Jogi, geh bitte!

Bei der Nationalelf muss sich einiges ändern, angefangen beim Trainer.

Was Joachim Löw für den DFB geleistet hat, steht außer Frage. Seit seiner Beförderung zum Bundestrainer hat er Deutschland fünf mal nach Gang bis mindestens ins Halbfinale geführt und bei der Weltmeisterschaft 2014 sogar zum Titel. Der einzige Schönheitsfleck in der Vita des FIFA-Trainer des Jahres 2014: Das katastrophale Ausscheiden bei der WM 2018 in Russland, wo man Gruppenletzter wurde.

Jogi auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Ein guter Moment zu gehen?

Der Frust saß tief, die Empörung war groß, denn sowas kennt der Deutsche nicht! Als viermaliger Weltmeister gehört die DFB-Elf, selbstredend zum engsten Favoritenkreisganz gleich, wie miserabel die Vorbereitung auch gelaufen ist. Deutschland ist nämlich eine (wenn nicht sogar die!) Turniermannschaft! Darf man ja nicht vergessen. Jeder Trainer, in der langen Historie des DFB, hätte nach einem solchen Desaster den Hut nehmen müssen. Jeder, nur nicht Joachim Löw.

Dafür war sein Kredit zu groß, seine Liste von Erfolgen zu lang und so konnte selbst ich, als überzeugter Löw-Kritiker, es irgendwie verstehen, dass man ihm noch die Chance geben wollte, Deutschland wieder auf Kurs zu bringen.

Die „große Analyse“ folgte…

Sofern man dem Bundestrainer glauben schenken mag, folgte nach dem blamablen WM-Aus eine allumfassende Analyse. Alles und jeder sollte auf den Prüfstand und nach einigen Wochen war die neue Marschrichtung bekannt:

Was ist von der „großen Analyse“ übrig geblieben?

Sechs Wochen und drei Auftritte der Nationalelf später, ist die große Revolution ausgeblieben und – Überraschung! – die DFB-Krise nimmt weiterhin munter ihren Lauf: Man ermauerte sich ein 0:0 gegen den Weltmeister aus Frankreich, man rang in einem Testspiel Peru ein glückliches 2:1 ab und der „Nations League“-Abstieg ist, spätestens seit dem desolaten 0:3 gegen die Niederlande, bedrohlich nahe.

Läuft bei uns!

Aber wen wundert’s?! Löw spricht von Veränderungen, doch wo sind sie geblieben?

Ist die Defensive stabiler geworden? Seit der Abreibung gestern wissen wir, dass dem nicht so ist. Und kommt mir jetzt nicht mit dem 0:0 gegen die Franzosen. Wenn ich mein Offensivspiel komplett einstelle und gegen eine Kontermannschaft wie Frankreich spiele, kann nichts Anderes als ein torloses Remis rauskommen – völlig egal, ob ich die DFB-Elf trainiere oder die TuS aus Koblenz.

Das Spiel gegen die Niederländer war eine „Eins-zu-Eins-Kopie“ der WM-Partie gegen Mexiko. Wir hatten keinen Drive nach vorne, wurden ausgekontert und sollten dem lieben Gott dafür danken, dass unsere Gegner sich beim Tempogegenstoß häufig relativ blöd anstellen. Wenn wir so gegen Frankreich gespielt hätten, hätte allein Mbappe uns drei Tore eingeschenkt. Dann noch Griezmann, Pogba und wahrscheinlich selbst Giroud, der Chancentod.

Apropos Chancentod: 39 Torchancen haben wir bis dato in der Nations League kreiert, null Tore sind dabei rausgekommen. Ergo: Unser Offensivspiel krankt nach wie vor.

Gut, das sollte auch niemanden wirklich wundern, wenn der Bundestrainer torgefährliche Flügelflitzer (z.B. Sané und Brandt) gewissenlos auf der Bank versauern lässt und stattdessen lieber auf „Strafraumgespenster“, wie Nils Petersen oder Mark Uth, setzt – zwei Spieler, bei denen der Gegner erstmal bei Wikipedia nachschlagen muss, wer zur Hölle die beiden überhaupt sind.

