JSDI – Juri sucht den Internet-Star

Du willst ein Star im Internet sein? Juri macht dich zu einem!

Erfolg im Internet zu haben war noch nie so leicht wie heute. Vergiss Apps, mit denen Du Follower kaufen kannst, hör auf 1000 Accounts am Tag zu folgen, um ihnen dann wieder zu entfolgen und spar Dir das Geld für teure Social Media-Berater.

Befolg einfach die folgenden Tipps und ich garantiere Dir, Du bist binnen kürzester Zeit eine Größe im Netz.

1. Hass ist King!

Content ist König? So ein Schwachsinn! Hass und Pöbeleien sind der Schlüssel zum Erfolg. Je mehr, desto besser. Plane keine Tweets mehr. Hau alles raus. Veröffentliche jeden Gedanken, den Du hast. Dann bist Du bei der richtigen Frequenz angekommen.

Es ist wie im echten Leben: Wer lauter ist, hat recht. Und das Beste: Im Netz kann Dich niemand dafür verkloppen.

Natürlich musst Du Dich auf dem Laufenden halten, um kräftig mitzumischen. Aber keine Sorge, dafür musst Du nicht zwangsläufig diese schrecklich langweiligen Nachrichten verfolgen. Schau einfach auf die Trends, zu welchen Hashtags gerade gewutbürgert wird und spring mit auf den Zug. Frei nach dem Motto: Trittbretttwittern ist die neue Recherche.

Die anderen haben schließlich auch keine Ahnung. Warum also solltest gerade Du Dich zu Themen und Sachverhalten unnötigerweise informieren? Danken wird es Dir eh niemand.

2. Sei politisch!

Es gibt diese Tage – ja, es klingt schrecklich – an denen niemand dem Internet den Gefallen tun möchte, die Zielscheibe des Tages zu sein. Aber lass dich nicht entmutigen, denn in der Politik passiert täglich etwas Neues, weshalb diese Klassiker immer funktionieren:

Anti-AfD-Tweets

Jeder weiß natürlich, dass Du selbst unter dem Einfluss mittelschwerer Opiate problemlos bis zehn zählen könntest und folglich bei keinem Pegida-Fackelzug mitmachen würdest. Dennoch kann es nicht schaden, dass mehrfach am Tag zu betonen und Andersdenkende als dumm oder Nazis (gerne auch in Kombination) zu beschimpfen.

Oder besser: Suche nach Tweets, die Dir nicht passen und kommentiere sie mit „1933 hat angerufen. Es will deinen Tweet zurück!“. Der ist der Brüller! Den kannst du nicht häufig genug bringen.

Oder sei gegen sogenannte „Gutmenschen“

Warum auch immer, kann es ja auch natürlich so sein, dass Du lieber in der rechten Szene Fans gewinnen möchtest. Da hast Du im Netz leichtes Spiel. Teile einfach jeden Beitrag, in dem ein Flüchtling (oder jemand, der nur ansatzweise so aussieht) bei rot über die Ampel gelaufen ist und füge ein „Danke Merkel“ hinzu.

Flüchtlinge nennst du u.a. nicht mehr Asylanten sondern Rapefugees, Sniggers oder Schmutzmenschen und Integrationsbefürworter bezeichnest Du zukünftig als Gutmenschen, Bahnhofsklatscher oder links/grün-versifftes Pack. Hierbei sind deiner Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Anti-Trump-Tweets

Osama bin Laden, Saddam Hussein und Adolf Hitler waren gestern, denn die Welt hat ein neues Feindbild: Donald Trump.

Unser Donald hat gegenüber den anderen Diktatoren sogar immense Vorteile, denn a) er lebt noch und b) er twittert sogar selber. Wer weiß? Wenn Du Dir genug Mühe gibst, wirst auch Du vielleicht eines Tages von ihm beleidigt werden.

Trump liebt es zu beleidigen. Es ist deine große Chance! (Quelle: Twitter @realDonaldTrump)

Diesen Tweet solltest Du Dir dann ausdrucken und an die Stelle hängen, wo Menschen, die keine Versager sind, ihre Pokale ausstellen.

Und auch das restliche Politikgeschehen…

…kannst Du natürlich gerne kommentieren. Faustregel hierbei: Alles was am Stammtisch geht, kannst Du auch im Internet bringen. Für jede These gibt es einen Abnehmer. Garantiert!

3. Talentfrei? Gar kein Problem!

Du kannst weder richtig lesen noch schreiben? Das sollte dich nicht aufhalten. Auf Rechtschreibung und Grammatik achten im Internet nur die Wenigsten. Aber auch als kompletter Analphabet kannst Du es im Netz weit bringen – vorausgesetzt Du siehst gut aus.

