#KovacOUT: Time to say goodbye

Warum das Kapitel Kovac beim FC Bayern beendet gehört.

Eines vorweg – was viele von euch wahrscheinlich überraschen wird: Ich persönlich halte Niko Kovac nicht für einen schlechten Trainer.

Was der 47-jährige in Frankfurt geleistet hat, ist der Wahnsinn! Ohne nennenswerte Mittel hat er die Eintracht vor dem Abstieg bewahrt, Spieler wie Jovic, Haller oder Rebic zu dem gemacht, was sie heute sind und der Pokalsieg mit den Hessen war ein Meisterstück, das ihm so schnell niemand nachmachen wird. Zudem bin ich über alle Maßen überrascht, wie spannend der Titelkampf tatsächlich noch geworden ist. 9 Punkte: Das muss man erstmal aufholen!

Ich bleibe dabei: Niko Kovac ist in meinen Augen kein schlechter Trainer.

Doch die Bayern brauchen einen guten!

Und bei allem Respekt: Das ist der Kroate (leider) nicht. Ich habe es mir gewünscht. Ich habe ihm viele Chancen gegeben. Wahrscheinlich mehr als sonst jemand. Aber trotz aller Sympathien für Kovac, bin ich der Meinung, dass eine Trennung zwischen ihm und dem Rekordmeister das Beste für alle wäre. Denn Butter bei die Fische: Niko Kovac und der FC Bayern München, das passt einfach nicht zusammen!

Dafür gibt es viele Belege: Unruhe in der Mannschaft, eine wackelige Defensive, eine teils ideenlose Offensive, etc. Ihr wisst selbst, was diese Saison bei den Münchnern nicht richtig läuft.

Die FCB-Saison 2018/19 als Bild.

Deshalb will ich das Offensichtliche an dieser Stelle nicht zum tausendsten Mal wiederholen. Stattdessen will ich lieber darüber schreiben, wo die Ursachen liegen und weswegen die Ehe Kovac/FCB (spätestens nach dieser Spielzeit) geschieden gehört.

1. Die (strategische) Ausrichtung

Was hat der FC Bayern München mit der kroatischen Nationalmannschaft gemeinsam?

  • Beide Teams gelten als starke Offensivmannschaften.
  • Beide Mannschaften haben eine sehr komplizierte Führungsetage.
  • Beide funktionieren unter Kovac nicht so, wie sie es sollten.

Es ist auch naheliegend! Niko Kovac ist (ähnlich wie Jose Mourinho) ein Mann der Defensive bzw. ein Spielzerstörer. Er macht die Stärken seines Gegners ausfindig, neutralisiert sie und infolgedessen wird der Gegner blitzartig ausgekontert.

Das kann sehr wohl funktionieren und hat ihn in Frankfurt auch erfolgreich gemacht. Wenn du einen Verein hast, der auf einer derartige Spielweise ausgelegt ist und über ein Team verfügst, das sich bedingungslos auf diese Spielweise einlässt, kannst du damit große Erfolge feiern. Die besten Beispiele: FC Porto, FC Chelsea, Inter Mailand, Italien oder Griechenland.

Allesamt hässlich, allesamt erfolgreich! Die bittere Wahrheit.

Für diesen Fußball hatten die Kroaten 2014 allerdings nicht mal im Ansatz die nötige Qualität auf den Defensivpositionen (z.B. Schildenfeld, Corluka). Ein guter Trainer erkennt das und passt sich demzufolge an, was Kovac allerdings nicht tat. Das Ergebnis: Eine anfällige Defensive, eine nur wenig originelle Offensive – und das trotz Superstars wie Modric, Rakitic, Mandzukic. Allesamt Spieler, mit denen man die Champions League gewinnen kann.

Kommt nur mir das irgendwie bekannt vor?

Im Gegensatz zu den Kroaten damals verfügen die Bayern über die nötige Qualität in den Abwehrreihen. Trotz ihrer bekannten Schwächen kann man mit Boateng sowie Hummels bekanntermaßen Weltmeister werden, mit Alaba wie auch Kimmich hat man eine der besten Außenbahnen der Welt. Dass die Ehe Kovac/FCB keine glückliche ist, hat also andere Gründe: Nämlich das Selbstverständnis des Rekordmeisters und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen.

