Diese ständigen Debatten nerven!

Ein Kommentar über Rassismus und Diskriminierung vom Ausländer.

Eines Vorweg: Ich bin doppelter Staatsbürger. Doch die ersten 30 Jahre meines Lebens hatte ich lediglich einen ausländischen Pass. Somit war ich hier, obwohl ich in Deutschland geboren bin, offiziell ein Gast, mit unpraktischen Papieren, nervtötenden Behördengängen und allem, was so dazugehört. Da hilft es auch nicht in Deutsch der Klassenprimus zu sein. Im Gegenteil: Du wirst eher gelobt, was für ein guter Ausländer du doch bist. Ich weiß also, was Vorurteile sind und ich hätte noch unzählig weitere Beispiele parat. Ich muss mich jetzt also doch nicht von Menschen, die keinerlei Randgruppe angehören, belehren lassen, was Vorurteile, Diskriminierung, Benachteiligung oder gar Rassismus bedeuten.

Also was fällt euch eigentlich ein?

Womit nehmt ihr euch eigentlich das verdammte Recht, in jeder dieser Debatten, die Lautesten zu sein? Ihr beschimpft euch gegenseitig als Nazis und links/grün-versiffte Spinner und schwadroniert über Dinge, von denen ihr überhaupt keine Ahnung habt. Natürlich gibt es da, wie immer, Ausnahmen und ich hoffe, ich muss jetzt nicht alle Randgruppen in diesem Land aufzählen, doch den meisten kann ich folgendes attestieren: Ihr seid Fachidioten! Nicht mehr. Ihr habt davon gelesen, es vielleicht auch hier und da mal beobachtet, aber niemals am eigenen Leib erfahren. Also frage ich euch nochmal: Wer gibt euch das Recht am lautesten zu sein?

Sollten wir nicht eher die Betroffenen zu Wort kommen lassen, anstatt irgendwelchen selbstgerechten Bessermenschen, die sich stetig stellvertretend als die fleischgewordene Moral aufspielen? Dabei findet ihr nämlich etwas ganz Interessantes heraus:

  • Manchmal fühlt sich eine Randgruppe gar nicht ernsthaft angegriffen und ihr macht unnötig ein Fass auf.
  • Manchmal fühlt sich eine Randgruppe bei Dingen auf den Schlips getreten, auf die ein Nicht-Betroffender niemals gekommen wäre.
  • Und kaum vorstellbar, aber wahr: Was das Blut des einen zum kochen bringt, geht dem anderem komplett am Anus vorbei.

Wo fängt eigentlich Diskriminierung oder Rassismus an?

Eben genau DAS kann dir, vor allem in der heutigen Zeit, niemand seriös beantworten. Es gibt da ja keinen Katalog, in dem eine Grenze festgelegt wurde. Es ist viel mehr eine Gefühlssache. Sicher, manchmal ist der Fall auch klar. Wenn ich einen Farbigen, obwohl… sagen wir sicherheitshalber Maximalpigmentierten, als „Ni**a“ beleidige, weiß jeder, dass es sich um Rassismus handelt. Wenn ich einen Job nach Religion oder Sexualität vergebe, ist das Diskriminierung. Doch das sind auch nicht die Fälle, über die hitzig diskutiert wird. Es geht nämlich i.d.R. häufiger um den latenten oder gefühlten Rassismus bzw. die latente oder gefühlte Diskriminierung.

Und hier wird’s schwierig: Was darf man sagen und was sollte man für sich behalten? Was greift Menschen an und was nicht? Es ist so verdammt individuell. Ich will und ich muss da zum Glück kein Urteil sprechen. Das müssen die Betroffenen SELBST entscheiden. Niemand kann einer anderen Person vorschreiben, bei was sie sich angegriffen fühlen darf und bei was nicht. Punkt. Darin sollte Einigkeit bestehen.

Worüber wir allerdings gerne diskutieren können ist, wie man damit umzugehen hat.

Die Causa „Aubameyang“

Nur um eines nochmal klarzustellen: Wir reden hier nicht über klare rassistische Aussagen, wie man sie z.B. von diversen AfD-Politikern kennt (Stichwort: Halbneger), sondern über Fälle aus der sogenannten „Grauzone“. Ein aktuelles Beispiel dafür wäre die Causa „Pierre-Emerick Aubameyang“.

