Juris Handy-Knigge

Du willst nicht, dass ich dir dein Handy in den Rachen schiebe? Gut! Dann solltest du das Folgende sorgfältig lesen.

Der Knigge hat uns so einiges gelehrt: Ellbogen runter vom Esstisch, der Ältere der beiden bietet das „Du“ an, ladys first, uvm. Es gibt eigentlich so gut wie nichts, wofür der Knigge keine Benimmregel parat hat. Viele von ihnen haben sich etabliert, während andere wiederum bewusst ignoriert werden und dann gibt es noch Themen, die scheinbar noch gar nicht aufgegriffen worden sind – der Umgang mit Handys und Smartphones zum Beispiel.

Gerade hier fällt mir regelmäßig auf, dass wir es immer noch nicht geschafft haben, uns auf einen gemeinsamen Nenner bzw. gesellschaftlichen Konsens zu einigen. Aber okay, die Teile gibt’s ja auch erst seit den Neunzigern.

Sei’s drum! Wo der Knigge versagt, schreitet der Büriff zur Tat. Also Folgendes bitte lesen und umsetzen! Danke.

1. Dein Handy klingelt? Verschwinde vom Tisch!

Ich weiß, du hast 1.000 Freunde bei Facebook, 10.000 Follower bei Instagram, du kriegst für ein »Whats up, friends?« mehr Resonanz als ich in meinem ganzen Leben je bekommen werde und auch sonst bist du enorm wichtig und supertoll. Schon klar, dass du dich bei all der Attention für den Mittelpunkt der Erde hältst.

Ich will dir dennoch eines verraten: Du bist es nicht! #DieWahrheitTutWeh

All lights on me! Denn ich bin besonders. XOXO

Ich meine, wer kennt es nicht: Man sitzt mit ein paar Freunden am Tisch, führt eine spannende Unterhaltung, alles cool, alles lustig, bis das Handy klingelt. Und nur, weil du infolgedessen deinen Paradearsch nicht ins nächste Zimmer verfrachtet bekommst, gilt für alle Beteiligten ab sofort Funkstille – für alle, außer dir, mein süßer Mittelpunkt der Erde.

Häufig kriegt man ja dann ein »Stört euch doch nicht an mir! Redet ruhig weiter.« zu hören.

Eine hervorragende beschissene Idee! Denn wie läuft das im Normalfall denn ab? Nicht gerade wenige Menschen neigen beim Telefonieren zum Schreien, was zur Folge hat, dass die anderen am Tisch versuchen werden, diese Person zu übertönen, woraufhin der Telefonierende automatisch ein Stückchen lauter wird, dann die Anderen wieder… Kurzum: Es wird lauter als im Affenhaus. Ein vernünftiges Gespräch ist kaum noch möglich. So macht das alles doch keinen Spaß mehr!

Ergo: Da einfach weiterreden erwiesenermaßen eine ziemlich beschissene Idee ist, solltest du im Bestfall das Zimmer wechseln. Dein Umfeld wird es dir danken.

2. Nimm Rücksicht!

Natürlich gibt es Situationen, in denen man nicht einfach das Zimmer zum Telefonieren verlassen kann – im Büro zum Beispiel. Dann ist aber Rücksicht angesagt! Das heißt: Während du telefonierst, sollten die Anderen im Raum noch in der Lage sein können, zu denken bzw. ihre eigenen Gedanken zu hören.

Was einem ein wenig schwerfallen sollte, wenn du die ganze Zeit, wie ein infantiles Walross, am lachen und grunzen bist und darüber hinaus alle Banalitäten der Welt in einer Lautstärke besprechen musst, als würdest du Lachs auf dem Fischmarkt verkloppen.

Daher: Wenn du schon in aller Öffentlichkeit telefonieren musst, dann mach es doch bitte leise und halt dich kurz.

Ob du mal gepflegt die Klappe halten kannst, hab ich gefragt!?

Aber nicht nur im Büro, auch an anderen Orten solltest du (allein deiner selbst Willen) überlegen, wie laut du etwas erzählen möchtest.

Was habe ich nicht schon alles in der Bahn (unfreiwillig) mitbekommen? Jeremy hat von Nancy einen Tripper. Lucy konnte im Pimkie fünf Shirts klauen, weil Roxy Schmiere gestanden hat. Susi hält nichts von der Pille, sie verhütet lieber mittels Abtreibung.

Allesamt spannende Geschichten, keine Frage. Fraglich nur, ob sie wirklich jeder mitbekommen sollte oder (um beim Thema zu bleiben) gar mitbekommen möchte?

