Keine Lust mehr!

Warum ich über diverse Themen nicht mehr diskutieren werde.

Ich hätte es nie für möglich gehalten, doch ihr habt es geschafft! Glückwunsch an alle da draußen, die reden, ohne vorher nachzudenken. Gratulation an alle, die so eine miese Diskussionskultur an den Tag legen, dass man inzwischen keine Lust mehr hat, über die wichtigen Dinge des Lebens zu sprechen.

Politik, Umweltschutz, Gesundheit, Ernährung, Bildung, Erziehung, Gleichberechtigung, etc. Allesamt Tabuthemen für mich!

Zu diesen Angelegenheiten werde ich mich zukünftig (so gut es geht) nicht mehr äußern, geschweige denn an irgendwelchen Debatten beteiligen. Soll doch jeder glauben, was er will. Mir doch bumms, weswegen ihr einen Fackelzug startet oder wofür ihr in den Glaubenskrieg zieht.

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Waren es früher die Kreuzzüge oder der Dreißigjährige Krieg, haben wir heute andere Dinge, für die es sich zu streiten lohnt. Die einen kämpfen im Namen der heiligen Greta für einen grünen Planeten, die anderen folgen den Worten des Propheten Thilo Sarrazins, der das Abendland vor muslimischen Invasoren retten will. So what?! Jede Generation hat ihre eigenen Vorbilder – so Panne sie auch sein mögen.

Verlangt bitte nur eines nicht von mir: dass ich das alles als einen gesellschaftlichen Diskurs bezeichne.

Denn das wäre schlicht und ergreifend nicht wahr. Wir haben uns schon lange von einer faktenbezogenen, sachlichen Diskussion verabschiedet. Ich sehe eigentlich nur noch fanatische Fundamentalisten, die blind für ihre eigene Sache kämpfen, ohne sich selbst zu hinterfragen.

Hin und wieder auch nur des Debattieren Willens: Im Jahre 2019 können selbst die banalsten Dinge, wie z.B. Kekse, Frühstücksflocken oder Action-Figuren, Grundsatzdiskussionen auslösen oder weitreichende Folgen haben.

Ja, vielleicht bist auch DU gemeint!

Natürlich fühlt sich jetzt niemand angesprochen! »Juri redet bestimmt von Dummen und den Asis! Ich habe ja eine gute Meinung.«, werden jetzt nicht gerade wenige hier denken. Doch weit gefehlt! Meine Kritik ist als ein Rundumschlag zu verstehen. Manch einer würde aus allen Wolken fallen, wenn ich ihm sage würde, dass ich bei diesem Text vor allem an ihn denke.

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Denn ich halte das eben Beschriebene nicht für eine Frage des Milieus, der Bildung, des Einkommens, der Parteizugehörigkeit, der Herkunft, etc. Was mir letzten Endes die Lust am Meinungsaustausch genommen hat, ist viel eher als ein gesellschaftliches Problem zu verstehen, welches sich stringent durch alle Schichten hindurchzieht.

Dabei sind mir insbesondere die folgenden Tatsachen negativ aufgefallen…

1. Dualistisches Denken

Man kann sich das Leben relativ einfach machen, indem man die Welt in gut/schlecht, richtig/falsch oder schwarz/weiß unterteilt. Wozu sollte man auch hier und da ein wenig differenzieren? Dafür fehlt uns doch allen die Zeit!

Dazwischen gibt’s nichts!!!1!

Infolgedessen gibt es selbstverständlich auch nur die eine Wahrheit! Glücklicherweise hast DU sie gefunden. Eine großartige Grundlage, um eine Diskussion zu starten.

2. Lagerbildung

Ein weiterer Vorteil eines dualistischen Denkens: Man findet sehr schnell Freunde bzw. Gleichgesinnte, die ebenso auf der richtigen Seite stehen.

Gemeinsam wutbürgern macht gleich viel mehr Spaß!

