Rock gegen Links – Ideen aus Hölle

Herr Maas, was machen Sie eigentlich beruflich?

Heiko Maas‘ Mission, einen Wahlsieg der SPD bei der nächsten Bundestagswahl zu verhindern, geht in die nächste Runde und nimmt erneut die kuriosesten Formen an. Reicht es nicht, dass er Facebook, Twitter und Co. den Kampf angesagt hat, hat er nun auch den Linken den Krieg erklärt und schlägt infolgedessen ein Konzert „Rock gegen Links“ vor.

Rock gegen Rechts: War das ne Erfolgsstory!

Wir schreiben das Jahr 1980: In Frankfurt findet die zweite Auflage von „Rock gegen Rechts“ statt. Kam es schon beim ersten Konzert zu einer unerlaubten Demonstration von 40.000 Menschen, findet diesmal zeitgleich zum Konzert eine Hausbesetzung statt. Um darauf aufmerksam zu machen, wird gegen den Willen des Veranstalters die Bühne von Besetzern gestürmt…

Herr Maas, ich muss sagen, da haben Sie, vor allem nach den Vorkommnissen in Hamburg, aber ein tolles Beispiel gewählt! Bravo! Man müsste ja meinen, dass ein Mann, der sich im Dauerclinch mit Facebook und Twitter befindet, wissen würde, wie man Google und Wikipedia zu Recherchezwecken nutzt, – denn zwei Minuten hätten da schon gereicht – aber dem ist scheinbar nicht so. Natürlich kann es aber auch sein, dass Sie allein schon aus Prinzip auf kurze Recherchen verzichten, bevor Sie vor die Kameras treten. Das würde einiges erklären.

Bundesjustizminister Heiko Maas, bekannt durch seinen Kampf gegen Online-Windmühlen, geht jetzt auch entschlossen gegen Linksextremismus vor.

Wie dem auch sei, unabhängig von den Ausschreitungen der Linken bei „Rock gegen Rechts“, gilt der Nutzen solcher Konzerte ja ohnehin als nahezu erwiesen. Rechter Terror und rassistisches Denken sind in Deutschland ja so gut wie ausgestorben. Lassen Sie sich da vom Fall Zschäpe nicht irritieren, Herr Maas! Und gerade Sie, als Justizminister, wissen ja sowieso am besten, dass eine schärfere Gesetzeslage oder zumindest mal die konsequente Umsetzung dieser Gesetze weit weniger bringen als Festivals dieser Art.

Aber wen laden wir denn zu „Rock gegen Links“ ein?

Rockbands gibt es ja viele. Vor allem diejenigen, die Lobgesänge auf den Kapitalismus anstimmen und zu friedlichen Protesten aufrufen. Was halten Sie von Rise Against? Die haben doch erst kürzlich ein neues Album rausgebracht.

Rise Against aus dem Lied „Bricks“

„We’re setting the fires to light the way,
We’re burning it all to begin again,
With hope in our hearts and bricks in our hands,
We sing for change.“

Hmmm…. Ziegelsteine? Feuer? Klingt ein wenig zu sehr nach Hamburg zum G20-Gipfel, oder? Okay, mein Fehler. Billy Talent? Die sind doch beliebt!

Billy Talent aus dem Lied „Viking Death March“

„Down, let’s take it down
Raise up the heads on a stake
We will show no mercy
On evolution’s mistake“

Puuuuuh… Das klingt ja noch schlimmer als Hamburg. Köpfe aufspießen… Nene, das wollen wir nicht. Nehmen wir doch lieber etwas aus Schweden. Ja, Schweden ist gut! Die Skandinavier machen doch sowieso alles besser als wir. Wie wäre es mit Millencolin?

Millencolin aus dem Lied „Simple twist of hate“

„So here I come with violence and me you can not stop.
Get out of my sight cause it’s time for payback.
I’ll fight whoever, yeah, I’ll hit them ‚til they drop.
Cause this time I’m gonna be on top. Yeah, I’m gonna be on top.“

Ehmmmm… Jaaa….. Herr Maas, wissen Sie was, ich glaube so langsam, dass „Rock gegen Links“ ne echt blöde Idee ist. Denn mir fällt gerade auf, dass insbesondere die Rockmusik zu linker Gewalt aufruft. Googlen Sie mal drüber nach.

Aber was machen wir denn jetzt?

Gute Frage… Wir könnten ein Hip Hop-Festival gegen Links ausrichten. Ich höre nicht gerade wenig Rap und da wird beinahe in jedem zweiten Track ziemlich scharf gegen Punks geschossen. Aber ich vermute, auch das wäre nicht sonderlich zielführend.
Möglicherweise sollten wir aber auch diese seltsame Konzertidee einfach über Board werfen. Ja, weg damit! Stattdessen sollten wir aufhören, linke Gewalt zu unterschätzen, sie zu tolerieren oder ihr gar Sonderrechte zuzugestehen. Denn Hand aufs Herz: Keine Gruppierung in Deutschland kann sich so viel rausnehmen, wie die Linken bzw. Autonomen das tun. Wenn ich das konsequente Vorgehen gegen Rechtsextremismus beobachte, frage ich mich, warum man nicht mit der gleichen Entschlossenheit gegen den Linksextremismus vorgehen kann? Als wäre der eine Extremismus nicht so schlimm wie der andere. In einer Demokratie gilt es jede Form von Extremismus zu verurteilen!

Manuela Schwesig: „Linksextremismus ist ein aufgebauschtes Problem.“

Also brauchen wir auch keine Konzerte oder Festivals. Meiner Meinung nach hat auch niemand was davon, wenn Bürgermeister Scholz seinen Stuhl zur Verfügung stellt. Dieser Aktionismus bringt niemanden etwas!
Denn solange wir nicht anfangen, Ereignisse wie in Hamburg differenziert zu analysieren und Missstände offen anzusprechen, werden sich solche Bilder immer wiederholen. Herrn Bosbach möchte ich hierbei besonders positiv hervorheben. Mir, aber auch vielen anderen Menschen, hat er im Rahmen eines NTV-Interviews aus der Seele gesprochen.
Summa summarum: Ob die Proteste rund um den G20-Gipfel gerechtfertigt sind oder nicht, man darf nicht anfangen Gewalt in Form von Straßenschlachten, Sachbeschädigungen oder Plünderungen zu relativeren, schönzureden oder gar zu legitimieren. Egal ob zum G20-Gipfel, dem 1. Mai oder anderen Demonstrationen.
Denn wie Herr Bosbach bereits gewarnt hat: Währet den Anfängen. Also lasst uns nicht in den blinden Aktionismus verfallen, sondern konstruktiv und mit aller Konsequenz die Probleme angehen. Denn lösbar sind sie.
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