Joker: Kein Film für jedermann

Warum ich verstehe, dass die Meinungen zu Joker nicht unterschiedlicher hätten sein können, lest ihr im folgenden Review.

Joaquin Phoenix‘ neuster Film, Joker, weiß zu polarisieren. Soviel ist schon mal sicher. Denn die Meinungen zur DC-Verfilmung könnten unterschiedlicher nicht sein. Von „Meisterwerk“ bis zu „völlig überbewertet“ habe ich alles gelesen. Das hat mich natürlich überaus neugierig werden lassen, weswegen ich mir prompt Tickets für den Blockbuster bestellt habe.

Wie Joker letztlich bei mir ankam und warum ich sogar verstehe, dass Todd Phillips‘ düsteres Werk derart unterschiedliche Gefühle bei den Zuschauern auslöst, lest ihr im folgenden Review.

Das Richtige erwarten!

Wer ein klassisches Comic-Abenteuer erwartet, der wird nach dem Abspann, ohne Wenn und Aber, enttäuscht sein. Zwar spielt der Film im fiktiven Gotham City, dennoch sollte man sich bereits im Vorfeld darüber im Klaren sein, dass es sich, obschon des DC-Stempels, bei Joker um ein waschechtes Drama handelt.

Hartnäckigen Puristen ist inter alia zu raten, den Film als eigenständiges Werk zu betrachten. Joker stellt nämlich hin und wieder Verbindungen zum allseits bekannten Batman-Universum her, welche jedoch nicht immer mit den Comics, Videospielen, etc. in Einklang zu bringen sind. Wer sich an so etwas stören kann, sollte sich den Zehner/Zwanni fürs Kino sparen.

Weitere Info für die Zartbesaiteten unter euch: Joker hat relativ zügig eine Debatte über Gewalt in Filmen ausgelöst; meiner Meinung zu unrecht. Ich persönlich empfinde Todd Phillips‘ Interpretation weder als zu brutal noch auf irgendeine Art und Weise als schockierend. Selbstverständlich ist das ausschließlich mein subjektiver Eindruck.

Drei Akte und hunderte Meinungen

Das zweistündige Drama lässt sich relativ problemlos in drei Akte aufteilen:

  1. Wir lernen Arthur kennen; einen mitleidserregenden, psychisch angeknacksten Einzelgänger, der es nicht schafft im Leben Fuß zu fassen und trotz aller Gutherzigkeit vom erbarmungslosen Gotham City schlecht behandelt wird.
  2. Arthur versucht sich zu emanzipieren, schafft dies allerdings nicht.
  3. Die Geburtsstunde des Jokers.

Der erste Akt wird von Kritikern wie auch Zuschauern weitestgehend positiv aufgenommen. Hier dürfte es eigentlich keine zwei Meinungen geben.

Die Figur Arthur Fleck, verkörpert von Joaquin Phoenix, weiß den Zuschauer zu berühren. Wer in den ersten 30 Minuten des Films nicht nachdenklich gestimmt wird oder nicht das tiefste Bedürfnis entwickelt, den gescheiterten Clown/Comedian aus seiner tristen, traurigen Welt zu befreien, sollte seinen Kardiologen mal fragen, ob er nicht vielleicht ein Herz aus Stein hat. Denn was wir im ersten Drittel präsentieren bekommen, ist einfach fabelhaft. Ganz großes Kino. Punkt.

Dieser Umstand ist vor allem Joaquin Phoenix zu verdanken, welcher, wie gewohnt, auf ganzer Linie zu überzeugen weiß. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass er für seine Leistungen in Joker mit dem Oscar für den besten Hauptdarsteller prämiert wird.

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Der zweite Akt hat indessen nicht nur Fans, sondern ebenso Kritiker.

Während der eine Teil der Zuschauerschaft das ausgeklügelte Drehbuch, welches für den besonders aufmerksamen Zuschauer einiges auf Lager hat, zu schätzen weiß, sollte der andere eher gelangweilt in Richtung Leinwand blicken. Denn wohl wahr: Wer kein sonderlich großes Interesse hat, ausschließlich Arthurs fortschreitenden Niedergang zu verfolgen, sollte relativ schnell von den unnötig langen Tanzszenen genervt sein oder sich im Allgemeinen einen Ticken mehr Action bzw. Handlung wünschen.

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Der dritte Akt, das große Finale, sorgt selbstredend für am meisten Gesprächsstoff. Ich persönlich bin ebenfalls nicht restlos zufrieden mit den letzten 30 Minuten.

Das liegt meines Erachtens daran, dass Joaquin Phoenix zwar ein hervorragender Arthur Fleck ist, jedoch meine Erwartungen an einen Joker nicht erfüllen kann. Der Superschurke Nummer Eins ist in meinen Augen ein Spaßvogel, der schlicht und ergreifend absolut unberechenbar ist. Ich hätte mir gewünscht, dass sich der Versager, Arthur, mit dem Auftragen der Schminke von jetzt auf gleich komplett verwandelt – also sein eigentliches Ich ablegt. Doch in diesem Film sind Arthur und der Joker ein und dieselbe Person. Das hat mich enttäuscht.

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Das soll Joaquin Phoenix‘ bockstarke schauspielerische Leistung natürlich keinesfalls schmälern. Diese Kritik richtet sich viel eher an die Drehbuchautoren (Todd Phillips und Scott Silver), die meines Erachten an dieser (eminent wichtigen) Stelle leichtfertig Potenzial verschenkt haben.

Doch tatsächlich nur an dieser Stelle! Denn abgesehen von den bereits erwähnten Stärken des Skripts, finde ich es mutig, wie arrogant und blind die (sonst so aalglatten) Waynes oder der Showmaster, Murray Franklin, dargestellt werden. Ebenso finde ich es bemerkenswert, wie gut der Film mit seiner „Flashmob-Kultur“ in die heutige Zeit passt. Vor fünf Jahren hätten wir die Entwicklungen in Joker sicherlich noch für unrealistisch gehalten, heute halten wir diese für schlüssig. Bravo!

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Kein Meisterwerk, jedoch gut!

Wie wir sehen, liegt auch bei Joker, wie so oft, die Wahrheit in der Mitte.

Für ein Meisterwerk hat Todd Phillips Werk mir persönlich zu viele Schwächen. Dafür hätte zum Ende hin mehr Pfeffer drin sein können, ebenso habe ich mir vom Joker selbst, deutlich mehr erwartet.

Overrated ist der Film anderseits genauso wenig. Dafür hat Joker bei mir für zu viel Gänsehaut gesorgt. Des Weiteren lobe ich es, wie gekonnt der Film diverse Themen unserer Zeit anzusprechen weiß.

Meine Wertung: 4/5 Sternen, für Kenner 7/9

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