Zu nah am Wasser gebaut!

Warum mich dieses ständige Geheule diverser Fußballer nervt.

Javi Martinez ist ein Spieler, der den Unterschied machen kann. Ich gehe mal so weit, zu behaupten, dass das Tripple im Jahre 2013 ohne ihn nicht möglich gewesen wäre. Er ist zwar mit aller Sicherheit nicht der schnellste oder wendigste Kicker im Kader des Rekordmeisters. Ganz im Gegenteil sogar: Nicht selten gleicht er bei seinen Auftritten einem Baum, der Fußballschuhe trägt. Doch es sollte unbestritten sein, dass es weltweit kaum einen anderen Sechser gibt, der dem Spanier in puncto Zweikampf- sowie Kopfballstärke das Wasser reichen kann.

Doch wie es ausschaut, scheinen diesen Fähigkeiten unter Niko Kovac gegenwärtig nicht gefragt zu sein. Der FCB-Trainer setzt in dieser Saison bislang viel mehr auf spielstarke, technisch versierte Akteure im Mittelfeld, weswegen Thiago, Kimmich und Tolisso den Vorzug gegenüber dem Defensivspezialsten genießen. Das sorgt natürlich für eine jede Menge Frust bei Bayerns Nummer 8.

So kam es gestern, bereits vor dem Anpfiff der Samstagspartie gegen Hoffenheim, zu einer sehr unschönen Szene: Ein betröppelter Javi Martinez saß weinend auf der Ersatzbank des Rekordmeisters. An seiner Seite: Co-Trainer Hansi Flick, der ihm Trost spendete.

Viele Fans sind außer sich!

Eine verzweifelte Vereinslegende, den Tränen nahe, das will natürlich kein Fan sehen, weswegen die meisten Reaktionen in den sozialen Netzwerken in etwa wie folgt aussahen…

Und dies waren noch die gemäßigtsten Aussagen zur Causa „Martinez/Kovac“. Auf Tweets mit Schimpfwörtern habe ich an dieser Stelle mal bewusst verzichtet.

Warum ich das anders sehe

Versteht mich an dieser Stelle nicht falsch: Die Abwehr der Bayern wirkt auf mich nicht sonderlich stabil. Ein defensivstarker Sechser, wie Martinez zum Beispiel, könnte da durchaus hilfreich sein, weswegen ich an Niko Kovacs Stelle viel öfter auf die Dienste des Spaniers zurückgreifen würde. Diesbezüglich gehe ich bei der Kritik am Bayern-Coach also mit.

Was ich hingegen nicht gutheißen kann, ist Martinez‘ Reaktion selbst. Ich kann zwar verstehen, dass er seine aktuelle sportliche Situation als frustrierend empfindet, doch deshalb demonstrativ vor dutzenden von Kameras heulen, nur damit jeder sein Leid sehen kann?

Ne, das ist mir zu melodramatisch, absolut too much. Das ist nicht besser, als sich bei Reportern über den Trainer auszukotzen. Das ist kein spontaner emotionaler Ausbruch. Von seiner Nichtberücksichtigung hat er ja wohl nicht just in diesem Moment erfahren, sondern während der Team-Besprechung. Warum hat er also nicht in der Kabine oder im Gang geheult? Eben. Da gibt es keine Kameras.

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Und selbst wenn Javis Tränen keine Show bzw. Kalkül waren, halte ich seine Reaktion für übertrieben. Ich bin natürlich kein Vertreter der überholten Meinung, dass Männer nicht weinen dürfen, aber wegen einer Nichtberücksichtigung? Sorry, Leute, aber das ist doch Kindergarten!

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Stellt euch mal vor, jeder eurer Kollegen würde im Tal der Tränen ausbrechen, wenn er wiederholt vom Chef übergangen würde. Ihr würdet den Kollegen doch einweisen lassen! Und wer der Meinung ist, dass der Vergleich hinkt, hat wohlmöglich den falschen Job gewählt, wenn er trotz 40 investierter Stunden pro Woche keinen Bezug zu seinem Beruf oder Arbeitgeber aufbauen kann.

Ohnehin kann es ja nicht sein, dass insbesondere beim deutschen Rekordmeister derartige Dinge beinahe an der Tagesordnung stehen. Man denke da nur an die Causa „Renato Sanches“ zurück. Warum bekomme ich ein vergleichbares Gezetere bei den anderen 17 Bundesliga-Klubs kaum mit? Ach ja, dort stehen die Spieler nicht ständig im Rampenlicht. Da juckt es nämlich keine Sau, wenn ein Spieler Starallüren an den Tag legt.

Etwas mehr Professionalität, bitte!

Was einige hier scheinbar vergessen: Die Jungs in der Bundesliga kicken nicht zum Spaß. Das ist ihr verdammter Beruf. Persönliche Befindlichkeiten sind also völlig fehl am Platz. Das einzige, was zählt, ist das Team. Der Mannschaftserfolg ist allem übergeordnet.

Ferner: Wie jeder andere Beschäftigte auch, haben auch die Spieler des FC Bayern einen Vorgesetzten und dieser nennt sich nun mal, ob das einem passt oder nicht, zurzeit Niko Kovac. Es ist sein Kopf der rollen wird, wenn die Ziele des Vereins verfehlt werden. Er steht in der Verantwortung. Also haben die Spieler seinen Anordnungen, ob sie sinnvoll sind oder nicht, Folge zu leisten.

Merke: Scheiße fällt nun mal nach unten, was zur Folge hat, dass Martinez in Richtung Kovac zu beten hat und dieser wiederum in Richtung Chefetage. Das war schon immer so. Das wird so immer bleiben.

Also, Javi, pack die Taschentücher bitte wieder bei Seite…

…und tu das, wofür du bezahlt wirst – selbst wenn das vorerst zu bedeuten hat, dass du auf der Bank zu schmoren hast. Und falls du mit deinem aktuellen Arbeitgeber nicht zufrieden bist, dann wechsle ihn doch einfach. Das wäre kein Weltuntergang. Andere Menschen handhaben das nicht anders.

Wobei ich persönlich einen Weggang für zu überzogen halten würde. Tolisso patzt regelmäßig, Verletzungen werden hinzukommen, etc. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis du deinen Wert für die Mannschaft wieder beweisen kannst – und das ganz ohne melodramatische Einlagen fernab des Platzes, die alles andere als zielführend sind.

Nachtrag (Sonntag, 6.10.2019, 21:48 Uhr):

Laut Informationen, die Sport1 zur Verfügung haben soll (was immer das auch zu bedeuten hat) sollen keine Tränen geflossen sein. An der melodramatischen Show, welche Javi Martinez vor laufenden Kameras abgezogen hat, ändert das in meinen Augen jedoch rein gar nichts. Denn ob Tränen oder nicht: Er sitzt da, als ob er Hiob höchstpersönlich sei, nur weil ihm der Status als Bankdrücker zusetzt. Seine Probleme hätte ich gerne.

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Aus Gründen hier. Dein Gefährte durch Raum und Zeit. Dein Pferdefreund zum Busenstehlen. Der Büriff.

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