Renato, das Opfer?

Warum sich Renato Sanches bislang nicht durchsetzen konnte.

35 Millionen Euro hat der FC Bayern München für das einstige Wunderkind, Renato Sanches, an Benfica Lissabon überwiesen. Ein hohe Investition in die Zukunft, die sich bislang in keinster Weise rentiert hat.

Selbst nach drei Spielzeiten ist der inzwischen 22-jährige Portugiese immer noch nicht so wirklich beim deutschen Rekordmeister angekommen und auch in der Nationalmannschaft läuft es für den zentralen Mittelfeldspieler nicht sonderlich besser: Mit den Portugiesen 2016 noch sensationell Europameister geworden, wurde er für die darauffolgende Weltmeisterschaft nicht berücksichtigt.

Doch was sind die Gründe für die Misere des einstigen Welttalents? Mangelnde Einstellung, sein Trainer Niko Kovac oder ist es doch etwas Anderes? Ich bin dieser Frage mal auf den Grund gegangen.

Die Anfänge des Renato Sanches

Die Karriere des Edgar Davids aus von Musgueira, wie er aufgrund seiner Dreadlocks von einigen genannt wird, begann vielversprechend: 2008 schloss er sich der Jugendabteilung des Benfica Lissabon an und durchlief alle Jugendteams des Klubs, ebenso wie die der Nationalmannschaft.

Im Oktober 2015 wurde Renato mit 18 Jahren in die Profi-Mannschaft der Portugiesen berufen. Kurz darauf, im Sommer 2016, wurde er in Frankreich sensationell Europameister. Dabei stand er (abgesehen vom zweiten Gruppenspiel) jedes Mal auf dem Platz. Auch das Dress seines Klubs durfte er in seiner Debütsaison relativ häufig tragen: Zehn mal in der Liga Pro (853 Minuten) und sechs mal in der Königsklasse (540 Minuten). Für einen Newcomer ist das nicht wenig.

Die EM 2016: Das Turnier seines Lebens?

Dabei konnte sich Sanches in seinem ersten Jahr als Profi bereits mehrere begehrenswerte Auszeichnungen sichern: Den Golden Boy Award, die Auszeichnung zum besten jungen Spieler der Europameisterschaft, ebenso wie die Auszeichnung zum besten jungen Spieler Portugals.

Der Karriereknick des Renato Sanches

Nach einer überaus erfolgreichen Spielzeit 2015/16 wechselte der Portugiese von Lissabon an die Isar, wo er nicht über den Status eines Ergänzungsspielers hinauskam. In seiner Debütsaison durfte er unter Trainer Carlo Ancelotti 25 mal ran (903 Spielminuten), was meines Erachtens für einen Jungspieler gar nicht mal so wenig ist, aber Renato Sanches‘ Ansprüchen offensichtlich nicht genügte.

Unter Ancelotti war Renato nicht mehr als ein Ergänzungsspieler. Zu unrecht?

Somit wurde er in der Folgesaison nach Wales verliehen. Ein folgenschwerer Fehler, wie sich im Nachhinein herausstellte, denn bei den Swans kam das Talent lediglich auf läppische 16 Einsätze (943 Minuten). Gemessen daran, dass es sich bei Swansea City um ein Kellerkind des englischen Fußballs handelt, ist das relativ wenig.

Man muss aber fair bleiben: Renato war an der Sache nicht ganz unschuldig. Ihm ist kein Tor gelungen, er bereite keinen Treffer vor, hat nicht mal einen Torschuss abgegeben, geschweige denn irgendeine positive Spielszene kreiert. Nur 16% seiner Flanken fanden ihr Ziel, schlappe 58% betrug seine Zweikampfquote, 13 von 15 Kopfballduellen hatte er verloren. Allesamt katastrophale Quoten. Kein Wunder, dass er in England als Mega-Flop verhöhnt wurde.

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Auch sein damaliger Trainer und Landsmann Carlos Carvalhal stellte ihm kein gutes Zeugnis aus:

»Er ist ein Junge mit sehr viel Talent, aber er hat noch viel zu lernen. Er hat damit aufgehört in dem Moment, als er Benfica für einen der größten Vereine der Welt verlassen hat. Zu Benfica zurückzukehren, seine Familie und Freunde bei sich zu haben und einen guten Verein, der ihn unterstützt, kann ihm helfen, auf sein bestes Niveau zurückzukommen. Er ist ein Junge, der noch nicht auf die Premier League vorbereitet ist.«

So kehrte er zu Beginn der letzten Saison nach München zurück. War Niko Kovac anfangs noch optimistisch, dem Portugiesen zu seiner alten Form zurück zu verhelfen, lief es später wie gewohnt für das einstige Wunderkind (24 Einsätze, 782 Spielminuten), weswegen Sanches öffentlich mit einem Wechsel geliebäugelt hatte.

Ein Transfer, der jedoch nicht zustande kommen wird. Der Trainer hat erst kürzlich, im Rahmen einer Pressekonferenz, vermeldet, dass Renato Sanches, trotz Unzufriedenheit, weiterhin beim Rekordmeister bleiben wird.

Renato, das Opfer?

