James wird zum Problemfall

Macht sich James selbst das Leben schwer? Ich habe mal ein paar Zahlen und Fakten zusammengetragen.

James Rodriguez scheint in München nicht wirklich glücklich zu werden: So wurde bereits während der Sommerpause häufiger vermeldet, dass der Kolumbianer nach Zidanes überraschenden Rücktritt gerne nach Madrid zurückkehren würde und spätestens seit der anhaltenden Dauerfehde mit Trainer Niko Kovac, sitzt der Zauberfuß auf gepackten Koffern.

Der Kolumbianer wünscht sich mehr Spielzeit!

Zum Unmut einiger Fans! Uli Hoeneß hat es in den letzten Jahren vermieden, (prestigeträchtige) Transfers zu tätigen. Würde jetzt noch der Torschützenkönig der WM 2014 gehen, so wäre das letzte bisschen Glanz und Gloria aus München verschwunden. Somit ist der Schuldige schnell gefunden: Niko Kovac; welcher mit der kurzfristigen Ausbootung des Superstars, nur wenige Stunden vorm Duell gegen den BVB, nochmals Öl ins Feuer gegossen hatte.

»Der Kroate gibt James nicht genügend Spielzeit!«, sagen die einen. »James ist der herausragende Akteur der Münchner!«, behaupten die Anderen.

Auch ich habe in den letzten Wochen nicht mit Kritik an Kovac oder Hohn und Spott am FC Bayern gespart, weswegen ich nun der Causa „James Rodriguez“ auf den Grund gehen möchte. Daher stelle ich die Frage: Ist die Kritik der Fans auch in diesem Fall gerechtfertigt?

These 1: James spielt seit Kovac zu selten!

Zu Zeiten von Jupp Heynckes stand James Rodriguez 35 mal auf dem Platz, nur 6 mal wurde er – obwohl er fit war – nicht berücksichtigt. D.h. er hat 85% der möglichen Partien absolviert und hatte dabei durchschnittlich eine Spielzeit von 68 Minuten.

Die Ära Kovac ist erst 17 Spiele alt und James Rodriguez ist erst seit dem dritten Spieltag voll einsatzbereit, da er sich bei der Fußball WM 2018 in Russland verletzt hatte. Er kam zwar an den ersten beiden Spieltagen auf zwei Kurzeinsätze, allerdings konnte bis dahin von gesund oder gar „so richtig fit“ nicht die Rede sein, weswegen wir logischerweise erst ab Spieltag 3 rechnen können.

Somit absolvierte James unter dem neuen Trainer 9 von 13 möglichen Spielen. Er kommt also nur in 69% der Partien zum Einsatz – 16% weniger als unter Heynckes. Doch wenn er auf dem Platz steht, dann genauso lang wie unter Jupp. Durchschnittlich ist der Edeltechniker 69 Minuten auf dem Rasen aktiv.

Auf den ersten Blick, scheint die Beobachtung der Fans zu stimmen.

Doch warum?

Mögliche Gründe dafür gibt es viele. Einer davon könnte allerdings – beim Blick auf die Zahlen – James‘ Wutrede in der Bayern-Kabine (am 5. Oktober) gewesen sein: Bis zu dieser stand der Kolumbianer 5 von 6 möglichen Malen auf dem Platz; eine Quote von 83%. Im Durchschnitt für 63 Minuten. Nahezu die gleichen Werte wie unter Jupp Heynckes.

Es wäre also möglich(!), dass sich James mit seiner Kabinenrede selbst ein Bein gestellt hat, vor allem, da seine Kritik bis zu diesem Tage nicht wirklich gerechtfertigt war.

Weiterer Gründe könnten sein, dass mit Goretzka und Sanches zwei Spieler dazugestoßen sind, die auf der selben Position spielen und Kovac eine andere Formation bevorzugt als Heynckes.

Auch Zidane war kein Fan von James

Die Zahlen lügen nicht: James kam unter Heynckes etwas häufiger zum Zug als unter Kovac. Wer aber jetzt behauptet, dass dies an der Kurzsichtigkeit des Kroaten liegen würde, sollte vorsichtig sein: Denn auch Zinedine Zidane, welcher mit Real Madrid drei mal nach Gang die Champions League gewann, war kein wirklicher Fan des Mittelfeldspielers.

Wird schon seine Gründe haben, warum James erst seit dem Rücktritt Zidanes unbedingt zurück will.

Unter dem Franzosen machte James in der Saison 2016/17 lediglich 33 von 50 möglichen Partien, was eine Quote von 66% ergbit – ähnlich wie bei Kovac. Über die Rolle des Ergänzungsspielers kam er nicht hinaus, denn er kam durchschnittlich auf nur 55 Minuten Spielzeit! Noch brisanter: In der Königsklasse spielte James nahezu keine Rolle. So kam er im Achtelfinale gegen Neapel auf 76 Minuten und gegen die Bayern auf läppische 7, während er die restliche Zeit der KO-Phase auf der Bank schmorte. Für das Finale gegen Turin wurde er nicht mal nominiert.

Einsatzzeiten unter Zidane in Champions League (Quelle: Transfermarkt.de)

Frage in die Runde: Ist Zinedine Zidane nun auch ein Fußballlegastheniker? Bedenkt diese Zahlen, wenn ihr euch nochmals den Erfolgstrainer beim Rekordmeister wünscht, aber die These vertretet, dass ein James Rodriguez immer spielen sollte.

