Ruf mich bitte nicht an!

An meinem Geburtstag gilt Funkstille!

Am Montag hatte ich Geburtstag und es war toll. Geschenke, Kuchen (viel davon!), Burger und meine Liebsten an meiner Seite. Was will man mehr? Gar nichts! Ich liebe es, Geburtstag zu haben. Wer denn auch nicht?

Doch anders gefragt: Was will man weniger? Klingt vielleicht etwas seltsam, aber auch so etwas soll es ja geben. Mir fällt da nämlich sofort etwas ein.

Anrufe!

Leute, ich bin immer tief gerührt, wenn ich am Ende des Tages sehe, wie viele Mitmenschen an mich gedacht haben.

Auf Facebook wünschen mir so viele liebe Freunde und Bekannte »Alles Gute«, ein paar wenige auch »Alles Güte«. Andere wiederum schreiben mir eine Nachricht oder eine WhatsApp. Und wer es einrichten kann, darf mich auch gerne zu meinem Geburtstag besuchen kommen. Es gibt Kaffee, Kuchen, Bier… Alles, was das Herz begehrt. Und falls jemand nicht kann, bin ich ihm auch nicht böse.

Das einzige, was mich jedoch so richtig auf die Palme bringt, ist dieser verdammte Telefonterror.

Es ist jedes Jahr dasselbe

Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich, allein schon aus Prinzip, an meinem Geburtstag nicht ans Telefon rangehe. Warum auch? Ich will meinen Spaß haben und den Tag genießen können. Ich möchte meinen Ehrentag so verbringen, wie ich das für richtig halte. Ergo: Nicht am Telefon.

Wenn ich den ganzen Tag telefonieren möchte, kann ich auch zur Arbeit gehen.

Was habe ich denn von meinem Geburtstag, wenn ich hundert mal über mindestens fünf Minuten immer die gleichen dummen Fragen beantworten muss? Wie fühlt man sich denn so mit 31? Lässt du dich ordentlich feiern? Ja, völlig anders und gut, dass du fragst! Ne, feiern ist bei uns nicht. Ich werde gerade von meiner Familie ausgepeitscht, während ich mich bei meiner Mutter für die Schmerzen entschuldige, die meine Geburt verursacht hat. Das machen wir jedes Jahr so.

Aber am geilsten sind die Gratulanten, die es nicht nur einmal, sondern gleich zwei, drei oder viermal probieren. Da hat doch selbst mein Wecker eine höhere Sozialkompetenz! Dieser gibt zumindest nach einer halben Stunde auf.

Ihr ruft nicht meinetwegen, sondern euretwegen an!

Mir persönlich reicht es ja, wenn jemand an mich denkt. In welcher Form, ist mir eigentlich egal. Doch die alte Schule zwingt euch, mich anzurufen. »So macht man das halt. Eine WhatsApp schreiben ist ja viel zu unpersönlich.«

Absoluter Schmu! Ich sage euch was unpersönlich ist: Jemanden so wenig zu kennen, als dass man damit anfängt, das Geburtstagskind mittels Telefonterror in den Wahnsinn zu treiben, obwohl man es eigentlich besser wissen sollte.

Same shit, different caller.

Und wenn du unbedingt etwas Persönliches machen willst, dann schick mir halt eine selbstgemacht Karte per Post oder verleihe deiner WhatsApp-Nachricht eine individuelle Note. Aber selbst das musst du nicht tun! Denn selbst ein »Alles Gute« oder ein »Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!« geben mir das Gefühl, geliebt zu werden. Ich bin da echt genügsam.

Dann mach doch dein Handy aus, Juri!

Könnte ich natürlich machen. Zu Festnetz-Zeiten habe ich den Hörer immer beiseite gelegt. Doch ihr kennt das doch selbst: Ein Smartphone ist nicht nur ein Handy, sondern meine Kamera, Jukebox, etc. Darauf will ich nicht verzichten müssen. Zudem muss ich auch – man glaube es kaum – zwischendurch mal selbst jemanden anrufen.

Für die Zukunft

Halten wir also fest: Glückwünsche sind etwas Tolles! Je mehr, desto besser. Ich freue mich über jeden, der an meinem Geburtstag an mich denkt. Doch wir sollten uns von dem Gedanken verabschieden, dass ausschließlich Besuche oder Anrufe eine Wertigkeit haben.

Ich persönlich finde es ja viel wertvoller, wenn meine Gratulanten meine Wünsche so sehr respektieren, sodass ich in Ruhe meinen Geburtstag feiern kann. Macht mir deutlich mehr Spaß, als den ganzen Tag am Handy abzuhängen.

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