Und täglich grüßt das Murmeltier

Tag für Tag dasselbe in den Nachrichten. Das kann es nicht sein.

Ich versuche ja, immer auf dem Laufenden zu bleiben. Mir ist das wichtig. Jedoch fällt es mir dieser Tage schwerer, als je zuvor. Grund dafür sind die Medien. Jedes mal, wenn ich den Fernseher einschalte, kriege ich die gleiche Grütze präsentiert. Tag ein, Tag aus, immer dasselbe, 24/7, das ganze Jahr… Einfach nur krank!

Dabei scheinen diverse Themen oder Personen so eine Art Dauerbrenner zu sein – und da man ja heutzutage rund um die Uhr über etwas Brandheißes, Exklusives oder Skandalöses berichten muss, werden diese „Hot Topics“ solange ausgeschlachtet, seziert und totgeschwafelt, bis einem die Ohren bluten.

Welche das sind und wovon ich definitiv nichts mehr hören kann, lest ihr im folgenden Beitrag.

1. Donald Trump

Donald Trump hier, Donald Trump da, Donald ist einfach überall! Im Fernseher, im Radio, im Internet… Wo ist er eigentlich nicht? Der US-Präsident ist derartig omnipräsent, dass ich manchmal schon Angst bekomme, den Klodeckel hochzuklappen. Nicht, dass er mir entgegen springt!?

Keine Frage, natürlich soll über ihn berichtet werden. Wir reden hier immerhin vom „mächtigsten Mann der Welt“. Doch muss ich tatsächlich über jeden Tweet, jeden dummen Spruch, jede Fehde, usw. informiert werden? Muss man infolgedessen noch zusätzlich ein weiteres von hunderten n-tv News Spezialen ausstrahlen, in dem mir Melinda Crane (USA-Expertin) das Gleiche wie immer erzählt? Ich denke nicht.

Das geht jetzt schon seit zwei Jahren so. Stellt euch mal vor, Trump würde wiedergewählt werden: Acht Jahre am Stück Gehirnzellenmassaker vom Feinsten in den Nachrichten. Das kann es doch nicht sein, liebe Leute!

Über den amtierenden US-Präsidenten wird – so kommt es mir jedenfalls vor – mehr berichtet als über unsere eigenen Politiker. Würde man die Welt nur aus dem Fernsehen kennen, so käme man wahrscheinlich zu dem Schluss, dass Deutschland von Trump oder Hitler regiert werden würde – also je nachdem, zu welcher Uhrzeit man n-tv oder Welt einschaltet.

2. Der Brexit

Sicherlich hat der Austritt Englands aus der Europäischen Union weitreichende Folgen für uns. Doch muss mich der Brexit deswegen vom Anfang bis zum Ende durch die Nachrichtensendung begleiten?

Da beginnen die Nachrichten mit den neusten Infos zum Brexit. So weit, so gut. Danach: Was bedeutet der Brexit für unsere Wirtschaft? Habe ich zwar schon hundert mal gehört, aber okay. Wenn dann jedoch darauf folgend über die Auswirkungen des Brexits auf die London Fashion Week und danach im Sport auf die Premier League gesprochen wird, platzt mir der Kragen. Das ist too much, liebe Medien – genauso wie die Live-Schaltung ins britische Parlament, die ja so überaus wichtig ist, damit wir bloß nichts verpassen!

Wie gesagt, natürlich ist der Brexit von elementarer Bedeutung für uns. Das streite ich nicht ab. Doch muss ich deshalb über jeden Schritt und Tritt von Teresa May informiert werden? Brauche ich unbedingt eine Eilmeldung aufs Smartphone, nur weil dieser britische „Donald Trump Klon“ (aka Boris Johnson) der Premierministerin ein weiteres Mal auf die teuren Schuhe getreten ist? Ich denke nicht.

3. Der Abgasskandal

Die Autoindustrie hat betrogen, Fahrverbote für schmutzige Diesel drohen, dann die Frage, ob Software-Updates oder doch besser Hardware-Nachrüstungen… Es wurde so viel über den Abgasskandal gesprochen und geschrieben, doch – Hand aufs Herz -im Endeffekt ist nur wenig passiert.

Man ist sich – wohlgemerkt seit 2015 – immer noch nicht einig, ob und in welcher Form die betrogenen Kunden entschädigt werden sollen. Man hat immer noch nicht die finale Lösung dafür gefunden, wie man die Luftqualität in deutschen Großstädten verbessern kann. Zwischendrin erfahren wir, dass unsere Ärzte bei weitem nicht so gut lesen und rechnen können, wie sie es eigentlich sollten und irgendwer fordert zum tausendsten Mal das Tempolimit auf deutschen Autobahnen.