Spätestens seit Louis van Gaal ist das Bayernspiel auf Ballbesitz ausgelegt. Der FCB steht seit der Amtszeit des Niederländers für eine brandgefährliche Offensive, eine der besten Flügelzangen der Welt und Dominanz.

LvG: Meiner Meinung nach der Vater des FCB-Erfolgs!

Alles unabdingbar, wenn man in der Bundesliga Erfolg haben möchte (Stichwort: Rahmenbedingungen). Denn wenn die Bayern kommen, stellen sich die Gegner hinten rein. Mit Konterfußball gewinnt man da keinen Blumentopf. Dafür müsste der Gegner hinten aufmachen, was er allerdings tunlichst vermeiden wird, wenn das millionenschwere Starensemble zu Gast ist. Die Konsequenz: Insbesondere gegen die sogenannten „Kleinen“ tun sich Lewandowski, Müller & Co. ausgesprochen schwer.

So oder so ist der Bayern-Kader eh nicht wirklich auf ein blitzartiges Umschaltspiel ausgelegt. Viele Akteuere gehören nicht zu den Schnellsten (z.B. Hummels, Martinez), lediglich Coman wie auch Gnabry haben das nötige Tempo. Diese fallen jedoch relativ häufig aus und sind darüber hinaus noch etwas zu unerfahren, um die in die Jahre gekommenen Altstars Rib & Rob adäquat ersetzen zu können. Eine Folge des zu spät stattfindenden Umbruchs. Aber da erzähle ich euch nichts Neues.

Des Weiteren scheint die Akzeptanz für Defensivfußball im Bayern-Team ohnehin nicht wirklich vorhanden zu sein. Nach dem Aus gegen Liverpool meldeten sich gleich mehrere Spieler zu Wort, dass man hätte mutiger angreifen müssen – eine Diskussion, die immer wieder aufkommt.

Wenn Kovac bleiben soll, dann muss sich alles ändern!

Ein gesunder Fußballverein ist mit einem gut funktionierenden Unternehmen vergleichbar: Du benötigst eine klar definierte strategische Ausrichtung, um deine langfristigen Ziele zu erreichen. Du erstellst einen gut durchdachten „Schlachtplan“, an dem du dich orientieren kannst. Selbstverständlich muss von Zeit zu Zeit der Erfolg evaluiert und Kurskorrekturen durchgeführt werden, aber der Weg zum langfristigen Erfolg sollte klar definiert sein.

Klingt abgedroschen, wird aber dadurch nicht falsch.

Wichtig: In dieser Art zu führen, ist für halbe Sachen kein Platz! Etwas, was man beim Rekordmeister wohl bislang nicht verstanden hat.

Mir ist es schleierhaft, warum man einen Defensivtrainer holt, wenn man einen anderen Fußball spielen möchte? Ich ziehe mir ja auch keine Flip Flops an, wenn ich bergsteigen gehe und kaufe mir auch keinen Goldfisch, wenn ich ein Haustier zum Spielen haben möchte.

Warum sollte man also mit Kovac in eine zweite Saison gehen? Das könnte doch nur gut gehen, wenn man die halbe Mannschaft austauschen würde, was ein immenses und zugleich unnötiges Risiko wäre. Und ihr glaubt doch selbst nicht, dass das passieren wird! Man bedenke: Ein Trainer ist leichter getauscht als ein halbes Dutzend Spieler.

Ergo: Falls man beim Rekordmeister nur einen Funken Ahnung von Strategic Leadership hat, so muss alsbald interveniert werden. Wenn man so weiter macht wie bislang, dann zeugt das nur davon, dass der Rekordmeister in der Führungsetage komplett saniert gehört.

2. Der FCB: Eine Nummer zu groß für Kovac

Ein Argument, das man immer wieder liest. Ein Argument das immer falsch begründet wird.

Denn handwerklich bringt der Kroate alles mit, um erfolgreich zu sein. Nur weil er diverse Dinge nicht spielen lässt, heißt das noch lange nicht, dass er diese nicht kennt. Da gebe ich ihm recht. Fans, die behaupten, Kovac würde nur ein System kennen, Kovac hätte keinen Peil von Taktik, machen es sich in diesem Punkte zu einfach. Insbesondere wenn man seine Arbeit in Frankfurt unter die Lupe nimmt, sollte man zu einem anderen Ergebnis kommen.