Es ist nun ein Leichtes, den Trainer für die Misere des Talents verantwortlich zu machen. Der allgemeine Konsens lautet: Renato Sanches ist ein Jahrhunderttalent, doch der Coach bremst ihn aus, weil er ihm zu wenige Chancen gibt. Beispielsweise spricht die Bild von einer Flucht vor Kovac, nicht wenige Andere blasen ins gleiche Horn.

Die Bild sachlich wie immer.

Meiner Meinung nach ist das jedoch nicht die ganze Wahrheit. Ich persönlich halte die folgenden Punkte eher für ausschlaggebend.

1. Namenhafte Konkurrenz beim FCB

Renato Sanches ist ein Wunderkind. Das sollte außer Frage stehen. Dennoch sollte man nicht vergessen, dass seine Kontrahenten keinen schlechteren Ruf genießen.

In der Saison 2016/17 durfte sich der damals 19-jährige mit Kalibern wie Thiago, Alonso, Vidal, Martinez sowie Müller messen und letzte Saison war die Konkurrenzsituation mit James, Thiago, Goretzka, Martinez, Müller sowie Tolisso auch keine einfachere.

Wenn selbst ein James nicht mal ausreichend zum Zug kommt…

Bei einem derartigen Kader, darf man als Jungspieler eigentlich nicht erwarten, die erste Geige zu spielen, weswegen ich im Nachhinein Sanches‘ Bitte um eine Leihe zu Swansea als Fehler betrachte.

Er hatte unter Ancelotti 25 Einsätze bzw. 903 Spielminuten. Auf denen hätte er aufbauen können. Wenn ich mehr erwarte, dann wechsle ich nicht zu einem Weltklub, der mit Weltstars gespickt ist.

2. Der FCB 2018/19

Im Normalfall kann man als Bayern München einem Talent sehr viel Spielzeit garantieren, denn man ist nicht selten bereits Monate vor Saisonende Deutscher Meister. Was soll noch groß schiefgehen? Man hat eh nichts mehr zu verlieren.

Letztes Jahr war die Situation allerdings eine andere – zum Nachteil des Portugiesen. Die Bundesliga war bis zum letzten Spieltag spannend, weswegen Kovac keine Experimente mehr wagen konnte, da es einen Titel zu sichern galt.

Der Kroate hat Sanches mehr Spielzeit in Aussicht gestellt, doch der mangelnde Erfolg lies das nicht zu.

Des Weiteren sind die Münchner relativ früh aus der Champions League ausgeschieden, was dazu geführt hat, dass es keine Notwendigkeit gab, zu rotieren. Eine Tatsache, die nicht nur Renato Sanches das Leben schwer machte. Auch James, Hummels und Rafinha haben sich über mangelnde Einsatzzeiten beschwert.

3. Zu früh ins Ausland

In der heutigen Zeit sind die großen Klubs immer auf der Suche nach dem nächsten Ronaldo, Messi, Pipapo, was zur Folge hat, dass man Unsummen für halbfertige Spieler ausgibt, nur damit kein anderer Verein einem zuvorkommt. Infolgedessen kann es geschehen, dass ein Wechsel zu früh stattfindet, so wie bei Renato Sanches.

Ich sehe es ähnlich wie Carlos Carvalhal, dass der Portugiese zu voreilig den Schritt ins Ausland gewagt hat. Renato hätte seiner Entwicklung zu Liebe noch ein paar Jahre lang in der Heimat spielen sollen. Man darf nicht vergessen: Die ersten Profi-Jahre sind entscheidende Jahre und eine neue Kultur, eine neue Sprache, etc. sind kein Zuckerschlecken für einen Spieler, geschweige denn einen Halbstarken.

Carvalhal: Der Sprung ins Ausland kam für Renato zu früh!

So kam es in den Augen vieler bei Sanches zu einem Entwicklungsstopp und einer mentalen Blockade, weswegen er, obschon er über ein großes Talent verfügt, sich nicht mal bei den Swans durchsetzen konnte.

Renato, ein ewiges Talent?

Mit seinen 22 Jahren ist es meiner Meinung nach zu früh, Renato Sanches abzuschreiben. Da kann noch einiges passieren.

Sein Erfolg wird, wie ich denke, an zwei Faktoren geknüpft sein: Zum einen muss er sich im Training aufdrängen – etwas, was er in jüngster Vergangenheit getan haben soll – und zum anderen muss der FC Bayern in allen drei Wettbewerben erfolgreich sein. Je früher die Meisterschaft unter Dach und Fach ist, desto eher können die Bayern ihre Stars schonen und je weiter man im Pokal sowie in der Champions League kommt, desto häufiger muss rotiert werden.

Hier könnte wiederum der Trainer, wie von vielen kritisiert, zum Zündlein an der Waage werden, denn es gibt nicht wenige, die glauben, dass man die hochgesteckten Ziele unter Niko Kovac nicht erreichen wird.

Warum ich Niko Kovac nicht für den Richtigen halte, lest ihr hier.

Falls das wirklich so sein wird, dann sehe ich für Renatos Zukunft bei den Bayern schwarz. Doch sollte man es auf der anderen Seite schaffen, zu alter Stärke zurückfinden, so wird auch ein Sanches wieder dringend benötigt werden.

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