Zusammengefasst

James spielt unter Kovac zwar etwas seltener (nach Einsätzen), aber nicht eklatant weniger (nach Minuten) als unter seinem Vorgänger. Daher halte ich es schon für stark überzogen, sich stetig zu beklagen und darüber hinaus sogar ein Wechseltheater anzuzetteln.

Hochgerechnet muss James lediglich jedes dritte Spiel pausieren. Wenn man bedenkt, dass auf seiner Position Thiago, Tolisso, Müller, Goretzka wie auch Sanches spielen, halte ich das für eine sehr solide Quote. Es ist ja auch nicht so, dass er regelmäßig so sehr brilliert, dass seine Mitspieler neben ihm alt aussehen.

Des Weiteren scheint es so, dass sein Verhalten bzw. seine Einstellung im Zusammenhang mit der Spielzeit steht. Doch auf das Thema „Disziplin“ werde ich gleich nochmal ausführlich eingehen.

These 2: Mit James hätten wir den BVB geschlagen!

Steile These, die sich auch nicht empirisch belegen lässt.

Der FC Bayern hat (inklusive der Niederlage gegen Dortmund) in dieser Saison 6 mal Punkte liegen lassen. Gegen den BVB war James aus disziplinarischen Gründen nicht dabei, doch bei den anderen 5 Spielen ohne volle Punktausbeute, war der Kolumbianer 4 mal aufgestellt; davon durchschnittlich 65 Minuten auf dem Rasen.

Ergo: Auch mit James lassen wir Punkte liegen. Es wäre schön, wenn es so einfach wäre.

War die Ausbootung denn richtig?

Disziplinlosigkeiten sind beim FC Bayern ein alter Hut. Das war schon unter Trapattoni so (z.B. Klinsmann oder Strunz) und das hat sich in jüngster Zeit auch nicht geändert. Ancelotti hatte die halbe Mannschaft gegen sich aufgebracht, unter Kovac sieht es nicht sonderlich besser aus.

Habe ich erst neulich den Trainer in zwei Beiträgen für seine nicht vorhandene taktische Varianz oder seinen schlechten Führungsstil kritisiert, so finde ich es gut, dass er so langsam damit anfängt, sich ein wenig Autorität zu verschaffen.

Zu lange durften sich die „Bayern Diven“ daneben benehmen: Die einen heulen bei jeder Auswechslung herum als wären sie kleine Kinder, der andere stänkert des Öfteren öffentlich über die Arbeit des Trainers, Müllers Frau macht via Instagram munter weiter, woraufhin Hummels Gattin ihr die Leviten liest, usw.

Ich glaube ich brenne! Bin ich denn hier im Irrenhaus?!? Ich habe es satt, dass sich seit jeher alle Problemkinder bei Uli oder Kalle ausheulen gehen. Ich hoffe, damit ist jetzt Schluss! Somit halte die Ausbootung für ein richtiges Zeichen, vor allem, weil James ein „Wiederholungstäter“ ist:

Nein, ich sehe James tatsächlich nicht als Opfer. Ich sehe es eher so, dass er seinen Wechsel, auf Teufel komm raus, forcieren möchte.

Was ich sehr schade finden würde…

Denn ich halte James Rodriguez im Grunde genommen für einen hervorragenden Spieler. Nur wenige im Bayern-Dress verfügten über solch technische Fähigkeiten. Der Kolumbianer hat eigentlich das Potenzial als „der große Zehner“ in die Geschichte des Rekordmeisters einzugehen. Und so sehr ich ihn bislang kritisiert habe, bin ich dennoch nicht blind: Auch ich weiß, dass es sich bei ihm um einen hervorragenden Mittelfeldakteur handelt!

Aber würden allein Talent und die richtigen Anlagen reichen, dann wäre Alen Halilovic inzwischen ein Superstar und Sean Dundee eine Stürmer-Legende. Im Klartext: Die richtige Einstellung bzw. Professionalität ist genauso entscheidend! Hieran hapert es meiner Meinung nach bei James Rodriguez, weswegen er sich schlussendlich nicht bei Real durchsetzen und sich auch bei den Bayern bisher nicht das Standing eines Riberys oder Robbens erarbeiten konnte.

James spielt nicht schlecht, performt aber auch nicht wie ein Weltstar. Er muss sich selbst fragen, ob Allüren à la Neymar angebracht sind. Wenn ja, dann kann er meinetwegen gerne gehen. Sein Herz scheint ja ohnehin für das ach so große Real Madrid zu schlagen und einen weiteren Stinkstiefel brauchen wir hier nicht. Falls er aber an sich arbeiten möchte und sich endlich mal vollends zum FC Bayern bekennen würde, dann würde mich das sehr freuen. Denn ein James in Topform ist eine Waffe!

Bildquellen

„bubble-gum-438404_1920 2“ von Ryan McGuire @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC0 1.0

„James Rodriduez“ von julio_cesar @Flickr. Lizenz: CC BY-NC-ND 2.0

„15193492160_5ab1e44c90_k“ von Castellón Confidencial @Flickr. Lizenz: CC BY-NC 2.0

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