Ressource. Also hört doch mal bitte damit auf, euch ins Hemd zu machen, nur weil ein Titel „lediglich“ zehn Stunden Spielzeit hat!

Weniger ist mehr

Lange Rede, kurzer Sinn: Natürlich bin ich froh, dass die Tage der stupiden Arcade-Titel gezählt sind. Ich finde es großartig, was Spieleentwickler täglich leisten, was für tolle Welten kreiert werden und was für spannende Geschichten wir präsentiert bekommen. Doch irgendwo ist gut! Ab einem gewissen Punkt, wird das Spiel dadurch nicht mehr besser.

Niemand profitiert von unzählig stupiden Nebenmissionen, welche die Spielzeit unnötig in die Länge ziehen. Nur die wenigsten genießen die Aussicht, während sie gefühlte Ewigkeiten über eine überdimensionierte Karte fahren, auf denen im Grunde genommen nichts passiert. Allgemein sollte die Frage erlaubt sein: Muss ein Game den Spielern wirklich so viele Freiheiten bieten, dass es in puncto Umfang und Komplexität einer Wissenschaft gleicht?

Nach ner Stunde ne Frau flachgelegt, Billard gespielt, aber immer noch kein Gangster.

Meiner Meinung nach werden Casual Gamer inzwischen komplett außen vor gelassen, was ich wirklich immens schade finde. Muss ich den wirklich meinen Job aufgeben, nur um in den Genuss herausragender Games zu kommen? Das kann doch nicht die Lösung sein!?

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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