Doch ich will fair bleiben: Deutschlands Eltern haben es versäumt, Anfang der 90er einen echten Topstürmer, wie Klose oder Klinsi, zu zeugen. Keine Frage, eine blöde Sache. Das sind wir alle schuld! Dennoch könnte man auf einen Max Kruse, der sogar bei Werder trifft (23 Treffer in 59 Spielen), oder einen Sandro Wagner zurückgreifen. Schade, dass Jogi in puncto Geld verlieren wie auch Wichsvideos keinen Spaß versteht und zudem der Meinung ist, dass Petersen mehr Qualität als der Bayernstürmer hat. Aber wie heißt es so schön: »Jogi Löws Personalentscheidungen sind unergründlich.«

Ich bete für Sané, kriege aber Uth!

Ich habe allerdings noch zwei Fragen zum Thema „Umschaltspiel“. Woher kommt eigentlich der Optimismus, dass wir mit „Jogis Eleven“ ein Spiel schnell überbrücken könnten? Erstens fehlt es uns an einem Modric oder James, also einem richtigen Spielmacher, der das Spiel lesen kann und gefährliche Pässe an den Mann bringen könnte und zweitens mangelt es vielen unserer Jungs an Tempo.

Allein wenn ich Hummels und Kroos über den Platz schleichen sehe… So lahm wie die beiden sind, kriegen die nichtmal eine Siegerurkunde bei den Bundesjugendspielen. Da hilft es auch nichts, sich mit EA anzulegen, lieber Mats! Und der Name „Querpass-Toni“ kommt auch nicht irgendwo.

Ich präsentiere: Die DFB-Elf beim Lauftraining

Wenn ich doch sowas weiß, dann habe ich zwei Möglichkeiten: Ich nominiere andere Spieler, die zu dem passen, was ich spielen möchte oder ich änder mein System. Die taktische Veränderung, weg vom Ballbesitzfußball, sehe ich nach wie vor nicht und statt mit der Doppelsechs lediglich mit einer zu spielen, ist bei weitem keine neue Formation.

Erlaubt mir die Frage, aber warum halte ich weiterhin an einer Aufstellung mit vier Verteidigern fest, wenn ich die Außen mit Hector und Ginter besetzen muss, weil wir (bis auf Kimmich) keine gescheiten Außenverteidiger haben? Unser Anspruch ist der Titel! Marvin Plattenhardt oder Nico Schulz sind von dem Prädikat „Weltklasse“ weiter entfernt als ich von einem Dreier mit Lena Gercke und Olivia Culpo. Warum also nicht mal ein 3-4-2-1 oder etwas Vergleichbares ausprobieren?

Bei der WM-Analyse wurden auch andere Systeme besprochen. Man war sich wohl relativ zügig einig.

Abschließend will ich auf das Thema „Selbstkritik“ eingehen: Wenn sich Mats Hummels, wohlgemerkt nach einer 0:3-Klatsche, vor die Kameras stellt und ernsthaft behauptet, dass man hätte gewinnen müssen und es lediglich an der Chancenverwertung lag, dann müsst ihr euch auch im Gegenzug die Frage gefallen lassen, ob ihr Lack gesoffen habt?!

Vorne stolpern Müller und Uth durch den Strafraum, Draxler verliert im Aufbauspiel den Ball, Hummels und Boateng verteidigen hüftsteifer als die Golden Girls und Neuer segelt beim 0:1 am Ball vorbei! Ach ne, das erste Gegentor war ja laut Jogi schwer zu verteidigen, weil Virgil van Dijk so groß ist.

Ernsthaft? Hört ihr euch eigentlich selber zu?! Die Wahrheit sieht nämlich meiner Meinung nach etwas anders aus…

Ihr spielt kacke!

Weil ihr viel redet, jedoch wenig tut. Große Analysen macht, aber dann doch nichts ändert. Ihr redet euch nach Spielen wie gegen Frankreich oder Peru vorschnell stark, doch redet im Gegenzug Klatschen wie gegen Holland klein. Feuer gibt’s nur auf der PK, auf dem Platz ist allerdings Ebbe angesagt. Tönte Thomas Müller nicht vor Kurzem noch »Wir wollen uns für unser Land zerreißen!«, zerreißt ihr euch nicht mehr als eure Mäuler.

Kurz und knapp: So gewinnt man keinen Blumentopf! Nicht mit dieser Einstellung, nicht ohne die nötigen Veränderungen und mehr als offensichtlich nicht mit diesem Trainer.

Deshalb mein Appell: Jogi Löw, danke für alles, doch bitte gehen Sie jetzt! Sie haben Ihre Chance bekommen, jedoch nicht genutzt.

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