Doch fachliche Kompetenz alleine reicht nicht. Soft Skills sind genauso wichtig. Und eben an diesen scheitert der 47-jährige.

Als Louis van Gaal zum FCB kam, hat er diesen völlig auf den Kopf gestellt, ohne nur eine Sekunde in Frage gestellt zu werden. Auf einmal hatte man eine Doppel Sechs, Schweinsteiger wurde von den Außen ins Zentrum verbannt, etc. Niemand hätte sich getraut, Kritik am Niederländer zu üben. Auch seine Nachfolger Heynckes und Guardiola hatten ein ähnliches Standing im Klub, welches du u.a. benötigst, wenn du mit den Bayern-Diven und der schwierigen Führungsetage zurechtkommen willst.

Pep konnte bei Barca selbst einen Ibrahimovic absägen, Kovac verzweifelt an einem Sanches.

Kovac hingegen wirkt im Vergleich zu den eben genannten Star-Trainern wie ein hilfloser Schuljunge. Er muss für seine Ideen kämpfen, sich regelmäßig erklären bzw. verteidigen, Kompromisse schließen, etc. Sowas gefährdet den „Masterplan“ und bringt Unruhe in die Mannschaft. Wer die bisherige Saison verfolgt hat, weiß: Der FC Hollywood ist wieder zurück!

3. Kovac bleibt sich selbst nicht treu

Aufgrund seines schwachen Standings, muss der Kroate immer wieder Kompromisse eingehen:

Dieses ewige Hin und Her ist pures Gift, wenn man Konstanz haben möchte, weswegen selbst gestandene Profis wie Boateng oder Hummels (aufgrund ihrer Verunsicherung) bei Gegentoren nicht selten wie degenerierte Schimpansen aussehen.

An der Amtszeit Kovac wird eines deutlich: Wenn man es allen recht machen will, wird man niemandem gerecht. Auf Wunsch der Spieler und des Klubs versucht man dominant aufzutreten, obwohl der Trainer dafür überhaupt keine Spielideen im Repertoire hat. Das Resultat: Hinten wird’s gefährlich, vorne nicht.

Aber was hat man denn erwartet? Eine G-Klasse ist auch ein zuverlässiges, robustes Auto, hat aber dennoch nichts in der Formel 1 verloren.

#KovacOut

Meine Devise lautet: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Weswegen man sich in der Chefetage des Rekordmeisters Gedanken machen sollte, wo die Reise hingehen soll. Geld in die Hand zu nehmen (z.B. Hernandez) und zu deklarieren, dass man wieder oben angreifen möchte, reicht nicht. Man muss auch erklären können, wie man diese hochgesteckten Ziele verwirklichen möchte. Meines Erachtens benötigt man dafür eine klare strategische Ausrichtung. Allein mit einem guten Bauchgefühl gewinnt man im Jahre 2019 keinen Blumentopf mehr. Diese Zeiten sind vorbei. Hoffentlich weiß man das auch beim FCB.

Wo in dieser Geschichte ein Platz für Niko Kovac sein soll, erschließt sich mir nicht. Der Trainer steht für einen anderen Fußball als der restliche Verein, hat nicht das Standing seiner Vorgänger und daraus resultierend nicht die ausreichende Macht, seine eigenen Ideen umzusetzen. Sowohl die Bayern als auch Kovac dürften keinen Spaß an dieser Zusammenarbeit haben. Warum sollte man diese also fortsetzen? Das schadet nur der eigenen Reputation.

Neulich sogar in den Twitter-Trends.

Mein Tipp: Die Saison gescheit zu Ende bringen, in der Zeit nach einem passenden Nachfolger suchen, um das Kapitel Kovac im Sommer endgültig zu beenden.

Von einem Schnellschuss bin ich kein Freund. Mir reicht nicht ein Trainer, der einfach „besser als Kovac“ ist. Ich will einen Trainer, der (perfekt) zu den Bayern wie auch deren Zielen passt. Den findet man nicht an einem Tag. Der gehört mit Bedacht ausgesucht.

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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