Dann postest Du statt langen Texten von 140 Zeichen einfach Selfies bei Instagram, dokumentierst bei Snapchat dein Leben und bei YouTube öffnest Du Verpackungen von teuren Konsumgütern oder zeigst Menschen, wie Du Dich schminkst.

Das kann dir auch bei Twitter oder Facebook weiterhelfen! Denn während ich mir etwas Lustiges aus den Fingern saugen muss und dafür im Bestfall vielleicht 10 Likes und ein „Halt die Fresse!“ bekomme, muss Bibi, die alte Sparlampe, welche irgendeinen Kosmetikrotz bei YouTube veranstaltet, nur „Hallo my BFFs! <3“ posten und bekommt dafür mindestens 1000 Likes. Das klingt doch super, oder?

Ich verstehe ja schon nicht, warum man das liked. Aber warum zum Geier retweetet man sowas?!? (Quelle: Twitter @BibisBeauty)

Denke aber immer daran: Sex sells! Knappe Klamotten und etwas Titten zeigen hat noch nie geschadet. Vorausgesetzt natürlich, Du bist eine Frau. Männer sollten am besten Fotos aus dem McFit posten. Vergiss aber nicht, die 1kg-Hanteln, mit denen Du in Wirklichkeit trainierst, für Dein Selfie gegen schwere Gewichte auszutauschen.

4. Schalt die Glotze ein!

Deine Freizeit sollte im Idealfall ausschließlich aus Fernsehen bestehen. Bist Du arbeitslos, bist Du klar im Vorteil. Je mehr Zeit Du vor der Flimmerkiste verbringen kannst, desto besser. Denn über TV-Shows wird immer getwittert.

Du hast keinen Fernseher? Nicht schlimm! Twitter 1x Tag, dass du keinen Fernseher hast, weil da eh nur Scheiße läuft und schwärme vom Geruch von Büchern.

Wichtig hierbei: Sei der Schnellste, Witzigste, gerne auch der Derbste und lass an nichts und niemandem ein gutes Haar. Keiner will etwas Nettes lesen. Vergiss nicht die Regel Nummer 1: „Hass ist King!“. Wir wollen unsere Stars nicht anhimmeln. Wir wollen sie brennen sehen!

Hier eine kleine Liste von Programmhinweisen, die Du Dir nicht entgehen lassen solltest:

  • Die klassische RTL-Gehirnzellenmassaker-Olympiade bestehend aus #ibes, #DSDS, #BauerSuchtFrau und #sg (Schwiegertochter gesucht)
  • #WWM aka „Wer wird Millionär?“ – Kleiner Tipp am Rande: Google am besten die Antworten und reibe allen unter die Nase, wie schlau Du doch bist.
  • Fußball – Aber nicht vergessen: Jeder Kommentator ist scheiße und hat keine Ahnung! Red Bull Leipzig und andere „Plastikklubs“ sind des Teufels!
  • Tatort – Denke daran: Jeder Tatort ist prinzipiell kacke und im Laufe der Sendung solltest Du vermelden, dass Du jetzt umschalten und Dir den neumodischen Dreck nicht mehr geben wirst. #RIPSchimanski
  • #dopa aka „Doppelpass“ – Beschwer dich, die Experten seien inkompetenter als Ronald McDonald und Chiara Ohoven, die Studiotechnik sei so miserabel, als wäre sie der UdSSR nach dem Kalten Krieg abgekauft worden und merke regelmäßig an, dass es zu viele Werbepausen gibt. Das hat noch niemand getan.

Nun bist du bist bereit!

Sicherlich war das nur das kleine 1×1 eines Internet-Wutbür… ich meine Stars, aber ich garantiere Dir, dass Du es auf diese Weise ziemlich weit bringen wirst.

Ja! Zeig es den Losern im Netz!!!

Du kannst es natürlich auch auf eine moderate wie auch seriöse Art und Weise probieren. Das wäre zwar edelmütig, aber das will keiner sehen. Ich versichere Dir, dass Du dir ziemlich schnell wie ein Zirkusdompteur, der von einer Horde Affen mit Kacke beworfen wird, vorkommen wirst. Bleib also lieber beim Altbewährten: Hass, Politik, TV und im Idealfall dazu noch gut aussehen.

Also was verschwendest Du Deine Zeit noch mit lesen? Nimm Dein Handy in die Hand. Feuer frei!

Hilf dem Büriff und verkünde seine frohe Botschaft!
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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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