Für alle, die nicht wissen, wovon ich spreche: Nach den neusten Eskapaden des Gabuners hat der Kicker-Chefreporter Karlheinz Wild im Rahmen einer Gesprächsrunde, dem Kicker.tv-Talk, mit Verweis auf die Hierarchien beim FC Bayern München gesagt: »Ich kann mir nicht vorstellen, dass Aubameyang in München den gleichen Affenzirkus veranstalten könnte.« Aubameyang warf diesem daraufhin bei Instagram wegen des Begriffs „Affenzirkus“ Rassismus vor. Wie ihr euch gut vorstellen könnt, war daraufhin die Diskussion groß, vor allem in den sozialen Medien.

Ich habe mal wieder für euch recherchiert.

Aber wie damit umgehen?

Und ich rede nicht nur vom Betroffen selbst, sondern natürlich auch von uns als Gesellschaft.

Wie bereits gesagt: Niemand kann Aubameyang vorschreiben, bei was er sich angegriffen fühlt und bei was nicht. Dabei bleibe ich. Selbst wenn ich es in diesem Falle nicht mal ansatzweise nachvollziehen kann – vor allem, wenn man überlegt, von wem die Aussage kam. Denn es war nicht Alexander Gauland von der AfD, sondern immer noch Karlheinz Wild vom Kicker. Also sollte man sich doch über seine Motive im Klaren sein.

Die Frage, die ich mir nur stelle: Muss man nun wirklich so ein Fass aufmachen? Er hat ihm ja nicht den Hitlergruß gezeigt. Es handelt sich lediglich um eine scheinbar missverständliche Aussage. Die man auch cool hätte abwinken können. Man stelle sich mal vor, jeder Randgruppler würde so unverhältnismäßig reagieren und direkt einen Fackelzug im Internet starten. Das ganze Social Web wäre Tag ein Tag aus voll mit so nem Kram. Wir würden nichts Anderes mehr zu lesen bekommen.

Apropos Social Web: Ich kann es zum Teil gar nicht fassen, wie unreflektiert und selbstgerecht die meisten Menschen unterwegs sind. Da wird jedes verdammte Wort auf die Goldwaage gelegt. Ich glaube, du kannst in der heutigen Zeit nicht mal mehr eine verdammte Bedienungsanleitung schreiben, ohne dass irgendwer irgendwo Gespenster sieht. Und wenn es erstmal losgegangen ist, dann wird natürlich direkt mal wieder die Sau durchs Dorf getrieben – natürlich in der gewohnten Polemik und drakonischen Härte. Denn wir sind ja unfehlbar. Wir haben noch niemals etwas gesagt, was falsch verstanden werden könnte. Und wie sagte Jesus nicht einst so schön: »Wer ohne Fehler ist, der schreibe die ersten 50 Tweets.«

Die Autokorrektur ist ein scheiß Rassist!!!

Euch Profi-Hatern müsste ich eigentlich mal den ganzen Tag mit einem Mikrofon nachspionieren. Wenn ich genauso pedantisch drauf wäre wie ihr, hättet ihr noch am ersten Tag den Shitstorm sicher. Das garantiere ich euch. Denn wer ist schon tatsächlich in der Lage durchgängig politisch korrektes Deutsch zu sprechen, insbesondere bei dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, aber wahrscheinlich nicht an euch selbst.

Wir sollten alle mal einen Gang runterschalten!

Rassismus und Diskriminierung gilt es nicht zu tolerieren. Darüber werde ich mit niemanden diskutieren. Punkt.

Allerdings bin ich der Meinung, dass die betroffenen Randgruppen immer noch selber gesunde Finger haben, um sich im Internet zu Wort zu melden. Dafür brauchen sie keine selbsternannten Rächer der Enterbten. Das kriegen die schon alleine hin. Ganz frei nach dem Motto: „Wenn sich jeder selbst hilft, ist jedem geholfen.“ Zumal ich meine, dass die Kritik dann deutlich mehr Gewicht hat, wenn sie für sich selbst sprechen als irgendwelche vom Idealismus gepackten Stellvertreter, die ab und an mal auch ein Fass umsonst aufmachen.

Des Weiteren sollten wir uns ebenso sorgfältig überlegen, welche Schlachten es wirklich wert sind, geschlagen zu werden. Denn wenn wir weiterhin jedes noch so kleine Vorkommnis künstlich aufblähen, dann will schon bald niemand mehr was zu dem Thema hören. Ich weiß, einige von euch meinen es mit Sicherheit gut, doch sie erreichen damit lediglich das Gegenteil: Eine Desensibilisierung der Gesellschaft. Das wäre nicht nur ein absoluter Rückschritt. Das wäre auch den tatsächlichen Opfern von Rassismus und Diskriminierung gegenüber mehr als unfair.

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Bildquellen

„affe-afrika-busch-abend-essen-895960“ von Mamba828 @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC0 1.0

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