Immer diese verdammten Hütten im Wald

Warum ich nie wieder einen Horrorfilm sehen kann.

Ich liebe Horrorfilme. Es ist für mich wie Achterbahnfahren, nur dass ich dafür nicht von der Couch aufzustehen brauche und dabei sogar meine Jogginghose anbehalten kann. Und ja, ich habe so viele gesehen. Und ich möchte auch noch so viele sehen. Doch seitdem ich eine Freundin habe, ist das gar nicht mal so einfach.

Warum?

Meine Freundin und ich haben neulich zusammen Cabin Fever geguckt. Den fand sie ziemlich hohl. Ich gebe zu, das ist er auch.

Eine Gruppe junger Menschen möchte ihren Abschluss feiern. Dafür mieten sie sich eine Hütte im Wald. Wie es der Zufall so will, geht ein seltenes, tödliches Hautvirus um, woraufhin sich einer nach dem anderen mit dem Virus infiziert und die meisten der Teenies den Löffel abgeben. Zwischendurch gibt es ein wenig Sex und Titten, eine Prise Gewalt, aber das war es dann auch schon.

Cabin Fever: Die jugendliche Fleischeslust trifft auf Ekel und Horror. Wundbar!

Wie Ihr euch denken könnt, hat dieser Film nicht sonderlich viel Eindruck auf meine Freundin gemacht.

Und jetzt habe ich ein Problem!

Immer wenn ich meiner Freundin einen Horrorfilm vorschlage, möchte sie im Voraus pedantisch genau beschrieben bekommen, um was es in diesem Film denn gehen soll. Denn ein zweites Cabin Fever soll es nicht nochmal geben. Das wäre auch gar nicht mal so schlimm, wenn nicht mindestens 50% der Horrorfilme die nahezu gleiche Inhaltsangabe hätten.

The Descent zum Beispiel

Eine Gruppe junger Damen möchte eine Höhlenexpedition machen. Dafür mieten sie sich eine Hütte im Wald. Bei ihrer Expedition treffen sie allerdings auf Kreaturen, die den Mädels nicht allzu freundlich gesinnt sind. Das Blut fließt, es wird geschrien, gekämpft und nach und nach gehen unsere vollbusigen Adrenalinjunkies über den Jordan. Ihr kennt das ja.

Was hört meine Freundin?

Eine Gruppe junger Damen … mieten sich eine Hütte im Wald … Bööööööööp!!! Der Film ist raus. Nächster Versuch. Also okay. Probieren wir es mit…

Wrong Turn

Eine Medizinstudentin hat im Wald eine Autopanne. Auf der Suche nach Hilfe, trifft sie auf eine Gruppe junger Menschen. Dabei finden sie in einer WaldhütteBöööööööööp!!! Nächster Versuch.

Okay, dann The Evil Dead aka Tanz der Teufel

Eine Gruppe Jugendlicher fährt zum Urlaub in eine Waldhütte in Tennessee. Bööööööp!!!

Um es abzukürzen…

Auch The Strangers, Cabin in the woods, Tucker & Dale vs Evil, Blair Witch Project und manch andere Schwergewichte des Genres konnten meine Freundin nicht wirklich überzeugen.

Am Lagerfeuer warten auf Euch Marshmellos, Alkohol, Frauen, Musik und der sichere Tod. (Quelle: Hollywood)

Das ist für mich eher supoptimal! Denn ich will mal wieder einen Horrorfilm gucken. Also muss sich etwas ändern!

Neue Drehbuchautoren braucht das Land!

Hollywood, ich weiß nicht, wer bei Horrorfilmen die Drehbücher schreiben darf. Ohne Witz! Ich bin da wirklich hin- und hergerissen:

Betrachtet man, dass ausgerechnet immer diejenigen sterben, die Sex haben, Alkohol oder Drogen konsumieren oder einfach nur stärker pigmentiert sind als der Rest der Gruppe, ist es eigentlich naheliegend, dass es sich hierbei um Mitglieder einer fundamentalistischen, latent rassistischen, christlichen Sekte handeln muss.

Bei einer Tea-Party ist noch niemand gestorben. Außer sie war in Boston.

Auf der anderen Seite wird nicht wirklich mit nackter Haut gegeizt und auch die Dialoge wirken auf mich nicht sonderlich anspruchsvoll, was mich glauben lässt, dass ihr versucht, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Bei sowohl Horror- als auch Pornofilmen muss es sich um dieselben Autoren handeln!

Ertappt!

Wer weiß? Möglicherweise würde es auch einfach nur reichen, wenn Ihr Euer Anforderungsprofil von „mit einer glatten Sechs durch die Autorenschule gefallen“ zu „mittelmäßig begabter Hobbyschreiber mit einem Hang zum Sadismus“ ändern würdet.

Alles neu, bitte!

Wie dem aber auch sei, schmeißt bitte die alten Konzepte über Board! Die haben nämlich ausgedient.

Ich will keine Waldhütten mehr sehen. Ich brauch auch keine grenzdebilen Teenager mehr, die es, besoffen wie zehn Russen, miteinander treiben, um dann einer nach dem anderem niedergemetzelt zu werden.

Hollywood, der Wald ist voll! Wir brauchen was Neues.

Und lasst doch endlich mal die Hinterwäldler in Ruhe! Ihr habt zwar recht, nicht gerade wenige von ihnen neigen zu politisch fragwürdigen Tendenzen, nichtsdestotrotz halte ich es für eher unwahrscheinlich, dass sie nichts Besseres zu tun haben, als Tag für Tag Jagd auf Stadtmenschen zu machen.

Zudem brauchen wir unbedingt neue Settings. Und kommt mir jetzt bloß nicht mit Psychiatrien, in denen unethische Experimente durchgeführt wurden, oder alten Herrenhäusern, auf denen ein Fluch liegen soll. Davon gibt es auch zu viele Filme. Das (!) genau sind nämlich die anderen 49% der Horrorfilme und auf die hat auch keiner mehr so wirklich Bock.

Und, am allerwichtigsten, bitte schenkt uns doch für die Zukunft Protagonisten, die schlau genug sind, bei Gefahr das Licht anzuschalten oder sich im Allgemeinen so benehmen, als ob sie schon mal selbst den ein oder anderen Horrorfilm gesehen hätten, anstatt wie Lemminge blind in ihr Verderben zu rennen.

Also, Hollywood, jetzt bist du am Zug!

Was ich mir wünsche: Neue Settings, schlauere Darsteller, neue Tätergruppen und Drehbuchautoren, die nicht von der Förderschule rekrutiert wurden. Beachtet diese gutgemeinten Ratschläge eines treuen Fans und vielleicht hat der Horrorfilm dann auch zukünftig wieder eine Chance.

Mich würde es freuen, denn ich habe mir inzwischen mehr als genug Liebesschnulzen und sogenannte „rom coms“ ansehen müssen. Ich will mein Gemetzel wieder zurück!

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