Liebe Medien, tut uns allen doch den Gefallen und berichtet doch nur über das Thema, wenn es auch wirklich etwas zu berichten gibt. Ich brauche nicht jedes Mal noch eine weitere Sondersendung im Fernsehen, nur weil die Deutsche Umwelthilfe schon wieder ein Fahrverbot für eine Großstadt Deutschlands anstrebt.

4. Die AfD

Gemessen am eigentlichen Wahlerfolg kriegt die Alternative für Deutschland viel zu viel Sendezeit bzw. Aufmerksamkeit.

Wir sollten eines nicht vergessen: Die Partei von Jörg Meuthen und Alice Weidel hat bei der letzten Bundestagswahl „nur“ 12,6% der Stimmen bekommen. Gegenfrage: Wie viel Prozent der Sendezeit bekommt die AfD? Zur Erinnerung: Die Linken haben lediglich 3% weniger geholt. Warum dürfen die eigentlich nichts Fernsehen?

Ich weiß ja nicht, wie ihr das empfindet, aber mir persönlich geht es in viel zu vielen Sondersendungen und Talkrunden um die AfD oder ihre Kernthemen. Wie viele Experten haben wir schon gehört, die sich zu irgendwelchen rechten Strömungen in Deutschland geäußert haben? Wie viele Talks zum Thema „Flüchtlingskrise“ hatten wir bereits?

Und wenn es mal zur Abwechslung dann doch um etwas Anderes geht, landen wir binnen kürzester Zeit wieder da, wo wir eigentlich nicht sein wollten: den AfD-Kernthemen. Man schaltet eine Talkrunde zum Thema „Teure Mieten“ ein, wir hören etwas zur Mietpreisbremse, dann gibt’s einen Clip über München oder Wiesbaden, woraufhin Jörg Meuthen zu Wort kommen darf, der infolgedessen das eigentliche Problem Deutschlands anspricht: Merkel muss weg!

Spoiler: Ab jetzt könnt ihr abschalten. Die Sendung ist im Arsch! Denn ab jetzt wird über alles gesprochen, nur nicht mehr über bezahlbaren Wohnraum. Sicher könnte Herr Plasberg die Diskussion zurück aufs eigentliche Thema lenken, jedoch ist der viel zu sehr damit beschäftigt, altkluge Sprüche rauszuhauen, sich Netzstimmen vorlesen zu lassen oder „informative“ Clips anzumoderieren.

Man braucht sich nicht zu wundern, dass die AfD immer wieder im Gespräch ist, wenn sie durch die Medien immer wieder (unnötigerweise) in den Fokus gerückt wird.

Versteht mich nicht falsch!

Zum Schluss will ich nochmal betonen, dass jedes der genannten Themen für uns von zentraler Bedeutung ist. Jedoch tue ich mich damit schwer, dass diese bis zum Abwinken ausgeschlachtet werden.

Ich für meinen Teil verspüre so langsam eine gewisse Verdrossenheit und bemerke, dass ich immer seltener die Lust dazu habe, die Nachrichten einzuschalten. Wie ich von vielen Anderen so höre, stehe ich damit nicht allein.

Das ist ein verdammt gefährlicher Trend!

Die Medien sind in der Pflicht!

Die Welt ist groß, die Welt ist spannend, es gibt viel zu berichten. Tag ein, Tag aus werden unzählig viele Meldungen von den einzelnen Presseagenturen rausgehauen, weswegen es unmöglich ist, alle Themen in einer Sendung oder einer Ausgabe unterzubringen.

Somit liegt es am Journalisten, Nachrichtenselektion zu betreiben – jedoch nicht nach Gutdünken, sondern anhand feststehender Kriterien.

Ich betone den Unterschied zwischen Neuigkeitswert und Informationswert!

Hier wird meiner Meinung nach im deutschen Journalismus maßgeblich geschlampt! Sendeanstalten versuchen auf Teufel komm raus in puncto Aktualität mit dem Internet mithalten zu können, leider zu Lasten der Qualität. Und ja, als Medienökonom verstehe natürlich auch, dass es sehr lukrativ sein kann, bestehendes Material zu recyceln und dem Markt das zu geben, was er verlangt. Aber eine gute Nachrichtenselektion sieht anders aus.

Ist ein dummer Tweet von Donald Trump ein weltbewegendes Ereignis, eine Sensation oder eine Überraschung? Ich denke nicht.

Information, Unterhaltung, Mitwirkung einer demokratischen Meinungsbildung, Kritik und Kontrolle – Das sind die Aufgaben der deutschen Massenmedien. Immerhin sprechen wir hier von der „vierten Staatsgewalt“.

Es wäre schön, wenn sich der ein oder andere Journalist oder Medienschaffende darauf zurückbesinnen würde.

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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