War das der Neubeginn?

Hat es Jogi jetzt wirklich begriffen?

Schon seit vier Pflichtspielen in Folge ist Deutschland ohne Sieg. Das sind wir nicht gewohnt. Wir sind eine große Fußballnation. Unser berechtigter Anspruch ist es, um Titel zu spielen; nicht gegen den Abstieg. Und ja, ich bleibe dabei: Diese Krise ist hausgemacht! Jahrelang wurde stur auf das gleiche System gesetzt, häufig die falschen Spieler bevorzugt und sowohl die Mentalität als auch Selbstkritik einiger Akteure lässt regelmäßig stark zu wünschen übrig.

Wen Anderes sollte man für diese Tatsachen verantwortlich machen als den sportlichen Verantwortlichen respektive den Bundestrainer? So stark Joachim Löw die DFB-ELF über Jahre hinweg auch gemacht hat, so sehr ist er sein eigenes Werk seit geraumer Zeit am sabotieren. Nach wie vor habe ich sehr große Zweifel, ob Jogi der Richtige für diesen Job ist.

Warum muss ich auf einmal an Erich Ribbeck und Rudi Völler denken?

Doch ich hege den Anspruch an mich selbst, immer möglichst fair zu bleiben: Wer das Schlechte hart kritisiert, der muss im Gegenzug das Gute auch lobend anerkennen können.

Ergo: Wir haben zwar in der „Nations League“-Paarung gegen Frankreich keinen deutschen Befreiungsschlag gesehen, dafür aber (endlich!) die versprochenen Veränderungen. Auf diese möchte ich im folgenden Beitrag eingehen.

Mein Eindruck zur Partie

Frankreich hat zwar gewonnen, doch eine Punkteteilung wäre in meinen Augen gerechter gewesen.

Die Bundeself war in der ersten Halbzeit mutiger, gefährlicher, wenn nicht sogar besser, wohingegen die Tri Color erst im Laufe der zweiten Hälfte nach und nach mehr an Kontrolle gewinnen konnte. Weder Deutschland noch Frankreich haben es geschafft, dem Spiel ihren Stempel aufzudrücken. Es war eine ausgeglichene, wenn nicht sogar schon fast eine ereignislose Begegnung.

Zudem gab es gleich mehrere strittige Elfmetersituationen, welche ohne den fehlenden Videobeweis, nur nach Gutdünken des Referees zu entscheiden waren. Je nach Schiedsrichtergespann, hätte es also auch einen anderes Resultat geben können.

Sicherlich fällt es auch mir schwer, Niederlagen als Erfolge zu verkaufen. Doch ich mahne zur Demut! Wir haben gegen den Weltmeister gespielt, lange geführt, uns teuer verkauft und dieses Mal einiges besser gemacht als gegen Holland.

Was hat uns besser als sonst gemacht?

Ich habe hierbei drei hauptsächliche Veränderungen identifiziert, die ich mir schon lange gewünscht habe.

Die Formation:

Joachim Löw setzte gegen Frankreich nicht, wie üblich, auf ein 4-2-3-1 oder ein 4-1-4-1, sondern auf eine Dreierkette, welche je nach Spielsituation als ein 5-2-3 (Defensive) oder ein 3-4-2-1 (Offensive) ausgelegt werden konnte.

Ich bin ein sehr großer Fan dieser Formation, da sie es einem ermöglicht, sehr variabel auf den Spielstand oder die Spielsituation zu reagieren.

Links: Defensive Variante, Rechts: Offensive Ausrichtung

Das hat man auch im Laufe der Partie beobachten können: Nach Frankreichs Führungstreffer wurde Brandt für Gintner eingewechselt. Infolgedessen fungierten Nico Schulz und der Leverkusener nicht mehr als Außenverteidiger, sondern als Flügelspieler, die über die Außen kommen sollten. Dafür zog man Draxler und Gnabry weiter ins Zentrum.

Wann haben wir vom Taktik-Legastheniker, Joachim Löw, jemals so eine Varianz während des Spiels gesehen?

Apropos Taktik:

Bereits nach der Weltmeisterschaft hat man angekündigt, sich vom Ballbesitzfußball distanzieren zu wollen, doch irgendwie wollte das bislang nicht so wirklich gelingen. Gegen die Franzosen war das nun über weite Strecken anders.

Bis zum Führungstreffer der Franzosen spielten die Deutschen ungewöhnlich defensiv, überbrückten jedoch im Gegenzug mit schnellen Vertikalpässen über wenige Stationen das Spiel. So hat man, vor allem in der ersten Hälfte, häufiger etwas gesehen, was man schon des Längeren nicht mehr beobachten konnte: Ein Deutscher läuft ungehindert frei aufs Tor zu.

Das Tor aus der Sicht eines deutschen Stürmers.

Ist das etwas Besonderes? Für Andere nicht, für unsere Standfußballer schon! Wenn wir jetzt noch einen Torjäger hätten… Aber okay, den kann man sich halt nicht im LIDL um die Ecke kaufen. Hier wäre ich immer noch dafür, sowohl Max Kruse als auch Sandro Wagner zurück in den Kader zu bitten.

Flinke Beine braucht das Land:

Um das Offensivspiel derart temporeich zu gestalten, benötigt man selbstredend die dazugehörigen Spieler: So bildeten Leroy Sané und Serge Gnabry gemeinsam mit Timo Werner das Angriffstrio der Deutschen – zwei junge, agile Talente, welche zwar in der Vergangenheit nicht selten von der Öffentlichkeit gefordert, aber regelmäßig vom Bundestrainer ignoriert wurden.

In der Verteidigung ersetzte der Ex-Schalker Thilo Kehrer den formschwachen Jerome Boateng und auch Niklas Süle wurde in die Startelf berufen.

Wie zu erwarten war, zahlten sich diese Wechsel aus. Das Spiel der Deutschen wirkte nicht nur spritziger, flinker und teils kreativer, ferner habe ich den subjektiven Eindruck, dass die Mentalität der jungen Spieler deutlich besser ist als die der Weltmeister. Stichwort: Hunger!

Ist jetzt Jogi plötzlich wieder der richtige Mann?

So weit würde ich bei Weitem nicht gehen! Nach der verkorksten Weltmeisterschaft, dem Auftreten in der Nations League und der langjährigen Sturheit, ist der Weg bis zur Absolution kein kurzer. Doch ich lobe, die neuen Ansätze, die ich gegen Frankreich gesehen habe.

Es wird spannend zu beobachten sein, ob Jogi wieder in seine alten Muster verfällt oder tatsächlich diesen Weg, den er in der letzten Partie eingeschlagen hat, weitergeht.

Die Vergangenheit hat uns gelehrt, dass wir Jogi Löw alles zutrauen sollten – im Positiven wie auch Negativen. Ich bleibe skeptisch, aber gespannt.

Bildquellen

„fußball-europameisterschaft-1420475“ von ASSY @Pixabay. Bearbeitet von Juri Kristiansen. Lizenz: CC0 1.0

„fußballtor-netz-bälle-ball-tornetz-402894“ von Manfred Antranias Zimmer @Pixabay. Lizenz: CC0 1.0

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