3. Mach die scheiß Tastentöne aus!

Eigentlich selbsterklärend: Wenn du beim Tippen deiner WhatsApp wie eine Thompson aus dem zweiten Weltkrieg klingst, nervst du alle Anderen im Umkreis von fünf bis zehn Metern. Denk mal drüber nach!

By the way: Klingeltöne sind auch nicht das Gelbe vom Ei – vor allem in Zeiten, in denen fast jeder das gleiche Gerät besitzt.

4. Dein Smartphone ist kein Ghettoblaster

An alle Asis, die durch die Fußgängerzone gehen und Gangster Rap über ihre Handy-Lautsprecher hören:

  1. Die Soundqualität ist scheiße.
  2. Das Lied, das du hörst, ist scheiße.
  3. Du bist scheiße.

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Für alle, die sich nun angesprochen fühlen:

  1. Lasst es!
  2. Hört auf, euch fortzupflanzen.

Mehr gibt es dazu grundsätzlich nicht zu sagen.

5. Streiten über WhatsApp? Nö!

Ich hasse eigentlich so ziemlich an WhatsApp! Ich hasse WhatsApp-Gruppen. Ich hasse Animationen von singenden Küken. Ich flirte nicht gerne via WhatsApp. Aber am meisten hasse ich es, wenn jemand mit mir mittels WhatsApp diskutieren oder streiten möchte.

Zum einen ist mir meine Zeit dafür viel zu schade. Ich verfüge über ein flottes, gesundes Mundwerk. So schnell kann kein Mensch der Welt tippen. Warum sollte ich mir also die Mühe machen, dir mein Anliegen mühsam zu texten. Alles viel zu fummelig, wie ich finde.

Des Weiteren halte ich Textkommunikation für immens störanfällig. Ironie wird nur seltenst verstanden, Aussagen werden missinterpretiert, usw. Weswegen ich mich dazu genötigt fühle, unzählig viele Smiley zu nutzen, so wie ein kleines Mädchen, nur um bloß nicht falsch verstanden zu werden.

Langer Rede, kurzer Sinn: Meiner Meinung nach eignet sich WhatsApp nicht zum Diskutieren. Warum sich stundenlang mittels Textnachrichten anzicken, wenn man genauso gut fünf Minuten lang telefonieren kann?

6. Immer diese Videos

Hört doch auf, mir ständig irgendwelche Videos zeigen zu wollen, wenn wir uns sehen. Reicht es denn nicht, dass ich berufsbedingt ungefähr acht Stunden am Tag auf meinen Monitor starren muss? Wäre es jetzt nicht schöner, von Angesicht zu Angesicht zu sprechen. So ganz analog? Altmodisch? Zwischenmenschlicher Kontakt und so?

Schickt mir Videos doch einfach via WhatsApp. Ich gucke sie mir dann später an, wenn ich eh nichts Besseres zu tun habe.

Bitte nicht noch ein weiteres „lustiges“ Katzenvideo!

7. Willst du mich treffen oder dein Smartphone?

Ich kannte mal jemanden, der mich mal zum Kaffeetrinken eingeladen hat und dann in einer Tour (30 Minuten in etwa) gechattet hat. Muss wohl ganz besonders wichtig gewesen sein.

Da ich mit der Zeit ein bisschen neugierig wurde, ob der Person früher oder später mal auffallen würde, dass ich mich tödlichst am langweilen bin, bin ich die ganze Zeit über still geblieben.

Ich beobachte dich so gerne dabei, wie du mich nicht beachtest. <3

Einen Kaffee und eine Coke Zero später, bin ich dann heimgefahren, was der Person (true story!) erst aufgefallen war, als ich auf dem Weg zum Auto war.

Worauf ich hinaus will

Natürlich habe ich kein Problem damit, wenn man mal hin und wieder auf sein Smartphone schaut. Mache ich ja auch. Könnte ja wichtig sein. Manchmal habe ich auch nichts Sinnvolles beizutragen, weswegen ich ab und zu meine Timeline durchscrolle, bis ich wieder etwas zu sagen habe.

Nichtsdestotrotz sollte das Smartphone nie zum Mittelpunkt des Geschehens werden. Wir sehen uns so selten. Wir sollten diese Zeit auch nutzen.

Denn eines ist sicher: Deine Nachrichten, dein Stream, dein Feed, etc. laufen dir mit Sicherheit nicht weg, deine Freude schon.

 

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