In der heutigen Zeit gehört es ja zum guten Ton, sich selbst mit einem Etikett zu versehen. So schreibt man am besten gleich sofort in seine Profilbeschreibung, welche Parteipräferenz oder Ernährungsgewohnheiten man hat, sodass Andere auf den ersten Blick sehen können, ob es sich um einen Freund oder Feind handelt. Ich halte das ja für verdammt praktisch! Wozu wertvolle Zeit verschwenden?

»Ein Jemand, der solch essenzielle Dinge anders sieht als ich, könnte ohnehin nie ein Freund von mir werden. Eigentlich ist das sogar voll nett von mir! So weiß mein Gegenüber gleich im Vorhinein, dass er mit den anderen Hunden draußen bleiben darf. Und nein, selbstverständlich hat das nichts mit Oberflächlichkeit oder Vorverurteilung zu tun, wenn ich einen Menschen anhand von ein, zwei Faktoren direkt in eine Schublade stecke.« (Menschen im Jahre 2019)

Das Schönste ist jedoch, also wenn man ausschließlich von Gleichgesinnten umgeben ist, dass man in seiner Meinung regelmäßig bestätigt wird. Man hat ja jeden Andersdenkenden bereits exkommuniziert. Super Sache! Und falls dann doch jemand auf die blöde Idee kommen sollte, aufzumucken, wird halt gemeinsam auf den Querulanten eingedroschen. #TEAMGEIST

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Ich könnte jetzt natürlich anfangen, von Filterblasen zu sprechen. Aber wer will das schon hören?

3. Selektive Wahrnehmung

Auch so ein wunderbares Phänomen unserer Zeit: die Rosinenpickerei. Da werden selbstverständlich nur die Quellen, Forschungsergebnisse, Experten, etc. in Betracht gezogen, welche die eigene Argumentation stützen. Der Rest ist Fake News!

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Nicht ohne Grund: Informationen, welche unsere eigene Ansicht bestätigen, werden zum einen vermehrt wahrgenommen, zum anderen wird ihnen eine höhere Bedeutung (als eigentlich notwendig) beigemessen. Bei Informationen, die unserer Sicht auf die Welt widersprechen, verhält sich das erwartungsgemäß gegenteilig.

Selbstredend betrifft uns das alle. Davon kann sich niemand freisprechen. Lob dem, der sich darüber bewusst ist.

4. Das richtige Arbeiten mit Zahlen & Fakten

Ich schätze es sehr, wenn mein Gegenüber mit Fakten argumentiert. Zahlen lügen nicht – also sofern man in der Lage ist, sie ins richtige Verhältnis zu setzen. Daran hapert es allerdings bei so einigen.

Viele wissen scheinbar nicht, dass es ein Leichtes ist, mit Zahlen Schindluder zu betreiben. Dafür muss man nicht mal lügen. Man muss lediglich wissen, wie man die Ergebnisse zu seinen Gunsten visualisiert.

Wer sich gerne ein bisschen intensiver mit dem Thema beschäftigen möchte, kann sich guten Gewissens die folgende Doku der ARD mal anschauen. Hier werden ein paar Tipps und Tricks gezeigt, wie man Zahlen zu seinen Gunsten aufbereitet.

5. Mangelnde Medienkompetenz

In vielen Diskussionen komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus, wenn ich höre, auf welche Quellen sich mein Gegenüber bezieht. Da wird aus dem Wächter, den PI-News oder dem Postillon zitiert. Offensichtlich scheint es in diesem Land an allen Ecken und Enden an Medienkompetenz zu mangeln, wenn ich sehe, wie unkritisch gelesen wird.

Da braucht sich auch niemand zu wundern, dass Fake News Hochkonjunktur haben bzw. sich schneller verbreiten als eine Magen-Darm-Grippe in einer Kita.

Vor einiger Zeit habe ich zu dem Thema „Fake News“ schon mal etwas geschrieben.

6. Keinen Blick fürs Big Picture

Große Teile unserer Gesellschaft sind scheinbar nicht in der Lage, das Wichtige vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Es wird ständig über irgendwelche Nichtigkeiten oder Nebenschauplätze diskutiert. Ein Blick fürs große Ganze haben jedoch nur die Wenigsten.

Vor allem im Netz macht sich das regelmäßig bemerkbar. Da werden Themen künstlich aufgeblasen, die keine sind. Kaum auszuhalten.

