Kurskorrektur dringend notwendig!

Warum ich meine, dass Respekt- und Unsportlichkeiten falsch bestraft werden und welchen Ansatz ich als zielführender erachten würde, lest ihr hier!

Was ist zulässig, was geht zu weit? Welche Emotionen wollen wir sehen und welche nicht? Es sind eben diese Fragen, die uns zur Rückrunde 2019/20 hauptsächlich beschäftigen. Gelbe Karten, Platzverweise und rassistische Eskapaden: Damit werden dieser Tage Schlagzeilen gemacht, wohingegen der eigentliche Sport mehr und mehr in den Hintergrund rückt.

Eine Entwicklung, die ich nicht gutheißen kann. Eine Entwicklung, die wahrscheinlich niemand von uns haben will! Dabei wäre das ganze Drama um Plea, Torunarigha und Co. relativ leicht zu verhindern gewesen.

Warum von jetzt auf gleich?

War man tatsächlich gut beraten von heute auf morgen die Linie der Schiedsrichter um 180° zu ändern? Wahrscheinlich nicht.

Ich halte es für naiv, zu glauben, dass ein Verhalten, welches über Jahrzehnte hinweg toleriert wurde, sich sofortig abschalten lässt, nur weil man etwas Neues beschlossen und jeden darüber in Kenntnis gesetzt hat. Denn wir sollten eines nicht vergessen:

Fußballer dürfen sich seit jeher, unter dem Deckmantel der Emotion, völlig daneben benehmen.

Lamentieren gehört dazu! Es fallen ja sogar regelmäßig Sätze, wie: »Eine Fehlentscheidung kann es ja wohl nicht gewesen sein. Es hat sich ja niemand auf dem Platz beschwert!«

Apropos Lamentieren: Wie so eine Beschwerde auszusehen hat, halte ich ebenso für ziemlich fragwürdig bzw. grenzwertig.

Da hat der Schiri noch nichtmal zu Ende gepfiffen, schon rast ein halbes Dutzend Muskelpakete auf ihn zu, um ihn zur Rede zu stellen. Dabei wird dem Referee nicht allzu selten derart auf die Pelle gerückt, dass der Unparteiische im Nachhinein sagen kann, wer was zum Frühstück hatte.

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Solche Unarten (Beispiele gibt es ja en masse!) gehören bis dato zum Fußball einfach dazu, so wie die Hostie zur heiligen Messe, Ernie zu Bert oder der Fuchsschwanz zum mitternachtsblauen Manta. Daher kann ich schon gut nachvollziehen, warum man möchte, dass sich am Verhalten der Spieler und Trainer zukünftig etwas ändert.

Nichtsdestotrotz hätte ich es als zielführender erachtet, wenn man den Akteuren auf dem Platz die Zeit gegeben hätte, die Regelverschärfung erstmal zu verinnerlichen. Frei nach dem Motto: »Jung, hör auf mit Scheiß! Ab der nächsten Saison fliegst du für so einen Mist. Gewöhn dich also schon mal daran!«

Ich meine, was die Herren vom DFB da verlangen, ist ja auch kein Ding der Unmöglichkeit. Jeder sollte sich am Riemen reißen können! Es dauert halt nur eine Weile, den Spielern dieses lang etablierte Muster auszutreiben. Von jetzt auf gleich die Linie komplett zu ändern, halte ich daher für den absolut falschen Weg.

Aber Juri, Emotionen gehören doch dazu!!!1!

Stimmt, doch Respekt- und Unsportlichkeiten nicht!

In anderen Sportarten geht’s doch auch!? Ich habe jahrelang Handball gespielt. Für Dinge, die im Fußball Usus sind, handelst du dir dort eine Zeitstrafe nach der anderen ein. Du lernst von kleinauf: Solche Dinger lässt du hier gefälligst sein!

Hat meinen Spaß am Spiel, ehrlich gesagt, nie gedämpft, weswegen ich mit dieser Emotions-Argumentation nur herzlich wenig anfangen kann.

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Doch wo die Grenze ziehen?

Ich tue mich mit der aktuellen Regellage ein wenig schwer, wenn ein abfälliges Abwinken nach einer Schiedsrichterentscheidung mit dem Auslösen einer Rudelbildung gleichgesetzt wird.

Schon klar, so eine Geste stellt die Autorität des Schiedsrichters infrage, des Weiteren erachte ich sie als ziemlich respektlos, weswegen ich eine Bestrafung schon als gerechtfertigt empfinde. Doch mit einer Karte, die ggf. sogar zu einem Platzverweis führen kann?! Ne, das halte ich dann doch für zu drakonisch, da eine derartige Entscheidung das Spiel komplett kippen lassen kann, wie wir beim 2:2 zwischen Gladbach und Leipzig gesehen haben.

Daher bin ich für die Einführung der Zeitstrafe (5min?) für Verfehlungen dieser Art.

Um es präzise ausdrücken: Zeitstrafe für jedes unerwünschte Verhalten, welches nicht gegen einen Dritten gerichtet ist.

Die Vorteile liegen dabei auf der Hand:

  • Unerwünschtes Verhalten wird geahndet…
  • …ohne dass das Spiel komplett zu kippen droht.
  • Der Verwarnte hat die Möglichkeit kurz runterzukommen.
  • Die Zeitstrafe hat sich in vielen anderen Sportarten bereits bewährt.

Im Gegenzug würde ich Respekt- oder Unsportlichkeiten, die sich gegen Dritte richten, härter bestrafen (Zeitstrafe + gelb), weil ich der Meinung bin, dass sie im Sport rein gar nichts verloren haben und von jetzt auf gleich das Klima auf dem Platz komplett vergiften können.

Apropos: Vorbildfunktion

Im Amateurfußball mehren sich die Fälle, in denen Schiedsrichter von Spielern und Zuschauern körperlich angegangen werden. Um eben dieses Problem in den Griff zu bekommen, wurden die Regeln zur Rückrunde 2019/20 verschärft, mit dem Verweis auf die Vorbildfunktion der Bundesligisten.

Meines Erachtens eine Denke, die kein Hand und Fuß hat!

Das mag vielleicht im Jugendsport Auswirkungen haben, doch – Hand aufs Herz – ich glaube kaum, dass dies in den „Ascheplatz-Klassen“ irgendetwas ändern wird.

Wenn Ronny (arbeitslos seit 1994) und Heiko (achtfach vorbestraft) dem Referee eine Schelle verpassen wollen, ist es ihnen (so glaube ich zumindest) egal, wie Hummels, Petersen und Co. in einer vergleichbaren Situation reagieren würden.

Was meint ihr?

Was haltet ihr von der neuen Linie des DFB? Gerechtfertigt oder überzogen? Teilt ihr meine Ansicht, dass man bei Respekt- und Unsportlichkeiten unterscheiden sollte, ob sie gegen Dritte gerichtet sind oder nicht? Wäre die Zeitstrafe ein geeignetes Mittel? Kennt ihr vielleicht ein besseres?

Ich bin auf euer Feedback, wie immer, sehr gespannt!

Bildquellen

„Gelbe Karte Notiz Fussball Yellow“ von planet_fox @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: Pixabay Lizenz

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