7. Ständig dieses normative Geschwätz

Ja, auch ich weiß, wie eine perfekte Welt auszusehen hat. Danke für den Hinweis. Aber – Willkommen in der Realität, du Hippie! – die Welt ist nun mal so, wie es ist. Sie ist kein gerechter Ort und sie wird auch nicht besser davon, indem du utopische Sachen forderst, die auf dem Papier zwar ganz nett aussehen, aber in der echten Welt (vorerst!) nicht umzusetzen sind.

Worauf ich hinaus will: Es mangelt nicht gerade wenigen Weltverbesserern an einem gesunden Bezug zur Realität.

Haltet mich ruhig für einen Unmenschen, ich selbst sehe mich eher als Pragmatiker, wenn ich darum bitte, über Realpolitik oder tatsächlich Umsetzbares zu sprechen. Für alles Andere solltest du dich lieber an Menschen wenden, die nur singen und klatschen in der Schule hatten.

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By the way: Ich würde es gar nicht mal so übel finden, wenn Soziologen und Pädagogen Makroökonomie I & II im Lehrplan stehen hätten. Ich bin es nämlich leid, zu erklären, warum der Satz »Müssen wir denn alle so viele T-Shirts im Schrank haben?« absoluter Unfug ist.

8. Ein Tonfall zum Reintreten

Hate Speech, Hetzte im Netz und schlag mich tot. Was soll ich mir jetzt die Finger wundschreiben? Ihr wisst doch selbst gut genug, was für einen aggressiven, belehrenden Tonfall einige Internetnutzer an den Tag legen. Dafür muss ich keine Beispiele nennen.

Ich für meinen Teil habe da nur wenig Lust drauf, weswegen ich mich immer häufiger dazu entscheide, nicht mehr auf den ein oder anderen Troll einzugehen. Führt in den meisten Fällen ja eh zu nichts.

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Leute, es ist 5 vor 12!

Dass Menschen immer häufiger anfangen, nicht mehr miteinander zu sprechen oder diverse Themen kategorisch zu meiden, ist eine sehr bedenkliche Entwicklung. Ich glaube, wir haben es als Gesellschaft verpasst, rechtzeitig die Kurve zu kriegen. Inzwischen gibt es Lager, die nicht mehr in der Lage sind, (konstruktiv) miteinander zu kommunizieren. Ebenso sehe ich immer Menschen, die derart gebrainwashed sind, dass man meinen könnte, sie würden einer Sekte angehören.

Wie wir als Gesellschaft diesen Teufelskreis wieder verlassen können, weiß ich nicht. Ich für meinen Teil weiß nur, dass ich so langsam keine Lust mehr habe, meine Energie in unsinnige Diskussionen, die nicht selten zu keinem Ergebnis führen, zu stecken. Ich habe auch keinen Bock mehr darauf, mich jedes Mal zur Zielscheibe zu machen, wenn ich etwas Kontroverses von mir gebe. Ich bin da bei Stefan Kretzschmar, der einst gemahnt hatte, dass wir uns selbst unserer eigenen Meinungsfreiheit berauben.

Wir haben uns zu einem sehr unsympathischen Volk entwickelt. Wir geben uns altklug, sind belehrend und haben vergessen, vernünftig miteinander zu sprechen. Wir richten über Andere, in einer Art und Weise, die uns nicht zusteht. Und so viele Mitglieder unserer Gesellschaft fahren inzwischen ihren eigenen Film, ohne jemals ihre Blase zu verlassen, sodass es mir schwer fällt, sie noch für voll zu nehmen.

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Macht ruhig weiter so. Ich kann es ja eh nicht ändern. Jedoch ohne mich. Ich bin raus!

Bildquellen

„portrait-3757153_1280“ von Stefan Keller @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: Pixabay Lizenz

„Himmel Hölle Verkehrszeichen“ von Gerd Altmann @Pixabay. Lizenz: Pixabay Lizenz

„children-593313_1280“ von StartupStockPhotos @Pixabay. Lizenz: Pixabay Lizenz

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